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Rostock Klimaschutz: Rostocker fordern Verbot von Autos in Innenstadt und KTV
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Klimaschutz: Rostocker fordern Verbot von Autos in Innenstadt und KTV

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08:00 14.12.2019
SPD, Linke und Grüne der Rostocker Bürgerschaft hatten zu einem Ideenwettbewerb zum Klimanotstand in den Bürgerschaftssaal eingeladen. Juliane Bethke (v. l.), Valerie Tschirpig, Rebecca Kain und Lars Grählert pinnen ihre Ideen an eine Wand. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Rostocker Bürger wollen das Klima retten – und das auch mit „radikalen“ Ideen für die Hansestadt: Die Innenstadt und die KTV sollen für Autos gesperrt werden, im Seehafen und vor Warnemünde neue Windkraftanlagen entstehen und für Neubauten müsse eine Solar-Anlagen-Pflicht gelten. Das sind die drei wohl streitbarsten Vorschläge eines Ideen-Workshops zum Klimanotstand in der Hansestadt. Linke, Grüne und SPD hatten die Rostocker aufgerufen, ihre Ideen für den Umweltschutz einzubringen.

Seit Ende September gilt in der Hansestadt offiziell der Klimanotstand. Bis Ende Januar haben Bürgerschaft und Stadtverwaltung nur noch Zeit, um konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie in Rostock der Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen möglichst gen Null reduziert werden kann. „Dabei brauchen wir auch die Ideen der Bürger“, sagt Andrea Krönert, Vize-Fraktionschefin der Rostocker Grünen.

Umbau der Stadt geht nicht im Alleingang

Steffen Wandschneider-Kastell, Fraktionschef der Rostocker SPD, ergänzt: „Als Politik wollen und dürfen wir den notwendigen klima-gerechten Umbau unserer Stadt nicht im Alleingang angehen. Die Rostocker haben in intensiver Diskussion und ohne Denkverbote Vorschläge eingebracht, welche wir gemeinsam mit der Verwaltung weiter bearbeiten wollen.“

Zur Ideenwerkstatt waren mehr als 100 Bürger gekommen. Insgesamt brachten sie knapp 300 Vorschläge ein. „Die Ideenwerkstatt hat bewiesen, dass sich viele Menschen für das Thema Klimaschutz interessieren. So sollte Bürgerbeteiligung immer sein“, urteilt Linken-Chefin Eva-Maria Kröger.

Autofreie Innenstadt für Rostock?

Der Vorschlag, der wohl die größten Diskussionen nach sich ziehen dürfte: „Die Teilnehmer haben sich für autofreie Zonen in Rostock ausgesprochen. In der Innenstadt und der KTV soll der Autoverkehr so weit wie möglich eingeschränkt werden“, erklärt Uwe Flachsmeyer, der Fraktionschef der Grünen.

Dass dieser Vorschlag von Bürgern komme, habe ihn ein wenig überrascht. „Autofrei heißt ja nicht, dass wir die Stadtteile sofort für alle Fahrzeuge sperren.“ Anwohner müssten schließlich auch irgendwie ihre Wohnungen erreichen können.

Park & Ride“-Parkplätze für Pendler

„Es würde aber durchaus Sinn machen, mit einzelnen Straßen anzufangen“, so Flachsmeyer. Er könnte sich beispielsweise vorstellen, die Autos aus dem Bereich Am Brink, Leonhardstraße und Barnstorfer Weg zu verbannen. „Dort könnten die Menschen dann schön im Freien sitzen – mit Außengastronomie.“

Langfristig sei es auch vorstellbar, dass Pendler und Besucher von außerhalb ihre Autos am Stadtrand stehen lassen – auf „Park & Ride“-Parkplätzen. „Mit dem öffentlichen Nahverkehr bringen wir die Menschen dann in die City.“

SPD-Chef Wandschneider-Kastell weiß, dass dieser Vorschlag nicht nur Freunde finden wird: „Einige Vorschläge sind sehr weitreichend und polarisieren. Aber wir müssen unsere gewohnten Bahnen verlassen, wenn wir etwas erreichen wollen.“

Mehr Nahverkehr, geringere Preise

Bei den Linken kommen andere Vorschläge der Bürger noch besser an: Auf der Liste der meist genannten Ideen stehen neue Bus- und Bahnverbindungen – etwa nach Lichtenhagen, in den Überseehafen und auch ins Umland – ganz oben. Auch eine bessere Taktung des Nahverkehrs steht auf der Agenda. Zudem sollen Unternehmen ihren Arbeitnehmern günstige Tickets für Busse und Straßenbahnen spendieren.

Linken-Chefin Kröger dazu: „Je mehr Menschen mit Bus und Bahn fahren, desto weniger Autos sind unterwegs. Das ist gut fürs Klima und gesund für die Rostocker. Allerdings müssen die Preise für Tickets dann wieder sinken und es müssen mehr Busse und Bahnen fahren. Dafür wird viel Geld benötigt und wir sind bereit, hier einen Schwerpunkt zu setzen.“ Denn, so die Linke: „Eine Öko-Wende ist nur gut, wenn sie auch sozial ist. Wir müssen auch in Rostock aufpassen, dass ökologisch gute Maßnahmen für alle bezahlbar bleiben.“

In Kürze: 9 Ideen zum Klimaschutz in Rostock

Autofreie Stadt:In der KTV und in der City sollen Autos tabu sein. Anwohner können ihre Fahrzeuge in Parkhäusern am Rand abstellen und sollen nur noch „vor die Haustür“ fahren, wenn es wirklich nötig ist.

Selbst ist die Stadt: Die Bürger wollen zudem die Verwaltung und die städtischen Unternehmen zwingen, jedes Jahr ihren Ausstoß an Treibhausgasen um drei Prozent zu reduzieren.

Strom vom Dach:Alle Neubauten in Rostock sollen Solaranlagen auf den Dächern haben. Ohne Sonnen-Strom soll es keine Baugenehmigungen mehr geben. Auch auf bestehenden Gebäuden soll nachgerüstet werden.

Homeoffice statt Pendel-Verkehr:Um die Straßen zu entlasten, sollen Firmen in Rostock ihren Mitarbeitern stärker als bisher ermöglichen, von daheim arbeiten zu können. Die Stadtverwaltung soll in diesem Punkt mit gutem Beispiel vorangehen.

Radverkehr für alle: Die Stadt soll nicht nur neue Radwege bauen, sondern auch Räder zum Leihen anbieten – damit die Bürger jederzeit umweltfreundlich mobil sein können.

Wind für Rostock: Im Seehafen und auch vor Warnemünde sollen Windparks entstehen. Dort würden sie kaum stören, aber saubere Energie für alle liefern.

Leuchten nur mit LED: Alle Straßenlaternen und die gesamte Beleuchtung der Stadt – unter anderem in und an den Verwaltungsgebäuden – soll schnellst möglich auf Energie-sparende LED-Technik umgestellt werden.

Privat-Autos werden überflüssig: Die Stadt soll mit privaten Unternehmen das Carsharing-Angebot ausbauen. Das Ziel: Die Rostocker sollen sich für kleines Geld ein Auto unkompliziert leihen können, wenn sie es brauchen. Aber: Eigene Autos sollen überflüssig werden. Die stünden meist eh nur rum und würden Flächen blockieren.

Parken für das Umland:Pendler und Besucher aus dem Umland sollen am Stadtrand ihr Auto abstellen – auf riesigen „Park & Ride“-Plätzen. Von dort geht es im schnellen Takt mit Bussen oder Bahnen in die Stadt.

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Von Andreas Meyer

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