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Rostock Klimawandel: Lüsewitzer Forscher forscht am Roggen der Zukunft
Mecklenburg Rostock Klimawandel: Lüsewitzer Forscher forscht am Roggen der Zukunft
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09:22 21.06.2019
Dr. Bernd Hackauf, Agrarwissenschaftler am JKI in Groß Lüsewitz, entwickelt innovative Lösungen für die Roggenzüchtung.
Dr. Bernd Hackauf, Agrarwissenschaftler am JKI in Groß Lüsewitz, entwickelt innovative Lösungen für die Roggenzüchtung. Quelle: JKI
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Groß Lüsewitz

Nicht nur Schüler auf den „Fridays-for-Future“-Demonstrationen beschäftigt der Klimawandel. Auch die Landwirte stellt er vor große Herausforderungen. Die Landwirtschaft ist unmittelbar vom Klimawandel betroffen. Darauf müssen die Bauern reagieren, etwa bei der Auswahl von Pflanzen oder der Bewirtschaftung ihrer Felder.

Am Julius Kühn-Institut in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) forscht Dr. Bernd Hackauf an der Kulturpflanze Roggen, um sie an die sich stetig ändernden Anforderungen der Landwirte, Verbraucher und auch der Umwelt bestmöglich anzupassen. „Am JKI nutzen wir die natürlich vorkommenden genetischen Ressourcen der Pflanzen“, so der Agrarwissenschaftler.

Halbzwerge

1972 wurde am Vavilov-Institut in St. Petersburg erstmals eine Genvariante beschrieben, die im Roggen zu einer natürlichen genetischen Halmverkürzung führt. 2014 begann das Team in Groß Lüsewitz erstmals, sogenannten Halbzwerge zu entwickeln und unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen zu prüfen. „Die Kurzstrohigkeit sichert die Kornertragsleistung der Pflanze“, erklärt Hackauf. „Das verfügbare Wasser und die Nährstoffe werden nicht für die Ausbildung eines langen Halms benötigt, sondern können für die Kornbildung benutzt werden. Die Pflanzen besitzen darüberhinaus eine erhöhte Trockenstresstoleranz.“ Dank des Kurzstrohgens könne auch auf chemischen Pflanzenschutz, der zurzeit notwendig ist, um die Lagerneigung bei Roggen zu verbessern, verzichtet werden.

„Roggen soll für Landwirte wieder attraktiv werden“

Die Arbeit des Wissenschaftlers soll auch dazu beitragen, den Roggen als traditionelles Getreide für die Landwirte attraktiv und in der modernen Landwirtschaft wettbewerbsfähig zu halten. „Erweiterte Fruchtfolgen und breitere Sortenwahl bringen Vielfalt auf den Acker und tragen zur Risikoabsicherung gegen Extremwettereinflüsse bei“, so Bernd Hackauf.

Bevor die Halbzwerge in der Praxis ankommen, sei es ein langer Weg. Ungefähr 12 bis 15 Jahre der Entwicklung und Prüfung sind notwendig, bis eine Sorte am Ende vom Bundessortenamt den Sortenschutz erhält und somit angebaut werden darf. „Diesen Prozess gilt es angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel zu verkürzen“, ergänzt der Forscher. Hierzu verwenden sie modernste Diagnosemethoden: Ob eine Roggenpflanze die genetische Information für Kurzstrohigkeit in sich trägt, erfahren die Forscher des JKI durch einen genetischen Fingerabdruck des Getreides. „Den können wir bereits kurz nach der Aussaat erstellen.“ So könne in jeder Generation Zeit von acht bis neun Monaten gespart werden, um Pflanzen mit der gewünschten Eigenschaft zu erkennen und gezielt weiter zu bearbeiten.

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