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Rostock Klimawandel: So sehr leiden unsere Bäume in der Rostocker Heide
Mecklenburg Rostock Klimawandel: So sehr leiden unsere Bäume in der Rostocker Heide
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17:37 15.08.2019
Forstamtsleiter Jörg Harmuth (57) zeigt auf eine Buche, die voller Früchte ist. Doch selbst diese für die Rostocker Heide typischen Bäume leiden inzwischen unter der Trockenheit. Quelle: André Horn
Wiethagen

Der besorgniserregende Waldzustand und der Borkenkäfer sind gerade in aller Munde. Auch in der Rostocker Heide sind dem Schädling bereits viele Fichten zum Opfer gefallen. Doch Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth betont, dass dies längst nicht das einzige Problem der zunehmenden Dürre und der weiteren Klimaveränderung ist. „Alle Bäume leiden unter dem Klimawandel“, sagt der 57-Jährige. Die Buche sei ein gutes Beispiel: Sie gilt als die „Mutter des Waldes“ und findet in der Rostocker Heide ideale Bedingungen vor. Doch selbst sie ist durch die anhaltende Trockenheit in Schwierigkeiten geraten.

Zwar reichen die Wurzeln der Bäume in der Heide bis zu zwei Meter tief, aber das Grundwasser ist inzwischen noch weiter abgesackt. Auch fehle die sogenannte Substrat-Feuchte im Boden. „Wir haben wieder ein extremes Jahr“, sagt Harmuth.

Es fehlt ein Meter Wasser

In der Rostocker Heide geht das Wasser in Gräben, Tümpeln und Teichen deutlich zurück. „Uns fehlt gut ein Meter Wasser“, sagt Stadtförster Jörg Harmuth. Quelle: André Horn

Der Forstamtsleiter zeigt ein Gewässer in der Rostocker Heide: Bei den schweren Regenfällen im Jahr 2011 sei es bis oben hin voll gewesen mit Wasser. Nun ist es fast leer. „Uns fehlt inzwischen gut ein Meter Wasser“, sagt Harmuth. Die meisten Gräben in der Heide sind aktuell auch dann trocken, wenn sie sonst im Normalfall Wasser führen.

Am Gewässer stehen auch Buchen. Sie tragen reichlich Früchte. Doch gut gehe es ihnen deshalb nicht, erläutert Harmuth. Im Gegenteil. „Sie kämpfen mit der Trockenheit und versuchen als eine Abwehrreaktion die zu versorgende Blattmasse zu reduzieren. Dazu kommt in diesem Jahr eine starke Buchenmast, eine starke Ausbildung von Früchten, die zusätzlich Stress für die Bäume bedeutet.“ Harmuth richtet den Blick nach oben: „Die Buchen brauchen in der Verjüngung wenig Licht und die Altbäume brauchen vitale Kronen für die eigene Versorgung und den notwendigen Schatten für die jungen Buchen“, sagt er. Doch die Baumkronen sehen bereits kahl aus.

Aufforstungsprogramm gefordert

Forstamtsleiter Jörg Harmuth steht an einer Fichte, die von Borkenkäfern befallen wurde und sich nicht mehr gegen diese wehren kann. Quelle: André Horn

Auch die Eichen leiden unter den Bedingungen. „Sie sehen seit Jahren schlimm aus.“ Dies betrifft auch markante Einzelbäume, die lange Zeit Landschaftsbilder prägten. Der Stadtförster nennt als Beispiel eine stattliche Eiche, die an der Straße zum Forstamt in Wiethagen steht und ins Auge fällt. „Ich würde sie nur ungern fällen“, sagt er. Doch wegen der Verkehrssicherungspflicht könnte es bald so weit sein.

Deutschlandweit befürchten Waldbesitzer wegen Dürre und Borkenkäfer-Plage Milliardenkosten. Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter. „Es handelt sich um eine Jahrhundertkatastrophe für die Wälder in Deutschland“, sagt eine Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat bereits ein Wald-Aufforstungsprogramm gefordert, das Schätzungen zufolge mindestens 1,5 Milliarden Euro kosten soll. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will dafür Geld aus dem Energie- und Klimafonds bereitstellen.

Auch Besucher können helfen

Um dem Klimawandel zu trotzen, sollen möglichst verschiedene Arten an einem Standort wachsen. Hier sind unter anderem Eichen angepflanzt worden. Quelle: André Horn

„Aufforstung ist grundsätzlich eine gute Idee“, sagt Harmuth. Allerdings muss sie auch sinnvoll erfolgen. „Wir brauchen mehr Wald, wir müssen aber auch anders mit dem Wald umgehen. Wir müssen ihn so strukturieren, dass er stabiler gegen den Feuchtigkeitsmangel ist“, sagt der Forstamtsleiter. Dazu gehöre eine größere Arten-Vielfalt an den einzelnen Standorten, damit sich die Baumarten gegenseitig ergänzen.

Auch müsse die Wilddichte verringert werden, fordert Harmuth. „Wir müssen effektiv jagen dürfen und nicht Wild vor Wald stellen.“ Nur so könnten junge Bäume in Ruhe und in der gewünschten Vielfalt von Natur aus wachsen. Hierzu können auch die Besucher des Waldes ihren Beitrag leisten: „Indem sie zum Beispiel ihren Hund an der Leine lassen. Sonst scheuchen die Hunde alles auf und das Wild fängt an zu fressen, wo es nicht fressen soll.“ Hilfreich wären zudem vernünftige Förderprogramme und weniger Bürokratie, so der Stadtförster.

So schlimm wie in Süddeutschland und Thüringen, wo ganze Waldgebiete abgeholzt werden müssen, sei die Situation in der Rostocker Heide aber nicht. „Da sind wir zum Glück noch nicht“, sagt Harmuth. Doch es sei wichtig, dem vorzubeugen. Eine Möglichkeit dazu ist auch die Pflanz-Aktion „Bürger für Bäume“, die in diesem Jahr gemeinsam mit dem Zoo Rostock am 26. Oktober in der Heide stattfindet.

6000 Hektar großer Wald

Im Jahre 1252 kaufte die Stadt Rostock das Waldgebiet von Fürst Heinrich Borwin III. Heute gehört die Hansestadt zu den fünf größten kommunalen Waldbesitzern in Deutschland.

Die Rostocker Heide ist eines der letzten großen Waldgebiete an der Küste. Die etwa 6000 Hektar große Fläche ist seit 1996 Landschaftsschutzgebiet, mehrere Bereiche sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Laub- und Nadelwälder prägen die Landschaft, auf einem Teil des Gebiets breiten sich Moore und Wiesen aus. Rund sechzig Prozent des Gebietes sind Europäisches Schutzgebiet im Rahmen von Natura 2000.

Das Stadtforstamt Rostock verwaltet die Rostocker Heide, die in vier Forstreviere eingeteilt ist: Schnatermann, Hinrichshagen, Torfbrücke und Wiethagen. Die Waldbewirtschaftung ist seit dem Jahr 2000 nach dem FSC-Standard zertifiziert. Das Waldgebiet zählt zu den Tourismusschwerpunkten der Hansestadt Rostock. Seit 2006 sind auch Waldbestattungen im Ruheforst „Rostocker Heide“ möglich.

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Von André Horn

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