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Rostock Klimawandel in Rostock: Es wird heißer in der Hansestadt
Mecklenburg Rostock Klimawandel in Rostock: Es wird heißer in der Hansestadt
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14:00 28.04.2019
Folge des Klimawandels: Jan Koch von der Freiwilligen Feuerwehr muss im Rekordsommer 2018 junge Straßenbäume in Rostock bewässern. Einsätze wie diesen wird es in Zukunft für die Wehren häufiger geben. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

Für all jene, denen die Hitze im vergangenen Jahr gefallen hat, gibt es gute Nachrichten: In den kommenden Jahrzehnten werden solche Rekordsommer in der Hansestadt zur Regel. Es wird immer wärmer an Warnow und immer seltener wird es regnen. Was die Wissenschaftler im Climate Service Center Germany (Gerics) der renommierten Helmholtz-Forschungsgemeinschaft für Rostock errechnet haben, mag positiv klingen, ist aber eine echte Hiobsmeldung: „Der Klimawandel ist bei uns längst Realität“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) und warnt vor dramatischen Folgen für Menschen, Natur und auch die Wirtschaft in der Hansestadt.

Tropennächte und Hitzetage

Natürlich, sagt Bianca Schuster, sei das, was die Forscher für Rostock errechnet haben, so etwas wie der Blick in eine Glaskugel. „Aber die Ergebnisse sind eindeutig“, so die Leiter des Sachgebietes Immissionsschutz und Umweltplanung im Rostocker Umweltamt. Aus 55 verschiedenen Faktoren, langjährigen Messwerten und Datensätzen haben die Helmholtz-Fachleute drei Zukunftsszenarien für das regionale Klima in Rostock errechnet. Jeweils für einen Zeitraum von mehr als 45 Jahren, bis 2065. „Selbst im besten Fall – wenn die Menschheit weltweit reagiert und den Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen massiv reduziert –, wird sich das Wetter bei uns spürbar verändern“, sagt Schuster.

Der wichtigste Fakt: Es wird wärmer in Rostock. „Die Temperaturen im jährlichen Mittel werden steigen. In allen Jahreszeiten wird es einen Anstieg geben – ganz besonders aber im Herbst“, so Schuster. „Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen von 25 Grad Celsius wird sich verdoppeln, die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius im Extremfall sogar verdreifachen.“ Im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte zählt Rostock gerade mal 15 Tage pro Jahr, künftig könnten es mehr als 30 sein. „Und wir werden mehr und mehr Tropennächte erleben. Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius fällt“, sagt Schuster.

Kinder und Alte in Gefahr

Was angenehm klingt, stellt für die Menschen in der Hansestadt eine enorme Gefahr dar: „Vor allem für Kinder und ältere Menschen ist Hitze ein Problem“, sagt die Sachgebietsleiterin. Schulen, Kitas und Pflegeheime, aber auch das Gesundheits- sowie das Brandschutz- und Rettungsamt müssten sich auf das Szenario einstellen: „Die hohen Temperaturen werden auch zu einer steigenden Anzahl von Kreislauf-Erkrankungen führen“, so Schuster. Stadtverwaltung und Heim-Betreiber müssten aber auch über die Klimatisierung der Gebäude und über die Wasserversorgung nachdenken. Umweltsenator Matthäus sieht auch Probleme für die Wirtschaft: „Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius ist Arbeiten kaum noch möglich. Aber wir haben in Rostock bisher in den wenigsten Firmen Klimaanlagen. Vielleicht müssen wir unsere gesamte Lebens- und Arbeitswelt anpassen – und wie in Südeuropa in der Mittagshitze das Arbeiten einstellen, dafür früher anfangen.“

Wasser-Notstand und Brandgefahr?

Der Rekordsommer 2018 habe aber noch mehr Probleme der Klimaveränderungen in der Hansestadt aufgezeigt: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unsere Natur vor der Hitze schützen“, sagt Schuster. Der Senator ergänzt: „In der Rostocker Heide sehen wir schon deutlich die Folgen der Hitze. Sie setzt unserem Baumbestand zu.“ Wie also bewahrt Rostock künftig Bäume, Sträucher, Parks? Wie und wann wird bewässert? Welche Bäume könnten in Zukunft gepflanzt werden, die mit Hitze besser klarkommen?

„Wir müssen die komplette Daseinsvorsorge anpassen“, fordert Schuster. Die Stadtplaner müssten darauf achten, dass es ausreichend Grünflächen gibt („Parks können eine Stadt kühlen“) statt alle freie Flächen zu bebauen. „Wir schauen uns gerade jeden Stadtteil einzeln an – auch unter dem Gesichtspunkt ,Frischluft’“, erklärt Schuster. Rostock brauche Schneisen, durch die frische Luft in die Stadt strömen könne. Die Feuerwehren müssten sich zudem verstärkt auf Großbrände einstellen – sei es wie 2018 auf Recyclinghöfen in Hinrichsdorf und Mülldeponien oder auch in Wäldern und auf Feldern. „Und wir haben erlebt, dass ein solcher Sommer auch unsere Trinkwasser-Versorgung an ihre Grenzen bringt.“ Nordwasser sei es zwar gelungen, jederzeit ausreichend Wasser bereitzustellen. Schuster fragt aber: „Haben wir eine Notversorgung, wenn die Warnow als Quelle ausfällt oder schlichtweg nicht mehr genügend Wasser führt?“

Mehr Starkregen, mehr Fluten

Die Regenmengen indes werden sich, so die Helmholtz-Prognosen, im Jahresschnitt kaum verändern. „Das Problem aber wird sein, dass sich der Niederschlag anders verteilt“, sagt Schuster. Es werde zwar seltener, dafür aber umso heftiger regnen. „Die Zahl der Starkregen-Ereignisse wird zunehmen.“ Rostock arbeite bereits an einem neuen Entwässerungskonzept für die gesamte Stadt. Und: Die Fachleute rechnen auch mit vermehrten Sturmfluten. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt plant bereits eine bis zu zwei Meter hohe Schutzmauer rund um den kompletten Stadthafen. „Wir stehen vor riesigen gesellschaftlichen und finanziellen Herausforderungen“, sagt Umweltsenator Matthäus. Rostock müsse sich an das neue Klima anpassen. „Wir haben keine andere Wahl.“

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