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Rostock Rostocker Kraftwerk geht als Letztes vom Netz
Mecklenburg Rostock Rostocker Kraftwerk geht als Letztes vom Netz
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09:42 30.01.2019
Steinkohlekraftwerk im Rostocker Überseehafen Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Im Nordosten raucht es bis zum Schluss: Das Steinkohlekraftwerk im Rostocker Seehafen wird bundesweit eines der letzten sein, dass vom Netz gehen wird. Davon gehen die Betreiber – die Großkonzerne EnBW und Rheinenergie – aus. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte erst vergangene Woche entschieden, dass bis 2038 alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. In Rostock könnte das erste wenige Monate vor Ablauf dieser Frist der Fall sein.

Eines der modernsten Kraftwerke

„Unser Kraftwerk ist eines der modernsten Deutschlands“, sagt Axel Becker, Geschäftsführer des Betreiberunternehmens KNG. Es werde definitiv erst nach 2030 abgeschaltet. Ein genaues Enddatum will er nicht nennen: „Erst muss der Ausstieg als Gesetz beschlossen werden. Dann wird die Bundesregierung mit den Betreibern verhandeln.“ Während für das einzig weitere deutsche Kohlekraftwerk an der Ostsee – das Kraftwerk Kiel – bereits 2019 Schluss sein soll, wird der Betrieb in Rostock weitergehen. „Es ist derzeit systemrelevant für die Versorgungssicherheit im Norden Ostdeutschlands“, so Becker. Rechnerisch versorgt das Kraftwerk Rostock drei Viertel aller Haushalte im Land mit Energie. „Aber auch wenn wir vom Netz gehen, gehen in MV nicht die Lichter aus.“

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Kurze Wege für die Kohle

Nach drei Jahren Bauzeit war das Kraftwerk 1994 in Betrieb gegangen und beschäftigt 120 Mitarbeiter. Intern rechnen die Betreiber mit einer Betriebszeit von mindestens 40 Jahren – also bis 2034. Rostocks Lage spricht dafür, dass das Kraftwerk sogar noch länger laufen könnte: „Wir haben eine optimale Kohlelogistik“, sagt Becker. Der Brennstoff wird mit Schiffen angeliefert, hat kurze Wege bis zum Kraftwerk. Denkbar wäre auch, so Becker, das Kraftwerk umzurüsten – auf Gas als Brennstoff. „Das ist eine Option.“ Eine Verpflichtung, den 141,5 Meter hohen Kühlturm zurückzubauen, gäbe es bisher nicht.

Kommentar: Rostock braucht Alternativen zur Kohle

Land will speichern erproben

Auch die Landesregierung rechnet nicht mit einem schnellen Aus für das Rostocker Kraftwerk: „Es ist eines der effizientesten in Deutschland“, so Ulrike Sennewald, Sprecherin von Energieminister Christian Pegel (SPD). Dennoch müsse sich MV vorbereiten: „Die zu ersetzenden Energiemenge ist nicht das Problem. MV erzeugt bereits heute ausreichend Strom aus erneuerbaren Quellen. Es geht vielmehr darum, Schwankungen auszugleichen.“ Das Land fördere deshalb den Bau und die Erprobung neuer Speichertechnologien –um auch dann genügend Energie zu haben, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend liefern.

Rostock fordert Plan B für Kraftwerk

„Wir sind schon jetzt völlig unabhängig vom Kraftwerk“, sagt Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). „Der Strom aus dem Seehafen geht über eine 380-kV-Trasse nach Güstrow und von dort in das deutsche Hochspannungsnetz.“ Einziges Problem für die Hansestadt: Das Kraftwerk deckt auch ein Drittel des Fernwärmebedarfs der Hansestadt. Rechnerisch könnten die Stadtwerke den zwar mit eigenen Kraftwerken decken, dennoch plane das städtische Unternehmen bereits den Bau eines riesigen Wärmespeichers und eines neuen Erdwärme-Kraftwerks. Mathäus: „Aus Rostocker Sicht wäre es wünschenswert, wenn das Kraftwerk zu einem Speicher umgebaut wird.“

Andreas Meyer

OZ-Umfrage zum Kohleausstieg