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Rostock Sanierungsfall Uni-Klinik Rostock: Warum dem größten Krankenhaus im Land ein Rekordminus droht
Mecklenburg Rostock Sanierungsfall Uni-Klinik Rostock: Warum dem größten Krankenhaus im Land ein Rekordminus droht
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15:30 28.11.2019
In nur zwei Jahren vom Branchenprimus zum Sanierungsfall: die Universitätsmedizin in Rostock. Quelle: UMR
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Rostock

Am Freitag wird es ernst für Mathias Brodkorb: Der Ex-Bildungsminister und Ex-Landtagsabgeordnete wird dann erstmals als neuer Chef eine Sitzung des Aufsichtsrates der Rostocker Uni-Klinik leiten. Und dieses Treffen – es könnte gleich mit zum Scherbengericht für die bisherige Führungsriege werden. Denn nach OZ-Informationen ist die wirtschaftliche Lage des größten Krankenhauses des Landes noch viel dramatischer als bisher angenommen. Bis Ende 2022 – also in nur drei Jahren – könnte die Klinik fast 100 Millionen Euro Verlust einfahren. Das geht aus dem neuesten Wirtschaftsplan hervor.

Vom Primus zum Pflegefall

Das vertrauliche Papier, über das am Freitag mit den Vorständen intensiv diskutiert werde soll, liegt der OZ in Auszügen exklusiv vor. Die Zahlen daran kommen einer Bankrotterklärung gleich: Allein im kommenden Jahr rechnet die Universitätsmedizin mit einem Defizit von 28,7 Millionen Euro. Bis 2022 soll das Minus dann auf 33,4 Millionen Euro steigen. Am Ende geht es um mehr als 93 Millionen Euro, die der Klinik fehlen. In nur drei Jahren.

Innerhalb von nicht einmal drei Jahren ist die Uni-Klinik vom Vorzeigekrankenhaus zum Sanierungsfall geworden: Jahrelang machten die Rostocker Ärzte und Forscher Millionengewinne – als eine der wenigen Uni-Klinika in ganz Deutschland. Allein 2017 lag der Überschuss noch bei mehr als neun Millionen Euro.

Dann aber kam der „Fall Schmidt“: Dem ehemaligen Vorstandschef, der 2017 noch zu Deutschlands Krankenhausmanager des Jahres gekürt wurde, warfen Professoren aus Reihen der Klinik mehrere Dienstvergehen vor. Schmidt wurde zwischenzeitlich suspendiert, am Ende wurde er begnadigt – weil sich die schlimmsten Vorwürfe als haltlos erwiesen hatten. Vorstandschef durfte er aber dennoch nicht mehr sein, „nur“ noch Ärztlicher Vorstand. Seit den Skandalen geht es wirtschaftlich mit der Klinik bergab, die Führungsriege ist zerstritten.

Brodkorb schweigt zum Minus

Als im August erstmals von einem drohenden Minus – aber noch nicht in dieser Höhe – die Rede war, beruhigt das zuständige Bildungsministerium in Schwerin: Ein großer Teil der steigenden Kosten sei auf steigende Gehälter bei den Mitarbeitern zurückzuführen; der Vorstand sei beauftragt worden, „Maßnahmen“ zu ergreifen, um das Defizit zu begrenzen. Offenbar ohne Erfolg.

Der neue hauptamtliche Chef-Sanierer der Klinik – Brodkorb – schweigt zur dramatischen Lage: Er will die Zahlen des Wirtschaftsplanes weder bestätigen noch dementieren. Über seinen Sprecher Henning Lipski lässt der SPD-Mann ausrichten: „Zur finanziellen Situation der Universitätsmedizin Rostock äußern wir uns zu gegebener Zeit und erst nach der Sitzung des Aufsichtsrates. Ich hoffe auf Ihr Verständnis.“

Der neue Sanierer Brodkorb soll aber die Vorstandsmitglieder gebeten haben, auf Zusatzzahlungen – im Volksmund auch „Boni“ genannt – zu verzichten. Allein in einem Fall geht es um 70 000 Euro. Das werde die Klinik nicht retten, sei aber ein Zeichen. Auch an die Mitarbeiter, die neue Einschnitte zu fürchten haben.

Muss Nöldge-Schomburg gehen?

Auf der Aufsichtsratssitzung dürfte es auch um Posten und Personen gehen: Nach OZ-Informationen plant Brodkorb nach der Sitzung eine Pressekonferenz. Die kommissarische Vorstandschefin Gabriele Nöldge-Schomburg soll dann aber nicht an seiner Seite sitzen. Das habe sie selbst abgelehnt. Wer stattdessen die Zahlen erläutern und Wege aus der Krise aufzeigen soll, ist offen.

Aus Kreisen des Ministeriums heißt es, Brodkorb traue Nöldge-Schomburg nicht zu, die Klinik dauerhaft zu führen. Noch in diesem Jahr könnte ihre Zeit als Uni-Chefin daher enden. Es heißt, der wissenschaftliche Vorstand Emil Reisinger habe bereits eine Bewerbung um den Posten abgegeben. Eine Bestätigung dafür gibt es aus offiziellen Quellen aber nicht.

Reisinger ist in der Rostocker Politik umstritten – weil er als „Bremser“ beim geplanten Bau einer neuen Kinderklinik in der Südstadt gilt. Er will das Gemeinschaftsprojekt des städtischen Südstadt-Krankenhauses und der Uni komplett neu planen lassen und an die Uni-Klinik holen. Das aber führt zu Verzögerungen und hat ihm den Zorn weiter Teile der Bürgerschaft eingebracht. Eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Uni-Klinik würde mit Reisinger nicht einfacher.

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Von Andreas Meyer

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