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Rostock Küstenfischer tragen ihren Beruf zu Grabe
Mecklenburg Rostock Küstenfischer tragen ihren Beruf zu Grabe
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06:57 26.08.2015
Schweigeminute: Die Fischer Kai Dunkelmann, Maik Never, Steffen Hartig und Martin Saager (v.l.) am Sarg des „letzten Küstenfischers“ auf dem Deutschen Fischereitag in Rostock. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Mit leichenbitteren Mienen tragen sie die Fischerei zu Grabe. Vier Fischer der Fischereigenossenschaft Wismarbucht schleppen den schwarzen Sarg in einen Saal des Rostocker Radisson-Hotels. Auf dem Sarg steht geschrieben: „Der letzte Küstenfischer“. Es ist ein düsterer Start in den dreitägigen Deutschen Fischereitag, auf dem seit gestern rund 200 Vertreter der deutschen Binnen-, Küsten- und Hochseefischerei mit Politikern und Wissenschaftlern zur EU-Fischereireform tagen. Viel zu lachen hat die Branche nicht. Nach einer symbolträchtigen Schweigeminute am Sarg sagt Fischer Kai Dunkelmann aus Boltenhagen (Kreis Nordwestmecklenburg): „Den Kutter- und Küstenfischern wird die Existenzgrundlage genommen.“

Sorgen bereitet den Fischern etwa das Rückwurf-Verbot. Demnach dürfen seit Anfang 2015 zu kleine Fische nicht mehr in der Ostsee zurückgeworfen werden. „Die Fischer sollen gezwungen werden, überlebensfähige Jungfische an Land zu bringen und damit völlig sinnlos zu töten“, klagt der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbands, Holger Ortel. Dabei sei der Wiederaufbau eines Bestands auch ohne Rückwurf-Verbot möglich.

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Auch an der Quotenkürzung für den Dorschfang erhitzen sich die Gemüter. „2016 droht eine Schocktherapie“, sagt der Vorsitzende des Verbands der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss. So habe der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) eine „Senkung um 67 Prozent“ gegenüber 2015 sowie einen zusätzlichen Abzug von der Quote für Anglerfänge vorgeschlagen.



Axel Meyer