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Rostock Frank Weisleder bringt Dichter ins Seebad
Mecklenburg Rostock Frank Weisleder bringt Dichter ins Seebad
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00:01 03.11.2017
Frank Weisleder hat die Buchhandlung Möwe in Warnemünde aufgebaut. Mit zahlreichen Lesungen rückte er sie in den Blickpunkt des Publikums. Quelle: Foto: Michael Schissler
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Warnemünde

Wenn es um Autoren und um Lesungen geht, hat Frank Weisleder für Vielfalt in Warnemünde gesorgt. Ungefähr 100 Lesungen sind es bislang, die der Inhaber der Buchhandlung Möwe Buchhändler organisiert hat.

Lesungen“, sagt Weisleder, „sind etwas um auf die Buchhandlung aufmerksam zu machen, sie sind aber auch etwas, um das Publikum einer Buchhandlung kennen zu lernen.“ Ganz nebenbei, das sagt Weisleder aber nicht, machen sie auch das kulturelle Leben in Warnemünde bunt. Dafür geht Weisleder aber auch immer ein finanzielles Risiko ein. Die Autoren bekommen ein Honorar, er übernimmt ihre Reise- und Übernachtungskosten und zahlt für sie in die Künstlersozialkasse ein. „Wenn es schlecht läuft, dann bleibt man auf einer ziemlich hohe Summe sitzen, die man nicht über die Eintrittsgelder eingenommen hat“, sagt der 51-Jährige, der im Quartal zu vier bis fünf Lesungen einlädt und dabei namhafte Autoren wie Friedrich Schorlemmer, Landolf Scherzer, Hermann Kant und Dagmar Manzel ins Seebad holen konnte. Sie alle kamen entweder im Frühjahr oder im Herbst. „Im Sommer ist das Wetter zu schön“, sagt Weisleder, „dann kommen die Leute nicht.“

Die Zahl seiner Veranstaltungen ist im Laufe der Jahre zurückgegangen. „Das liegt daran, dass das Café Ringelnatz, in dem die Lesungen stattfinden, selbst viele Veranstaltung anbietet“, erläuterte Frank Weisleder: „Kabarett und Kleinkunst sprechen das gleiche Publikum an, das auch ich gewinnen will.“ Außerdem muss er seinen Blick nach Rostock richten: „Wer da schon eine Lesung hatte, den kann ich nicht auch noch einladen.“ Nicht nur mit seinen Veranstaltungen ist es Weisleder gelungen, seine Buchhandlung im Blick der Leserschaft zu halten, er hat auch „ein Händchen für das Sortiment“. Das hat er nicht erst in Warnemünde entwickelt. Von Hause aus ist Frank Weisleder Jurist und hat auch zeitweilig als Anwalt gearbeitet, aber das Metier des Buchhändlers zog ihn stärker an, „obwohl es schwierig und mit Risiken behaftet ist.“

Aber Weisleder brachte schon vor elf Jahren Erfahrungen in dem Geschäft mit. Zuerst hatte er im thüringischen Suhl eine Buchhandlung aufgebaut. Nach einer Weile jedoch bemerkte er, dass „immer mehr interessante Leute die Stadt verließen und es mit ihr bergab ging.“ Der Buchhändler, der über Stefan Zweig seine Liebe zum Buch entwickelte, und schon immer vom Norden angezogen war, „fuhr die ganze Ostseeküste von Boltenhagen bis Usedom auf der Suche nach einem Buchladen ab.“ Eigentlich sollte es Stralsund werden, „das war mir aber etwas zu betulich“. Aber der Zufall führte Weisleder nach Warnemünde, „an einem strahlenden Septembertag“ und der Buchhändler hatte ein positives Gefühl, als er das Ladengeschäft in der Seestraße 5 sah. Auf den 60 Quadratmetern Verkaufsfläche hält er nun 4000 Bände vorrätig. Und weil Weisleder um das Risiko des Geschäftes weiß, hat er vorsichtig investiert. „Man kann Buchhandlungen für 40000 Euro einrichten, hier stecken etwa 5000 Euro drin.“

Aber die Ausstattung spielt wohl auch in einer Buchhandlung nicht die große Rolle. „Mein Ziel ist es natürlich, Bücher an die Touristen zu verkaufen“, sagt Weisleder. Das gelingt ihm, auch wenn er nicht in der erste Reihe an der Promenade ist. Allerdings ist der Buchhändler mit Blick auf diese Kundschaft auf einer Gratwanderung, wie er einräumt: „Es ist mein Ziel, das Sortiment so zu halten, dass für jeden etwas dabei ist. Es hat sich aber auch ein gutes Warnemünder Publikum entwickelt“, sagt der Buchhändler, „da gehen vor allem maritime Themen gut.“ Ebenso finden ihn Buchfreunde aus Lichtenhagen und aus Lütten Klein, „weil es dort ja keine Buchhandlungen gibt.“ Zufrieden ist Frank Weisleder mit der Entwicklung der elektronischen Medien. „Die Nachfrage hat sich hier in recht engen Grenzen bewegt.“ Das wird eine Freude sein für den Mann, der das Buch liebt – und derzeit gerade „Und Marx stand still in Darwins Garten“ von Ilona Jerger liest.

Hans-Joachim Maaz und Gerd Peters lesen in Warnemünde

Zwei Lesungen stehen jetzt an. Für den 7. November lädt Frank Weisleder um 19 Uhr zur Buchpremiere von „Seefahrt ist für lebenslänglich und andere Geschichten“ ein. In dem Buch setzt sich Kapitän Gerd Peters mit den Widersprüchen des politischen und wirtschaftlichen Lebens innerhalb der Deutschen Seereederei auseinander. Eintritt: sechs Euro. Am 16. November liest um 20 Uhr im Café Ringelnatz Hans-Joachim Maaz aus „Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft“. Der Hallenser Psychoanalytiker und Psychiater erklärt darin die Zwanghaftigkeit, mit der Menschen den Erwartungen entsprechen, die die Gesellschaft setzt. Eintritt: 14 Euro.

Michael Schißler

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