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Kultur Diese 5 Schätze sollten Sie gesehen haben
Mecklenburg Rostock Kultur Diese 5 Schätze sollten Sie gesehen haben
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19:00 07.12.2018
Der Goldschatz von Varna ist im Kulturhistorischen Museum Rostock zu sehen. Zu den Lieblingsexponaten von Museumsleiter Steffen Stuth zählt diese originalgetreue Rekonstruktion eines Fürstengrabes mit jahrtausendenalten Grabbeigaben. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Stadtmitte

Das Schätzchen ist so winzig, dass es in den meisten Schmuckschatullen wohl kaum ins Auge fallen würde. Dabei sind die 31 aus dünnen Goldblechstreifen gefertigten Perlchen, die sich auf einer Nylonschnur zu einer ringgroßen Kette aufreihen, eine Weltsensation. „Das ist der älteste bekannte Goldschmuck der Menschheitsgeschichte und etwa 6500 Jahre alt. Ganz unscheinbar, aber ein sehr wertvolles und tolles Stück“, schwärmt Steffen Stuth, Direktor des Kulturhistorischen Museums. Es zählt zu seinen Lieblingsexponaten in der aktuellen Schau „Das älteste Gold der Welt – Der Schatz aus Varna“. Die zeigt Teile dessen, worauf Bauarbeiter an der bulgarischen Schwarzmeerküste in den 1970er-Jahren beim Ausbaggern eines Kabelgrabens stießen: Grabbeigaben aus dem 5. Jahrtausend vor Christus. Museumsleiter Stuth verrät, welche Schmuckstücke Sie sich genauer ansehen sollten und welche spannenden Geschichten sie erzählen.

Wangen, Ohren, Unterlippe: Der Kopf der Göttin ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Dennoch lächelt sie milde aus ihrer Glasvitrine. „Frauen haben damals viele Piercings getragen, bei Männern waren es eher Ohrringe“, sagt Steffen Stuth. Der Keramikkopf sei die womöglich älteste figürliche Darstellung eines menschlichen Antlitzes, gefertigt aus ungebranntem Lehm. Sein Fundort auf dem Grund des Varnasees hat ihm den Namen „Göttin aus dem See“ eingebracht. Tatsächlich sei es die modellhafte Darstellung einer Verstorbenen, die, weil der echte Leichnam fehlte, an dessen Stelle bestattet wurde. Ein Bild davon, wie schmuck das aussah, vermittelt ein Foto neben dem Ausstellungsstück. Es zeigt den Keramikkopf gepierct mit reichlich Goldnägeln und -plättchen und einem Diadem auf der Stirn.

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Der Herr in Grab 43 vergoldet sich sein bestes Stück mit rund 23 Karat: Ein Penisköcher ist Teil des eindrucksvollen Schmuckkonvoluts, das um ein Männerskelett drapiert in einem Schaukasten liegt. Der Besitzer dieses Schatzes sei wahrscheinlich ein Anführer oder Stammesfürst gewesen und der güldene Phallus Zeichen seiner Potenz, sagt Stuth. Davon zeugen die restliche Grabbeigaben: In der Hand hält die Skelettnachbildung eine Zepteraxt, beide Unterarmknochen sind mit Goldreifen bestückt. Dort, wo einst die Hüfte war, kringeln sich Gürtel aus Stachelaustern und Karneolen. Der 1,70 Meter große Herr sei um die 70 Jahre alt geworden. „Und ist auch zu Lebzeiten im Dienst so geschmückt rumgelaufen.“ Denn alles, was in den Gräbern um die Hafenstadt Varna bislang gefunden worden ist, sei ein Abbild des Alltags vor 6500 Jahren und Ausdruck der damals vorherrschenden Vorstellung vom Leben nach dem Tod.

Gold und andere Grabbeigaben: Diese jahrtausendealten Schmuckstücke sind im Museum zu sehen.

Damit der Verschiedene im Jenseits nicht verhungert, wird mit ihm sein kompletter Hausstand als Miniversion begraben. Dazu gehört ein Gefäßuntersatz, Steffen Stuths Favorit. Was aussieht wie ein terrakottafarbenes Teestövchen, symbolisiere das Herdfeuer. „Ist das nicht eine wunderschöne Keramik? Die könnte man auch heute noch gut auf jedem Kunsthandwerkermarkt verkaufen“, scherzt er.

Rätsel gibt ein Raubtier auf: Im hinteren Ausstellungsteil lauert ein Panther Besuchern auf. Die handtellergroße Keramik ist innen hohl. „Den Kopf kann man abnehmen“, erklärt Stuth. Ob einst etwas im tierförmigen Gefäß steckte oder ob es bloß aus Produktionsgründen so hergestellt worden ist, sei unbekannt. „Auf jeden Fall ist es so cool“, ist Stuth begeistert.

Nicht minder angetan hat’s ihm ein Geschmeide: An einer Kette aus Gold- und Karneolperlen hängt ein Amulett aus purem Gold. Der glänzende Taler sei ein stark stilisierter Frauenkörper und habe vermutlich mal einen Mann von Rang geschmückt, sagt Stuth. „Es ist ein Statussymbol: Ich bin wichtig. Ich trage Gold.“ Das Edelmetall fasziniert Menschen bis heute. Wer erfahren möchte, wo dieser Zauber seinen Ursprung hat, ist im Kulturhistorischen Museum richtig. Die Ausstellung „Das älteste Gold der Welt“ zeigt bis einschließlich 28. April 2019 die wohl spektakulärsten Friedhofsfunde der Geschichte.

Schmucke Schau

Die Ausstellung „Das älteste Gold der Welt“ ist bis zum 28. April 2019 im Kulturhistorischen Museum zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr. Eintritt: 3 Euro (ermäßigt 1,50 Euro), für Kinder unter 6 Jahren frei

Antje Bernstein

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