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Rostock Kunst im Petriviertel: Kein Hansestädter mehr dabei
Mecklenburg Rostock Kunst im Petriviertel: Kein Hansestädter mehr dabei
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15:15 10.09.2014
Blick auf das Petriviertel, das direkt an der Warnow entsteht und in dem auch Kunst seinen Platz finden soll.
Blick auf das Petriviertel, das direkt an der Warnow entsteht und in dem auch Kunst seinen Platz finden soll. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Im Petriviertel wird sich kein Rostocker Künstler verewigen. Zum Auftakt der zweiten Phase des Wettbewerbes „Kunststandorte Petriviertel“ ist unter den zwölf ausgewählten Künstlern weder ein Hansestädter, noch ein Mecklenburger oder Vorpommer dabei. Auf dem Bürgerforum am Dienstagabend im Rathaus dominierten konzeptionelle Ideen aus Berlin und Leipzig.

„Wir können doch auch Kunst“, sagt der Rostocker Adolf Wolf. Der Kunstmaler verließ unmittelbar nach den Präsentationen und vor dem Publikumsgespräch enttäuscht das Rathaus. Unter den insgesamt 111 Bewerbern fanden seine Ideen keine Berücksichtigung. „Unsere hanseatische Kunst ist doch nicht schlechter, als die Positionen aus Leipzig und Berlin“, sagt er. Auch von den Entwürfen der sechs anwesenden Künstler-Kollegen war Wolf wenig begeistert. „Man braucht im Petriviertel kein Rettungsboot an ‘nem Hochhaus. Boote haben wir doch genug.“

Mahnend merkte auch Forumsgast Max Braatz an, dass die Künstler die Geschichte des Viertels unbedingt berücksichtigen müssten. „Ich habe über 50 Jahre im Petriviertel gewohnt“, sagt der 69-Jährige. „Es ist die Wiege von Rostock, das muss in die Arbeiten einfließen.“ Den Uferbereich könne man mit moderner Kunst aufhübschen. „In einem Straßenzug könnte auch gern das Bleichermädchen stehen“, meint er.

Angst vor künstlerischen Provokationen hätte er aber nicht. „Der Rahmen ist ja vorgeben“, sagt er. „Ich bin eher gespannt, was die Künstler nun für das Viertel entwickeln.“

Die Stadt zeigt sich spendabel. Drei der zwölf Kunstprojekte werden realisiert. „Jeder Künstler hat für die Umsetzung 60 000 Euro“, sagt Michaela Selling, Direktorin vom Amt für Kultur und Denkmalpflege. „Für Kunst im öffentlichen Raum haben wir sonst nur einen Etat von 50 100 Euro. Aber über zwei Jahre haben wir gespart.“

Bis zuletzt hatte Judith Siegmund, Künstlerin und in der neunköpfigen Jury aktiv, darum gekämpft, dass auch regionale Künstler einbezogen werden. „Es hatten sich nur wenige beworben“ sagt sie. „Letztlich hatten die Bewerbungen zu wenig Substanz. Und die Konkurrenz war stark.“

Thomas Kaestle, Kurator aus Hannover und Gastredner auf dem Forum, kennt die Situation. „Künstler bewerben sich selten in der eigenen Region“, erklärt er. „Ich war mal in einer Jury in Basel. Da haben wir uns gefragt, wo sind denn die ganzen Baseler?“



Kay Steinke