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Rostock Palast der Republik in der Kunsthalle Rostock: Ein Gebäude voller Erinnerungen
Mecklenburg Rostock Palast der Republik in der Kunsthalle Rostock: Ein Gebäude voller Erinnerungen
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10:36 31.05.2019
Eine Besucherin fotografiert in der Ausstellung „Palast der Republik – Utopie, Inspiration, Politikum“ das Gemälde „Ikarus“ von Bernhard Heisig. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Rostock

Wer war drin? Wer war nie drin? Wer hat eine Erinnerung daran? Wer hat keine?

Der Palast der Republik in Ost-Berlin war zugleich ein Symbol der DDR-Moderne und für viele Jugendliche das Zeichen des Establishments im Sozialismus. Fast jeder, der in DDR-Zeiten Jugendweihe gefeiert hat, ist mal dort gewesen. Für Jugendweihefahrten zur Volkskammer oder zu einem Besuch mit Mutti, Vati, zu Kaffee trinken, Kuchen essen, Konzerten. Der Palast der Republik war zugleich Sitz der DDR-Volkskammer und öffentlicher Anlaufpunkt im Herzen der Hauptstadt der DDRBerlin-Mitte auf der Spreehalbinsel (Marx-Engels-Platz damals, Schlossplatz heute). Geöffnet hatte dieses Baumonument der sozialistischen Moderne von 10 bis 23 Uhr, manche meinen, sich sogar bis Mitternacht dort rumgetrieben zu haben.

Ein Ort der Erinnerung für viele Menschen aus der DDR

Ein Ort der Erinnerung also für viele Menschen aus der DDR – ob sie dem Gebäude und seinem Geist dahinter nun wohlgesonnen gewesen sind oder es ablehnten. Für Jugendliche aus subkulturellen Kreisen oder der Protestbewegung der 80er wäre Erichs Lampenladen, wie das Gebäude wegen seiner Deckenbeleuchtungen im Volksmund genannt wurde, der letzte Ort gewesen, an dem sie sich getroffen hätten.

Ein Gebäude zwischen Palast und Fanal; eines, das polarisiert hat. Von 1973 und 1976 als weit sichtbares Zeichen des Fortschritts im Sozialismus erbaut, hat es die Volkswirtschaft der DDR fast zum Kollabieren gebracht, da Bauarbeiter und Materialien aus allen Bezirken dafür abgezogen worden sind. Der Abriss hat zwei Jahre gedauert (2006 bis 2008) – asbestverseucht war die Hütte. Und da war der siegreiche Kapitalismus gnadenlos und konnte auf Ossi-Emotionen keine Rücksicht nehmen. Der Abriss war schneller beschlossene Sache, als die ehemaligen DDR-Bürger ihre Erinnerungen sortiert kriegten. Und – kurios – gerade die früheren Protestler empörten sich darüber.

Der Palast der Republik wurde 2006 bis 2008 abgerissen

Geschichte! Der Palast der Republik wurde 2006 bis 2008 abgerissen. Ende dieses Jahres wird dort das Humboldt-Forum eröffnet. Auch freie Marktwirtschaft braucht Symbole. Für die Rostocker Kunsthalle Anlass, dem Palast eine Ausstellung auf der gesamten Ausstellungsfläche zu widmen, die Außenfassade einzubeziehen und das Bronze-Relief „Lob des Kommunismus. Die Entwicklung der Menschheit“ (1977) von Jo Jastram (1928-2011) in den Garten zu stellen.

In der Ausstellung „Palast der Republik – Utopie, Inspiration, Politikum“ in der Rostocker Kunsthalle sind Kunstwerke aus dem Palast ebenso zu sehen wie Interieur, Installationen, Reliefs oder der alte Tresen aus seinem Inneren.

Die Kunsthalle zeigt zu ihrem 50. Geburtstag mal wieder ein gutes Händchen für emotional besetzte Themen mit Ostalgie-Charme. Nach Schauen wie der zur Olsenbande oder der DDR-Zeitschrift „Sibylle“ ist die Ausstellung „Palast der RepublikUtopie, Inspiration, Politikum“ wieder eine, die Gefühle und Jugenderinnerungen der Menschen, die im Sozialismus groß geworden sind, ernst nimmt, ohne sie zu bewerten. Die Schau scheint zu sagen: Egal, wie du zum Sozialismus gestanden hast, du hast dort gelebt und das Recht auf Erinnerung! Kunsthallen-Direktor Jörg-Uwe Neumann sagt: „Das ist die wichtigste Ausstellung dieses Jahres und wohl eine unserer bedeutendsten.“ Die Ausstellung passe perfekt in dieses Haus, da die Kunsthalle der einzig verbliebene Kulturneubau der DDR ist und der Palast der Republik wohl ihr bedeutendster gewesen ist.

Gemälde von Tübke, Sitte, Paris und Heisig zu sehen

Dafür hat Kuratorin Elke Neumann die Ausstellung in drei Teile plus Mehrwert-Reminiszenzen geteilt. In der ersten Etage hängen vier der 16 Gemälde, die in der Galerie der Volkskammer gehangen haben: „Mensch – Maß aller Dinge“ (1975) von Werner Tübke (1929-2004), „Ikarus“ (1975) von Bernhard Heisig (1925-2011), „Unser die Welt, trotz alledem“ (1975/76) von Ronald Paris (85) und natürlich „Die rote Fahne“ (1975/76) von Willy Sitte (1921-2013) – allesamt Auftragswerke zum Ruhm des Sozialismus, allesamt strammer sozialistischer Realismus. Dazu gesellen sich Landschaften, Stadt- und Industrieansichten von Rudolf Austen, Ernst Hassebrauk, Günther Brendel oder Wilhelm Schmied. Alle Bilder gehören dem Bund und sind als Dauerleihgabe im Kulturhistorischen Museum Berlin untergebracht.

Palast-Satellit im Kvost Berlin

Die Ausstellung „Palast der RepublikUtopie, Inspiration, Politikum“ wird am Freitag, 31. Mai 2019, in der Rostocker Kunsthalle eröffnet. Sie läuft bis zum 13. Oktober.

Am 19. Juni eröffnet Rostocks Kunsthallendirektor Jörg-Uwe Neumann im Berliner Kunstverein Ost „Kvost“ (Leipziger Straße 47 / Eingang Jerusalemer Straße) die Ausstellung „Palast-Satellit im Kvost“. In der Schau werden Arbeiten von Künstlern wie Árpád Bondy & Margit Knapp, Gerd Danigel, Georg Eckelt, Thomas Florschuetz, Berit Petzsch & Dana Mosemann zu sehen sein, die auch Teil der Rostocker Ausstellung sind. Auch diese Ausstellung kuratiert Elke Neumann, die bereits die Rostocker Schau konzeptionell betreut hat. Neumann sagt: „Das empfinde ich schon als besonders charmant, da man als junger DDR-Bürger damals immer nach Berlin zum Palast der Republik gefahren ist. Jetzt werben wir mit dieser Satelliten-Ausstellung in der Bundeshauptstadt dafür, dass Besucher aus Berlin zu uns nach Rostock kommen.“

Großen Raum nehmen zeitgenössische Positionen zum Palast der Republik, zur Kunst im Sozialismus, zum Umgang mit Geschichte und Geschichtsbauten ein. Die Beschäftigung mit dem Palast der Republik hört in der Kunst nicht mit seinem Abriss auf. Künstler und Schriftsteller wie Sibylle Bergemann, Árpád Bondy, Margit Knapp Cazzola, Irina Liebmann, Maix Mayer, Matthias Wegehaupt oder Harald Hauswald dokumentierten in der Schau und im begleitenden Katalog kritisch bis ironisch seinen Abriss und seine Nutzung, seine Geschichte – wie Arwed Messmer mit der Arbeit „Rückbau“, die das Graffiti „Die DDR hat’s nie gegeben“ zeigt.

Teile des Interieurs berühren die emotionale Welt der Besucher

Einen für die emotionale Welt des Besuchers wichtigen Part übernehmen Teile des Interieurs. Dort können Besucher beim Anblick von Speisekarten, Teppiche, Tische, Stühle, Aschenbecher oder WC-Hinweisschilder in Erinnerungen schwelgen. Im White Cube ist die Installation von Fred Rubin zu erleben. Der Bildhauer hat aus dem Tresen im Palast eine Skulptur entwickelt. Ostalgie trifft künstlerische Auseinandersetzung. Die Schau bietet eine immense Bandbreite aller Genres von Fotografie über Grafik, Malerei, Skulptur, Installation, Video, Webkunst bis zur reinen Erinnerungsarbeit über das Sammeln von Interieur, Text-, Bild- und Digital-Dokumenten. Elke Neumann sagt: „Diese Schau soll keine Wertung vornehmen, sondern dazu anregen, selbst zu werten. Der Palast der Republik ist auch ein DDR-Symbol für eine exklusive Ausstattung gewesen – vom Möbelstück über das Design bis hin zu Formen und Farben. Uns ging es auch um die Formgestaltung.“

Michael Meyer

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