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Mecklenburg Rostock Start in Tessin
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20:04 02.05.2019
1. Spatenstich für den Breitbandausbau im Landkreis Rostock in Tessin. Quelle: Frank Söllner
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Tessin

Großer Bahnhof in der Tessiner Bahnhofsstraße. Hier wurde gestern der Startschuss für den Breitbandausbau im Landkreis Rostock gegeben. Landrat Sebastian Constien, Infrastrukturminister Christian Pegel, Dr. Vesta von Bossel von der Deutschen Telekom AG und Tessins Bürgermeisterin Susanne Dräger durften selbst an die Maschine und frästen die ersten Meter Leitungsgraben.

Nach langer Planung rollen die Bagger

In den nächsten Jahren werden im Kreis mehr als 58 000 Haushalte, 6100 Unternehmen und 573 Institutionen an das neue Glasfasernetz angeschlossen. „Ich bin stolz, dass heute die lange Planungsphase überstanden ist“, sagt Constien. Es sei ein gutes Gefühl, dass endlich die Bagger rollen. „Das Internet gehört heutzutage zum Leben – privat und geschäftlich. Schnelle Internetverbindungen sind ein wichtiger Standortvorteil“, so Constien.

In Tessin hat am 2. Mai 2019 der Breitbandausbau des Landkreises Rostock offiziell begonnen. In den nächsten Jahren sollen 58 000 Haushalte, 6100 Unternehmen und 573 Institutionen ans schnelle Netz.

„Endlich ist es soweit“, sagt auch Bürgermeisterin Dräger erleichtert. Ein Glasfaseranschluss, schnelles Internet gehöre inzwischen zur Daseinsvorsorge. Der Wermutstropfen: Erst im Juni 2021 sollen die Arbeiten in Tessin und den Gemeinden des Amtsbereiches abgeschlossen sein. Hier müssen auf 75 Kilometer Länge Leitungen verlegt werden.

Buddeln mit verschiedenen Technologien

Die Tiefbauarbeiten übernimmt im Auftrag der Telekom die Mecklenburger Tief-, Fernmelde- und Anlagenbau (MTF) Kriesow GmbH, die gleich die komplette Technik vorstellt, die bei den Projekten im Landkreis Rostock zum Einsatz kommt. „Wir buddeln mit verschiedenen Technologien“, erklärt Geschäftsführer Michael Korczak. Es gebe Fräsen, eine moderne Maschine für das Horizontalspülbohrverfahren und die Hausanschlüsse würden im Pressverfahren erstellt, die Leitungen mit Raketen durchstoßen. Mit acht Kollegen sei MTF in Tessin im Einsatz. „Wir haben die Baustelle mittags eingerichtet und gleich losgelegt“, sagt Korczak.

Fräsen schaffen schnell viele Meter

Die kleinste Fräse, die die Politprominenz zum Auftakt des Netzausbaus unter Fachaufsicht selbst mal bedienen durfte, schaffe einen Meter pro Minute. In den kleinen Graben werden dann die Speedpipe-Rohre verlegt, in die später Glasfaser eingeblasen wird. „Anschließend wird der Graben gleich wieder zugemacht“, sagt Korczak, „wir haben immer nur Tagesbaustellen.“

Die große Fräse, die 400 Meter pro Stunde schafft, komme vor allem bei den Verbindungen zwischen den Orten zum Einsatz. „Zum Vergleich“, erläutert Korczak, „ein guter Baggerfahrer macht mit seinem Gerät 400 Meter Graben am Tag auf, und noch nicht wieder zu.“

André Nagel bedient das Horizontal-Bohrgerät Ditch Witch JT20 und hat mit dem beweglichen Bohrkopf alle unterirdischen Leitungshindernisse umschifft. Vom Gehweg aus hat er das Leitungsrohr über den Bahnhofsplatz bis fast ans Gleis ran jongliert. „Hat alles geklappt“, ist er froh und zieht langsam das Bohrgestänge zurück.

Graal-Müritz ist erst 2002 dran mit Ausbau

Einige Tessiner, Unternehmer, Kommunalpolitiker aus dem Landkreis informieren sich bei der Auftaktveranstaltung zum Breitbandausbau, lassen sich das praktische Vorgehen erklären. „Ich wollte mich auch mal mit der Technik vertraut machen“, sagt Graal-Müritz’ Bürgermeisterin Benita Chelvier. Sie nutzt die Gelegenheit und erkundigt sich nach dem Anschluss des Ostseeheilbades. „Etwa im Jahr 2022 wurde mir mitgeteilt.“ Für den Antrag von Graal-Müritz müsse jetzt der Zuwendungsbescheid beim Bund beantragt, dann der Co-Finanzierungsbescheid des Landes abgewartet werden und schließlich der Auftrag vom Kreis kommen. „Das stimmt mich traurig, dass es so lange dauert“, sagt Chelvier.

16 Projektgebiete im Landkreis Rostock

Rund 250 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes, des Landes und der Kommunen sind für das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Landkreises Rostock eingeworben worden. Der Breitbandausbau wird in den nächsten Jahren in 16 Projektgebieten erfolgen. Rund 2360 Kilometer Tiefbau, 137 Kilometer oberirdische Leitungen und die Verlegung von insgesamt rund 11 000 Kilometer Glasfaser sind dafür notwendig. Umgesetzt werden die Maßnahmen von mehreren Unternehmen. Neben der Telekom Deutschland GmbH (zehn Ausbaugebiete) sind das die Landwerke Breitband M-V GmbH (vier Projektregionen) und die Wemacom Breitband GmbH (zwei Projekte), mit der derzeit noch Verhandlungen laufen.

Höchste Förderung erhalten 18 Gemeinden

Die Fördersummen für den Netzausbau in den Projektgebieten des Landkreises bewegen sich zwischen 5,4 und rund 24 Millionen Euro. Die höchste Förderung wird für das Projektgebiet LRO23-01 eingesetzt, das 18 Gemeinden im ländlichen Raum in den Ämtern Güstrow-Land, Schwaan und Laage mit Glasfaseranschlüssen versorgen wird.

In Tessin beginnt nun die Telekom, die größte Auftragnehmerin mit dem Netzausbau. „Wir freuen uns, dass der Landkreis Rostock hierbei auf die Expertise der Deutschen Telekom setzt und bedanken uns für das Vertrauen“, sagte Vorstandsbeauftragte, Dr. Vesta von Bossel. Die Bewohner des Landkreises Rostock würden zukünftig vom schnellen Netz der Telekom profitieren und mit Geschwindigkeiten von bis zu ein Gigabit pro Sekunde ins Internet gehen können. In den ersten drei Projektgebieten Amt Tessin, Amt Bützow-Land und Carbäk/Rostocker Heide sollen mehr als 9000 Privathaushalte, Unternehmen und Institutionen ans schnelle Netz gebracht werden.

Mit Glasfaser wird Landkreis attraktiv

„Mit dieser zukunftsfähigen Infrastruktur wird unser Landkreis zu einem der attraktivsten Wohn- und Arbeitsstandorte“, betont Landrat Constien. „Der Glasfaserausbau im Landkreis Rostock ist gut für die Entwicklung der gesamten Region“, ergänzt Minister Pegel. Nur etwas mehr Tempo hätten einige der anwesenden Kommunalpolitiker beim Netzausbau erwartet.

Doris Deutsch