Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Gut Dummerstorf: eine 20-jährige Erfolgsgeschichte
Mecklenburg Rostock Gut Dummerstorf: eine 20-jährige Erfolgsgeschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:38 02.07.2019
Wechsel an der Spitze des Gutes Dummerstorf. Dr. Holger Brandt (l.) hat bereits zum Anfang des Jahres die Geschäftsführung von Dr. Thomas Pitschmann (2. v. r.) übernommen. Lucas Pieper (r.) folgt auf Betriebsleiter Klaus Parr, der Ende Juni in Ruhestand gegangen ist. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Anzeige
Dummerstorf

 Alles neu, macht der Juli: Während auf den Feldern die Ernte der Wintergerste beginnt, startet auch an der Spitze des Gutes Dummerstorf ein neuer Abschnitt. 20 Jahre nach der Gründung des Betriebes wurde dessen Führung ausgewechselt. Nachdem Geschäftsführer Dr. Thomas Pitschmann bereits zum Ende des vergangenen Jahres in Ruhestand ging, hat nun auch Betriebsleiter Klaus Parr sein aktives Berufsleben beendet. Die neue Doppelspitze bilden Dr. Holger Brandt und Lucas Pieper.

Milchpreis-, Nässe- und Dürrekrisen überstanden

Parrs Abschied vom Dummerstorfer Gut wurde gleichzeitig mit dem Betriebsjubiläum gefeiert. Die Personalie des Betriebsleiters sei untrennbar mit dem Erfolg des Unternehmens verknüpft, hieß es von vielen Gästen. So hätte der 67-Jährige das Gut auch durch schwierige Zeiten geführt und dazu beigetragen, „Milchpreis-, Nässe- sowie Dürrekrisen“ zu überstehen, so der neue Geschäftsführer Brandt.

„Es waren schöne, aber eben manchmal auch schwierige Jahre. Wobei mich Probleme erst richtig herausfordern“, bilanzierte Parr sein Berufsleben in Dummerstorf. Er sei „sehr stolz auf das, was vor Ort gemeinsam erreicht wurde“, sagte der Neu-Ruheständler, der sich nun darauf freut, mehr Zeit für die Familie samt der zwei Enkel sowie für die Hobbys – Reiten, Motorradfahren und den Garten – zu haben. „Und dass ich in den Urlaub fahren kann, ohne mich fragen zu müssen, ob das gerade passt“, erklärte er schmunzelnd.

Landwirtschaft trifft auf Forschung

Das Gut Dummerstorf ist ein Landwirtschaftsbetrieb des Landes MV, der unter realen Marktbedingungen arbeitet und neben 1000 Hektar Land sowie einer Biogasanlage auch 475 Milchkühe hat. Zusätzlich wird vor Ort auch Forschung integriert und eng mit den benachbarten Dummerstorfer Wissenschaftseinrichtungen zusammengearbeitet.

„Das ist ein Spagat, bietet aber auch den Vorteil, dass wir die gewonnenen Erkenntnisse als erste haben – die positiven und die negativen – und dann schnell darauf reagieren können“, erklärt Klaus Parr.

In der Vergangenheit sei unter anderem zur Kälberhaltung, zum Hitzestress der Tiere, zur Anzahl der Melkvorgänge, zur Zucht von Mais unter Folie oder dem Nitratgehalt von Böden sowie zu den Zusatzstoffen bei der Fütterung geforscht worden. „Wir wissen hier Dinge über Kühe, die wissen manche Menschen nicht aus ihrem Familienstammbaum“, so Dr. Peter Sanftleben, Direktor der Landesforschungsanstalt, die mit dem Gut kooperiert. Er lobte vor allem den Praxisbezug: „Wir forschen hier nicht für den Elfenbeinturm“ – Landwirte könnten aus den in Dummerstorf gewonnen Erkenntnissen direkt für ihre Betriebe profitieren.

Damit leiste das Gut einen entscheidenden Beitrag zu einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft. „Es ist die Versuchsbasis für die Agrarforschung in Mecklenburg-Vorpommern und ein ganz wichtiger Standort für Aus- und Weiterbildung“, lobte Staatssekretär Dr. Jürgen Buchwald, der als Vertreter des Umweltministers zum Festakt gekommen war.

Investitionen in Umbau, Tierwohl und Produktion

1994 hatte das Land den historischen Landwirtschaftsbetrieb vom Bund gekauft und 1999 das Gut eröffnet, das als Tochterfirma zur Landgesellschaft MV gehört. 24 Mitarbeiter hätten damals 700 Hektar Land bewirtschaftet und mit den Kühen 7800 Liter Milch produziert. „Daraufhin wurde viel investiert – in den Umbau, das Tierwohl und die Produktion. Insgesamt rund 6,2 Millionen Euro bis heute“, so Geschäftsführer Dr. Holger Brandt.

Bereits 2002 sei die Milchleistung so auf mehr als 10 000 Kilo gesteigert worden. Heute arbeiten im Gut 14 Mitarbeiter, darunter sechs ehemalige Auszubildende. „Mit einer Milchleistung von 11 428 Kilogramm liegen wir im vorderen Bereich des Landes“, so Brandt. Das Gut will jetzt ein automatisches Melksystem anschaffen. „Das haben sonst nur kleinere Betriebe. Wir wollen beispielgebend sein, dass so etwas auch bei größeren Betrieben funktioniert“, sagte er.

Eine weitere Investition betrifft die Ställe. Durch den Einbau emissionsmindernder Böden soll der Ammoniakgehalt der Luft verringert werden. „Im November soll die Ausrüstung der Ställe fertig sein“, kündigt der neue Betriebsleiter Lucas Pieper an. Die Ergebnisse dieses Testlaufes würden nicht nur im Gut, sondern von vielen Landwirten mit Spannung erwartet.

Verständnis für Landwirtschaftsbranche steigern

In den nächsten Jahren will das Gut durch ein hohes Maß an Transparenz dazu beizutragen, dass die öffentliche Meinung über die Landwirtschaft wieder steigt. „Ohne gesellschaftliche Akzeptanz ist Landwirtschaft nicht zukunftsfähig und es gibt eine zunehmende Entfremdung zwischen der Bevölkerung und der Branche“, sagt Heiko Brandt. Als Betrieb, der tiergerecht, umweltverträglich und wirtschaftlich erfolgreich arbeite, wolle das Gut seinen Beitrag zur größeren Anerkennung leisten.

Claudia Labude-Gericke

OZ-Kolumnistin Leni Rabbel verbringt viel Zeit damit, zwischen Rostock und Berlin zu pendeln. Zug, Bus oder Mitfahrgelegenheit – sie hat alles ausprobiert. Perfekt ist nichts davon, aber mit ein paar Tricks kommt man gut durch.

02.07.2019

Weil er in zwei Fällen Gewalt gegen Prostituierte ausgeübt hatte, muss sich seit Dienstag ein Mann vor dem Landgericht Rostock wegen versuchter Tötung verantworten. In beiden Fällen hatte der Angeklagte den Frauen schwere Verletzungen zugefügt.

02.07.2019

André Graeber setzt sich für eine saubere Stadt ein und ruft zum gemeinsamen Müllsammeln auf. Auch der Verein „Green Hands“ engagiert sich und säubert jeden Sonntag Rostocks Straßen.

02.07.2019