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Rostock Lastwagen im Visier: Großkontrolle im Rostocker Seehafen
Mecklenburg Rostock Lastwagen im Visier: Großkontrolle im Rostocker Seehafen
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05:30 20.02.2019
Polizist Michael Rausch kontrolliert die Ladung eines Lastwagens: „Vorbildlich!“, lautet sein Urteil. Die Ware ist auf Paletten verstaut, die Paletten wiederum sind fest verzurrt. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Michael Rausch entgeht nichts: Gerade hat der Polizeihauptmeister einen Lastwagen am Fährcenter aus dem Verkehr gewunken, da entdeckt er auch schon den ersten Verstoß. „Guten Morgen“, ruft er dem Fahrer zu – und: „30 Euro haben wir schon mal zusammen.“ Der Mann am Steuer fährt nämlich mit Hausschuhen. Und das ist verboten. Ein kleiner Verstoß – und nur einer von vielen, die Rausch und seine Kollegen vom Autobahnpolizeirevier Dummerstorf im Rostocker Seehafen aufdecken.

Polizei hat wieder Zeit

Erstmals seit Jahren ist die Autobahnpolizei am Dienstag wieder zu einer Großkontrolle am größten deutschen Ostseehafen angerückt: An sämtlichen Zu- und Ausfahrtsstraßen haben sich Beamte positioniert. Lastwagen und Transporter haben sie im Visier. Wer verdächtig wirkt, wird rausgewunken – und genauestens überprüft. „Wir haben wieder mehr Zeit für solche Kontrollen“, sagt Gert Frahm, Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion in Güstrow. Denn seit Mitte 2018 dürfen private Dienstleister der Autobahnpolizei eine Aufgabe abnehmen, die über Jahre viel Personal und Zeit gebunden hat: „Eine Hauptaufgabe in der Vergangenheit war für unsere Beamten die Begleitung von Schwerlasttransporten. Auf dem Gebiet sind wir nun entlastet worden“, so Frahm. Statt nachts vor Transportern mit Großgeräten oder Windrädern durch das Land zu fahren, können sich die Verkehrspolizisten nun auf andere Aufgaben konzentrieren – auf Kontrollen etwa.

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40 Tonnen Gefahrenpotenzial

Und die seien nötig, betont Rüdiger Harloff, Polizeihauptkommissar und Einsatzleiter an diesem Morgen. Seit 1993 ist der 51-Jährige bei der Autobahnpolizei. Nein, ein „Fahrzeugnarr“ sei er nicht. Aber: „Die Technik der Fahrzeuge hat mich schon immer fasziniert. Und in unserem Job müssen wir echte Experten ein.“ Gesetzliche Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten, zur Ladungssicherheit, zu Führerscheinbestimmungen und für Schwerlasttransporte: All das müssen die Beamten kennen, um Verstöße zu erkennen. „So ein Lastwagen ist bis zu 40 Tonnen schwer. Wenn da was passiert, ist das ein enormes Gefahrenpotenzial.“ Wenn ein Fahrer beispielsweise übermüdet ist und ein Stauende übersieht, sind Tote und Schwerverletzte allzu die Folge. „Oder wenn er die Ladung nicht richtig sichert und auf der Autobahn verliert. All das ist ein enormes Gefahrenpotenzial“, sagt Harloff.

Dass Fahrer ihre Ruhezeiten nicht einhalten, komme trotz modernster Überwachung in den Fahrzeugen immer noch viel zu oft vor: „In vielen Fällen steckt der Termindruck dahinter – und Arbeitgeber, die nur auf Zeit und Geld achten“, so Harloff. Ein großer Teil der Fahrer stamme mittlerweile aus Osteuropa. „Die Kollegen verdienen nach wie vor weniger.“ Auch mehr und mehr deutsche Speditionen würden sich Fahrer aus dem Ausland holen: „Die müssen dann aber nach deutschen Tarifen bezahlt werden. Wir achten auch darauf, dass es kein Lohndumping gibt. Da helfen uns die Kollegen vom Zoll.“

Kein Spiegel, keine Schuhe

Gerade haben die Beamten einen 40 Tonnen mit bulgarischem Kennzeichen rausgewunken. Der Lastwagen will mit der Fähre nach Dänemark. Der Fahrer stammt aus Mazedonien. Der Fernverkehr ist international. „Und ganz besonders im Rostocker Hafen“, sagt Michael Rausch. „Alles, was nach Skandinavien will, muss schließlich hier durch.“ Rausch ist 51 Jahre alt, Polizeihauptmeister, seit 1989 bei der Verkehrspolizei und spricht fließend Englisch. Anders geht es nicht. „Ich habe noch zu DDR-Zeiten angefangen.“ Warum er sich für die Straßen als „Revier“ entschieden hat: „Ich hätte auch zu den so genannten Zentralen Kräften der Schutzpolizei gehen können. Aber die Verkehrspolizei hatte schon damals den besseren Fuhrpark: Die hatten Autos, Motorräder ...“

Eine halbe Stunde Zeit nehmen sich die Beamten für jeden Lastwagen. Sie prüfen die Reifen und Bremsen, Dokumente und Genehmigungen, die Ladung. Am Lastwagen aus Bulgarien fehlt ein Spiegel. „Er kann nicht sehen, was vor direkt seiner Motorhaube passiert. Das geht nicht.“ Es gibt ein Verwarngeld, dann darf der Fahrer doch auf die Fähre. Der Lastwagen hat das Kennzeichen ROS, der Anhänger aber ist in Finnland zugelassen. Rausch lässt den Hänger öffnen, schaut sich die Ladung an: „Vorbildlich“, schwärmt er. Die Ware ist auf Paletten verladen, die Paletten sind einzeln festgezurrt. „So gehört sich das.“

23 Verstöße in sechs Stunden

Am Ende der Kontrolle zieht die Polizei Bilanz: 23 Verstöße haben die Beamten aufgedeckt. Darunter vier Fahrer, die nicht angeschnallt waren, und sechs Lastwagen, deren Ladung nicht gesichert war. Sechs Mal waren die „Brummifahrer“ zu lange unterwegs und vier Fahrzeuge hatten schwerwiegende technische Mängel. Ob sich der Aufwand gelohnt hat? „Ja“, sagt Polizeisprecher Frahm. „Jeder dieser Mängel ist eine potenzielle Unfallquelle.“ Und Unfälle vermeiden – das ist die Hauptaufgabe der Autobahnpolizei.

Andreas Meyer

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