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Rostock Leben im Kirchturm: Zu Besuch in Rostocks ungewöhnlichster Wohnung
Mecklenburg Rostock Leben im Kirchturm: Zu Besuch in Rostocks ungewöhnlichster Wohnung
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16:33 08.12.2019
Rainer Schwieger hat eine Wohnung im Turm der Nikolaikirche bezogen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Rostocker Altstadt birgt viele Geheimnisse: Häuser und Gassen zeugen von früheren Zeiten, goldenem Handwerk und schweren Ereignissen wie dem Rostocker Stadtbrand. Einer, der viel über dieses Viertel zu erzählen hat, ist Rainer Schwieger. Der Geschäftsführer der Firma Hansetouristik kann zum Beispiel erklären, wie die Wohnungen ins Dach der Nikolaikirche kamen. Schwieger weiß aber auch, warum im Turm der Kirche abends Licht brennt. „Weil ich darin wohne“, erklärt er schmunzelnd.

Mit seinen drei Zimmern hat der 51-Jährige zwar nicht die höchste, dafür aber wohl die außergewöhnlichste Wohnung Rostocks. „Für mich selbst ist das gar nicht mehr so besonders, aber Besucher schwärmen immer“, weiß Schwieger. Rund 130 Stufen sind es bis zu seiner Tür im sechsten Stock. Die geht der Unternehmer zwar gern zu Fuß, muss es aber nicht – in der Nikolaikirche gibt es einen Fahrstuhl. „Sonst wäre der Umzug auch ganz schön schwer geworden“, sagt der Historiker, der in seinem Zuhause einige antike und vor allem schwergewichtige Möbelstücke besitzt.

Freier Blick in fast alle Himmelsrichtungen

Schwieger ist der erste Mieter in diesen Räumen. Vorher befand sich an gleicher Stelle ein Büro, so wie es auch über seinem Appartement noch welche gibt. Privat in einem Kirchturm zu wohnen, sei nicht nur in Rostock einzigartig: „Ich weiß nur, dass in Göttingen mal Studenten hoch oben in einem Turm gelebt haben, aber das ist mittlerweile vorbei“, sagt er.

Rainer Schwieger hat eine Wohnung im Turm der Nikolaikirche bezogen. Quelle: OVE ARSCHOLL

Fast in jede Himmelsrichtung kann der Turmbewohner blicken. „Nur nach Osten nicht, denn da schließt sich das Kirchenschiff an.“ Die Fenster der Wohnung sind neu, aber wirken alt – so wie es der Denkmalschutz vorgibt. Aus dem Wohnzimmer bieten sie einen herrlichen Blick aufs Stadtzentrum; die Societät, den Bebel-Tower, das Rathaus. Sogar das drehende Riesenrad vom Weihnachtsmarkt ist zu sehen.

Mit allen drei Innenstadtkirchen verbunden

Auch Marien- und Petrikirche zeigen sich in voller Pracht. Mit allen Gotteshäusern der Rostocker Innenstadt ist Schwieger auf verschiedene Art verbunden: In der Nikolaikirche wohnt er. Mit seinem Unternehmen betreibt er außerdem den Turm der Petrikirche, der von Interessenten bestiegen werden kann und ebenfalls eine traumhafte Aussicht bietet. „Und in der Marienkirche gehöre ich zu dem fünfköpfigen Team, das die astronomische Uhr aufzieht“, sagt der Mann, der von Freunden als touristische Mehrzweckwaffe bezeichnet wird.

In Schwiegers Wohnzimmer finden sich verschiedene Skulpturen, Räuchermännchen und Plüschtiere, die alle das Gleiche zeigen: „Das sind Nachtwächter, die bekomme ich oft geschenkt“, sagt Schwieger. Schließlich ist er seit rund 15 Jahren in genau dieser Rolle als Stadtführer aktiv.

Glocken läuten nur noch selten im Jahr

Ein Vorurteil gegen das Leben im Kirchturm kann der Rostocker mittlerweile widerlegen: „Man wird nicht ständig durch Glockengeläut geweckt.“ Im Turm der Nikolaikirche gibt es zwar Glocken, aber keine Läuteanlage, so dass Handbetrieb notwendig wird. „Das passiert aber vielleicht sechs bis sieben Mal pro Jahr bei Gottesdiensten. Und ich habe auch selber schon mit angepackt“, sagt Schwieger.

Mehr als für die Gemeinde würde die Rostocker Nikolaikirche ja für Veranstaltungen genutzt. „Davon bekomme ich hier oben aber nichts mit“, sagt Schwieger. Was er dagegen merkt, sei das Wetter. „Die neuen Fenster sind zwar windtechnisch unproblematisch, aber starken Sturm spürt man hier oben schon.“

Mehrere Turmbauten notwendig

Der aktuelle Turm ist übrigens nicht der erste dieses Gotteshauses gewesen, weiß Schwieger. 1230 sei mit dem Bau der Kirche begonnen worden. „Bis 1703 gab es einen schlanken gotischen Turmhelm, seit 1708 eine barocke Turmhaube mit Turmlaterne“, sagt er. Seit 1951 gebe es das bekannte Pyramidendach.

Die zehn Etagen des Turms bieten schon seit einigen Jahrzehnten Platz für die Büros der kirchlichen Ämter. Und für einen Mieter, der dafür sorgt, dass der Turm der Nikolaikirche auch abends noch von innen strahlt.

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