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Rostock Tipps für Trennungskinder (wie mich): So überlebt ihr Weihnachten
Mecklenburg Rostock

Lenis Kolumne: Tipps für Trennungskinder (wie mich): So überlebt ihr Weihnachten

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16:49 23.12.2019
OZ-Kolumnistin Leni Rabbel gibt Tipps für Patchwork-Familien zu Weihnachten. Quelle: Leni Rabbel
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Rostock

Serien wie „Modern Family“ und nun auch im deutschen Fernsehen „Bonusfamilie“ flimmern über unsere Bildschirme, es gibt Bücher für Scheidungskinder mit illustren Namen wie: „Was tun, wenn Papa auszieht?“ und man wird im Kindergarten auch nicht mehr komisch angeguckt, wenn man von seinem Stiefvater redet. Die Patchwork-Familie ist gesellschaftsfähig geworden.

Ich selber lebe seit Tag eins in der Familienkonstellation, deren Namen von einer aus Stoffresten zusammengesetzten Decke rührt. Was für ein hübsches Bild. Doch durch diesen Umstand sehe ich mich in den Stand der Expertin gehoben.

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Besonders heikel wird die Situation an Feiertagen wie Weihnachten, die schon in „normalen“ Familien ein hohes Maß an Konfliktpotential bieten. Wenn dazu noch kommt, dass der Sohn die neue Stiefmutter nicht leiden kann, die Schwiegereltern dem Ex-Mann nachtrauern und die Kinder sich immer noch nicht ganz grün sind, ist Eskalation vorprogrammiert. Da ich nun zum 24. Mal Weihnachten in (Patchwork)-Familie feiere, ist es an der Zeit Tipps für ein möglichst besinnliches und unfallfreies Weihnachten zu geben.

Kein emotionaler Druck

Der wohl wichtigste Punkt dieser Liste, deshalb kommt er – in weiser Vorrausicht - an erster Stelle. Die Eltern haben die Beziehung vergeigt und reden kaum noch, sind aber durch ihren Nachwuchs auf ewig miteinander verbunden. Eine Tatsache, unter der Kinder häufiger leiden, als es die Eltern vielleicht meinen. Eifersüchteleien und Rosenkriege werden auf dem Rücken der Kinder geführt, und wenn man Mama wirklich liebhat, feiert man ja wohl Weihnachten mit ihr und nicht mit Papa und „der Neuen“.

Diese Art von emotionalem Druck belastet Kinder in einer ohnehin schwierigen Situation zusätzlich. Wenn das Kind noch klein ist, sollten die Eltern verbindliche Absprachen treffen und nicht das Kind in die Rolle zwingen, ob es nun Papi oder Mami lieber hat. Diese Entscheidung will kein Kind treffen.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Ein altbekannter Vorteil, den viele Trennungskinder ausnutzen (besonders gut funktioniert das kurz nach der Trennung) ist, dass man aufgrund fehlender Kommunikation und einem Wettbewerb zwischen den Elternteilen, häufig doppelt Geschenke bekommt. Damit haben sich aber auch schon die positiven Aspekte einer Trennung erschöpft.

Auch die Geschenke-Frage kann Kindern wehtun. Das neue Kind von Mama und ihrem Freund kriegt vom leiblichen Vater mehr Geschenke, als das mit in die Beziehung gebrachte und unterm Tannenbaum herrscht keine Gerechtigkeit. Das endet häufig in Tränen (ich spreche aus Erfahrung) und ist für keins der beiden (Halb/Stief…)-Geschwister schön. Auch hier ist Kommunikation das Stichwort.

Traditionen bewahren

Für die Kinder, die die größten Leidtragenden an einer Trennung sind, ist die Situation eh schon schwer. Weihnachten ohne Mama, dafür mit Papa und seiner neuen Freundin. Alles ist anders. Deshalb kann es helfen, Traditionen zu bewahren. Wenn man immer einen Weihnachtspaziergang gemacht hat, die Stiefmutter aber lieber einen Film gucken möchte, entfernt es die Kinder noch mehr vom Vertrauten.

Wenn mehrere Kinder von beiden Seiten mit in die Beziehung gebracht werden, hilft wie zu erwarten: Reden. Wie kann man die Rituale kombinieren? Wie sind alle möglichst zufrieden? Natürlich dürfen auch neue Traditionen entstehen, aber grade in jungen Jahren kann eine vertraute Situation den Kindern helfen, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

All diese Tipps lassen sich genauso auf das alltägliche Familienleben anwenden. Ein Kind sollte nie zusätzlich belastet werden und nicht zwischen seinen Eltern wählen müssen. Die Situation wird auch dadurch nicht einfacher, dass der Schwiegervater den neuen Freund der Mutter als Idioten bezeichnet. Man verbringt so viel Zeit in beiden Familien, dass man nicht das Gefühl haben sollte, die Eltern zu verraten, nur weil man den neuen Partner mag. Auch tut es weh, wenn die „Angeheirateten“ ihre leiblichen Kinder bevorzugen, besonders, wenn es ein neues Baby gibt. Reden hilft immer, den eigenen Stolz herunterschlucken und zusammen daran arbeiten, was für die Kinder am besten ist. So gelingt auch ein Weihnachten in (Patchwork)-Familie.

Es gibt noch Hoffnung

PS: Wie ich Weihnachten feiere? Wie jedes Jahr aufgeteilt (mit besinnlich hat das wenig zu tun). Aber wir haben dieses Jahr schon ein gemeinsames Osterfest in versammelter Mannschaft ohne größere Vorkommnisse geschafft, ich gebe also die Hoffnung für ein Weihnachten mit meiner ganzen Familie auch mit Mitte 20 noch nicht auf.

Alle Teile aus Lenis Kolumne gibt es hier zum Nachlesen.

Für ihre Follower ist sie unter dem Namen „lenilicious“ bekannt, für Familie und Freunde einfach nur als Leni: Diese Rostocker Influencerin bloggt jetzt für die OZ.

Von Leni Rabbel