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Rostock Liebe zur Literatur: Warum bei diesem Rostocker mehrere Tausend Bücher stehen
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Liebe zur Literatur: Warum bei diesem Rostocker mehrere Tausend Bücher stehen

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10:00 19.02.2020
Manfred Keiper liebt Bücher. Der Literaturfan hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Quelle: Katharina Ahlers
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Rostock

Manfred Keiper blickt zu einem der zahlreichen Bücherregalen in seiner Wohnung und zieht ein Werk von Peter Weiss heraus. „Das ist ein Autor, der gnadenlos Dinge hinterfragt und zum Nachdenken anregt. Durch ihn habe ich viel gelernt – unter anderem, mich gegen Dogmen zu wehren. Er ist nicht leicht zu lesen“, sagt der Bücherliebhaber.

Neben dem Band des Schriftstellers finden sich noch zahlreiche weitere Werke in der Wohnung des 62-Jährigen. „Ich vermute, dass es hier so an die 8000 Bücher sind“, sagt der Inhaber der „andere buchhandlung“ in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. „Im Laden sind es dann auch noch einmal etwa 4000. Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.“ Die private Sammlung werde ständig erweitert. „Es bleibt nicht aus, dass ich immer wieder ein neues Regal bauen muss“, sagt er. „Eigentlich wollte ich auch das Schlafzimmer davon freihalten, aber das klappt auch nicht mehr.“ Keiper zeigt zu einer Wand im Esszimmer. „Die soll frei bleiben, da möchte ich Bilder aufhängen.“

Schon früh zur Literatur gefunden

Die Leidenschaft begann zunächst mit Groschenromanen. „Irgendwann konnte ich mir dann mal Taschenbücher leisten“, erinnert er sich. Als er elf Jahre alt war, hatte er ein Schlüsselerlebnis. „Mein Vater war Mitglied in der Büchergilde Gutenberg, das war damals der Bücherclub der Gewerkschaften der Drucker in Westdeutschland“, sagt der gebürtige Niedersachse. „Als mein Vater dort keine Bücher mehr für sich gefunden hat, hat er mir den Katalog gegeben und ich durfte mir Bücher aussuchen.“

Der Junge konnte erstmals gebundene Bücher bestellen, auf die er nicht sparen musste. Er entschied sich für die Serie von Jack London. „Das war anspruchsvolle Abenteuerliteratur. Eigentlich gibt es drei Bände, aber einer fehlt. Den habe ich wohl verliehen und nicht zurückbekommen.“

Umzüge, Leihgaben und Krimizimmer

Viele Bücher seien zudem durch Umzüge verloren gegangen. „Es ist nicht einfach, mit so vielen Büchern umzuziehen. Ich bin froh, dass ich jetzt schon seit einigen Jahren hier lebe“, sagt der Buchhändler und lacht. Nach dem Auszug eines Sohnes wurde aus dem ehemaligen Kinderzimmer ein Gäste- und Krimizimmer. „Einmal hatte ich einen Krimiautoren zu Besuch, der selbst auch Bücher rezensiert. Der war ganz begeistert, da er viele der Bücher auch noch nicht kannte“, erinnert sich Keiper, der den Austausch im Bekanntenkreis schätzt.

„Ich gebe nicht nur Tipps, sondern finde es auch schön, zu erfahren, was andere begeistert. Ich kann ja auch nicht alle Bücher lesen.“ Trotzdem: Der Literaturexperte vertieft sich teilweise in bis zu 30 Werke gleichzeitig. „Es gibt Bücher, die fange ich an und kann sie dann erstmal nicht weiterlesen, da ich nicht in der richtigen Stimmung dafür bin. Dann gucke ich mir ein anderes Werk an. Da ist man ja schnell wieder drin.“ Keiper bezeichnet sich als Gemütsleser. Lyrik unter anderem sei entspannend.

Die Aufmachung eines Buches sei teilweise so interessant, dass sie auch einmal über einen etwas uninteressanteren Inhalt hinwegtröste. So finden sich auch Bücher, die mit Notizen des Autoren, mit Zeitungsartikeln und Bildern ergänz sind, in seiner Sammlung. Er zeigt auf „Das Schiff des Theseus“. „Das ist ein großartiges Buchprojekt. So etwas kann man nicht im Bett lesen, da fällt ja alles raus.“

Seine ersten Bücher von der Büchergilde Gutenberg seien handwerklich sehr gut gemacht gewesen. „Die Drucker hatten einen Ehrenkodex. Die sind noch fadengeheftet – heutzutage haben viele Bücher eine Klebebindung“, weiß der 62-Jährige.

Politisch geprägt

Aber natürlich spielt auch der Inhalt der Bücher eine große Rolle. So hat den Sammler unter anderem Literatur über die Black Panther Party in den USA der 70er-Jahre beeindruckt. „Der Rassismus in den USA hat mir die Augen geöffnet. Und so habe ich mich dann auch mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt.“

Auch die historischen Romane von Lion Feuchtwanger, der sich mit dem Aufkommen des Faschismus auseinandersetzt, haben eine große Rolle gespielt. „Der Roman ,Erfolg’ zeigt wie kaum ein anderer, wie Politik in Deutschland funktioniert.“ Keiper bedauert, dass sich die Gegenwartsliteratur zu wenig mit der politischen Realität befasse. „Literatur hat mich zu einem kritischen Geist erzogen“, betont er.

Enkelkinder lieben Bücher

Seine ersten Bücher von Jack London möchte er irgendwann einmal seinen Enkeln schenken. „Dafür sind sie noch zu klein. Wenn die bei mir in der Buchhandlung sind, verschwinden sie sofort in der Kinderecke und verlieren sich da.“

Aus Büchern könne man nicht nur lernen, aus Büchern könne man auch Fantasie entwickeln. Er selbst habe bereits seinen Söhnen vorgelesen – unter anderem aus Harry Potter. „Durch solche Geschichten entwickelt man Bilder im Kopf“, sagt er. „Das Problem ist, dass durch die Filme diese Bilder wieder geklaut werden und andere Bilder entstehen.“

Bücher haben Zukunft

Der Inhaber der „andere Buchhandlung“ glaubt an die Zukunft des gedruckten Buches. „Der Tod des Buches wird schon seit 100 Jahren vorausgesagt und er ist nicht eingetreten“, sagt er. „Wenn man etwas Schönes in der Hand hat, liest man es auch gern.“

Er zeigt zu seinem Handy. „Da sind mittlerweile auch mehr als 100 Bücher drauf – die Digitalisierung ist für mich auch mal ganz angenehm, vor allem, wenn ich schnell irgendwelche Manuskripte brauche. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, lasse ich mir das Buch dann auch zuschicken.“ In einem richtigen Buch zu blättern, sei ein ganz besonderes Leseerlebnis.

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Von Katharina Ahlers

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