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Rostock Lohn-Debatte: Mitarbeiter verteidigen Rostocker OB-Kandidaten Madsen
Mecklenburg Rostock Lohn-Debatte: Mitarbeiter verteidigen Rostocker OB-Kandidaten Madsen
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20:22 03.05.2019
17 von 39 Mitarbeitern von Möbel Wikinger reagierten auf diese Weise auf die Gewerkschafts-Kritik an ihrem Chef Claus Ruhe Madsen. Quelle: Facebook
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Rostock

Die Kritik der Gewerkschaften am Rostocker Oberbürgermeister-Kandidaten Claus Ruhe Madsen – sie ist das Gesprächsthema in der Hansestadt: Die Jugendorganisationen der Gewerkschaften Verdi und IG Metall sowie der SPD und der Linken hatten dem Unternehmer bei der Kundgebung zum 1. Mai vorgeworfen, „Dumpinglöhne“ in einer Möbel-Kette zu zahlen.

Auch Verdi-Bezirkschef Detlev Follak kritisierte Madsen, weil er keinen Tarifvertrag für seine Beschäftigten abgeschlossen habe. In den sozialen Medien wird das Thema seitdem kontrovers diskutiert, die Branchenverbände stellen sich indes auf Madsens Seite. Auch ein Teil der Madsen-Belegschaft hat reagiert.

Einige Hundert Euro weniger

Der parteilose OB-Kandidat, für den CDU und FDP werben, hatte bestätigt, dass er seine 39 Beschäftigten am Standort Rostock nicht nach dem Tarifvertrag für den Einzelhandel in MV bezahle. Die Mitarbeiter erhalten nach OZ-Informationen mehrere Hundert Euro weniger im Monat. Allerdings biete „Möbel Wikinger“, so Madsen, den Beschäftigten andere Vergünstigungen – Kita-Zuschüsse für Eltern, Weiterbildungen, Gratis-Getränke und auch gelegentliche Boni.

Madsen sei nicht der einzige Unternehmer, der nicht nach dem Tarif bezahle. Das jedenfalls sagt Verdi-Bezirkschef Follak. Aber: Die Gewerkschaft erwarte von Unternehmern, die hohe öffentliche Ämter bekleiden wollen, dass sie auch in ihren Firmen eine Vorbildfunktion ausüben. Dazu würden für Verdi auch faire Löhne gehören.

Auch einen Betriebsrat gibt es bei „Möbel Wikinger“ nicht. Im Betriebsverfassungsgesetz (§1, Absatz 1) heißt es: „In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, werden Betriebsräte gewählt.“ Allerdings müssen diese Gremien von der Belegschaft selbst gebildet werden. Dem Arbeitgeber ist sogar untersagt, sich diesbezüglich einzumischen.

Mitarbeiter reagieren im Netz

Ein Teil der Belegschaft von „Möbel Wikinger“ reagierte am Freitag im Internet auf die Kritik an ihrem Chef Claus Ruhe Madsen: Die Belegschaft posiert mit einem Banner, auf dem „Solidarität für einen fairen Wahlkampf“ zu lesen ist. „Gute Arbeit passiert auf Augenhöhe“.

Eine Mitarbeiterin, die auf ihrer Facebook-Seite angegeben hat, auch Madsens Wahlkampf-Seite im Internet zu betreuen, schreibt: „Das Verhältnis zwischen uns ist sehr familiär, und wenn es ein Problem gibt, einen Wunsch [...] dann reden wir miteinander auf einem wirklich kurzen Kommunikationsweg. Auch mit unserem Chef.“

Verbände verteidigen Madsen

Auch die Branchenverbände stellten sich demonstrativ an die Seite des Unternehmers: Der Vorwurf, Madsen zahle „Dumpinglöhne“, sei absolut ungerechtfertigt, sagte beispielsweise Kay-Uwe Teetz vom Handelsverband Nord der OZ. „Madsen zahlt nach unserem Wissen Gehälter, die nahe am Tarif sind. Dumpinglöhne sind etwas ganz anderes.“

Dass es für kleinere Unternehmen schwerer sei, sich Tariflöhne leisten zu können, will Teetz so aber nicht sagen: „Es ist nicht schwerer oder leichter. Auch bei großen Händlern muss das Geld erst mal verdient werden.“

Der Unternehmerverband kontert ebenfalls die Gewerkschaftskritik: „Auch wenn nicht alle Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern Tariflohn zahlen können, ist die Entwicklung der Gehälter der vergangenen Jahre grundsätzlich positiv zu betrachten. Die Praxis, dass jedes Unternehmen, das aktuell nicht nach Tarif zahlen kann, automatisch mit Dumpinglöhnen in Verbindung gebracht wird, wird der Realität nicht im Geringsten gerecht“, so Verbandsgeschäftsführer Ulf Mauderer. „Viele Unternehmen ohne tarifliche Bindung zahlen sogar Löhne und Gehälter, die weit darüber liegen.“

Debatte auch im Netz

Im Internet wird Madsens Lohnpolitik ebenfalls kontrovers diskutiert. Maik Gellesch zum Beispiel schreibt auf der OZ-Facebook-Seite: „Jeder Arbeitnehmer kann doch selbst entscheiden, ob er mit dem Lohn einverstanden ist oder nicht.“ Markus Voß sieht das ganz ähnlich: „Zu einem Arbeitsvertrag gehören immer zwei. Kein Arbeitnehmer wird gezwungen, die Konditionen anzunehmen und zu unterschreiben.“

Viele Madsen-Unterstützer werfen den Gewerkschaften vor, Wahlkampf gegen den parteilosen Kandidaten zu machen. So schreibt auch Riccardo Kipar: Klar sollten sich Gewerkschaften für die Belange von Arbeitnehmern einsetzen – keine Diskussion. Aber dass dieses Thema gerade im Wahlkampf entdeckt wird, ist bestimmt alles Zufall.“

Doch es gibt auch viel Kritik an Madsens Lohn-Politik: „So was geht gar nicht. Wenn er es sich nicht leisten kann, muss er den Laden halt dichtmachen. Da ist ein potenzieller Kandidat für mich soeben ausgeschieden. Gute Arbeit soll gut bezahlt werden“, sagt Mathias Kohlhagen.

„Ein Unternehmer, der 150 000 Euro seines Privatvermögens in seinen Wahlkampf stecken kann, in seinem Unternehmen aber keinen Betriebsrat oder gewerkschaftliche Vertretung für notwendig erachtet, der hat offensichtlich kein wirkliches Interesse an seinen Mitarbeitern, sondern nur am Gewinn seines Unternehmens“, schreibt hingegen Alexander Kournikov.

Und Franziska Maschner meint: „Man kann einen OB-Kandidaten wählen, dessen Geschäftsprinzip daraus besteht, seine Mitarbeiter auszubeuten. Oder eben halt nicht. Wer sich als erfolgreicher Geschäftsmann präsentiert, muss damit rechnen, dass man sich das alles mal genauer anschaut.“

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