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Rostock Im Schlaf nach Stockholm: Das bietet die neue Fährlinie von Rostock nach Schweden
Mecklenburg Rostock

MV: Von Rostock nach Stockholm mit neuer Fährlinie - die Überfahrt im Test

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17:33 23.10.2021
Diana Reichl (36) aus Uppsala hat mit ihrer Tochter Yara Sophie ihren Vater in Rostock besucht – und fährt nun zurück nach Schweden.
Diana Reichl (36) aus Uppsala hat mit ihrer Tochter Yara Sophie ihren Vater in Rostock besucht – und fährt nun zurück nach Schweden. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock/Stockholm

Sonnenaufgang auf der Ostsee – die ersten Lichtstrahlen fallen durch das Fenster in die geräumige Schiffskabine. Der Boden schaukelt, der Seegang ist deutlich zu spüren. Ein Blick nach draußen verrät: Noch ist kein Land in Sicht. Doch schon bald soll MS „Drotten“ schwedisches Festland erreichen.

„An diesem weiten Blick übers Wasser kann ich mich gar nicht sattsehen“, sagt Kapitän Matti Björebro zufrieden. Während die Passagiere in den vergangenen Stunden geschlafen haben, haben er und sein Team auf der Brücke das Schiff durch die Nacht gesteuert. „Alles war ruhig. Auf dem Radar können wir alles gut erkennen – auch wenn es draußen dunkel ist“, sagt der 40-Jährige. „Es ist immer schön, eine neue Linie kennenzulernen. Die gesamte Crew ist gut gelaunt.“

Im Schlaf von Rostock nach Nynäshamn bei Stockholm: Möglich macht das die neue Fährlinie von „Hansa Destinations“, die Ende August an den Start ging. Jeweils drei Fahrten pro Richtung werden wöchentlich angeboten, 18 Stunden dauert die Überfahrt zwischen der größten Stadt in MV und der kleinen schwedischen Hafenstadt. Eine gute Reisealternative zu Auto oder Flugzeug? Die OZ testet, was die neue Fähre den Passagieren bietet. OZ-Redakteurin Katharina Ahlers und Fotograf Ove Arscholl gingen vergangene Woche an Bord und berichten von ihren Erlebnissen.

Wiedersehen mit der Familie

Nach dem Boarding am Dienstagnachmittag am Rostocker Überseehafen erhalten wir an der Rezeption unsere Kabinenschlüssel – unsere Außenkabine bietet einen schönen Blick auf die Hafenausfahrt in Warnemünde. Auch unsere Kabinennachbarin ist zufrieden. „Es ist schön geräumig, sogar der Kinderwagen hat Platz“, sagt Diana Reichl. Sie kennt die Fahrt mit MS „Drotten“ bereits. „Ich bin vor einer Woche von Nynäshamn nach Rostock gefahren“, sagt die Deutsche, die vor acht Jahren nach Uppsala ausgewandert ist. In den vergangenen Tagen war die 36-Jährige zusammen mit ihrer sieben Monate alten Tochter Yara Sophie zu Besuch bei ihrem Vater in Rostock. „Er hat das erste Mal seine Enkelin gesehen. Das war sehr emotional.“

Bildergalerie: So sieht die Fähre von Rostock nach Stockholm von innen aus

Über Nacht von Rostock nach Stockholm: Die OZ-Reporter Katharina Ahlers und Ove Arscholl haben die Fähre MS „Drotten“ getestet. Erhalten Sie hier Einblicke in die Kabinen, die öffentliche Bereiche und von der Brücke beim Kapitän.

Bei ihrem letzten Besuch in Deutschland ist Reichl mit dem Zug von Uppsala nach Malmö gefahren – von dort ging es mit Fähren weiter. „Ich musste oft umsteigen“, sagt die junge Mutter. „Mit Kind ist das noch aufwendiger.“ Der Gedanke an die 18-stündige Fahrt habe sie zunächst etwas abgeschreckt. „Aber das war gar nicht schlimm. In den Kabinen kann man gut schlafen – das Schaukeln war auch für die Kleine schön.“

Shop und Kino an Bord

Das Gepäck wird verstaut, anschließend treffen wir Chef-Steward Marcus Eklund. „Heute ist es recht ruhig“, sagt er. Die Fähre habe Kapazitäten für 1500 Menschen – an diesem Abend reisen lediglich 71 mit. Bei unserer Rückfahrt am Freitag werden es wesentlich mehr sein: 180 Reisende nach Rostock, 420 steigen gehen beim Zwischenhalt auf der Insel Gotland von Bord.

Die Fähre ist nicht nur für Touristen, sondern hauptsächlich für den Frachtverkehr ausgelegt. Die schwedische Regierung fördert die Reederei. Das Ziel: den Frachtverkehr auf den Straßen reduzieren und Güter umweltfreundlicher befördern. Auf der Hinfahrt werden an diesem Abend 29 Autos, zehn Lkw sowie elf Container transportiert.

Blick in den Maschinenraum: Chefingenieur Stellan Högström steht zwischen zwei von vier Maschinen, die die zwei Schiffspropeller antreiben. Quelle: Ove Arscholl

Eklund führt uns durch das 176 Meter lange und 25 Meter breite Schiff. Neben einem kleinen Bordshop, in dem es Spiele, Alkohol und Süßigkeiten, aber auch typische Produkte von der Insel Gotland zu kaufen gibt, wird Gästen an Bord ein eigenes Bordkino geboten. Weitere Unterhaltungsmöglichkeiten seien geplant. „Wir sind noch dabei, herauszufinden, was die Passagiere wollen.“

Regelmäßig wechselndes Menü

In der Küche der Fähre laufen derweil die Vorbereitungen fürs Abendessen. „Heute gibt es Lammfilet mit Rotweinsauce und Gemüse sowie Lachs mit Hummersauce“, erklärt Küchenchef Markus Stuxberg. „Außerdem bieten wir Burger an, auch einen veganen.“ Das Menü werde regelmäßig gewechselt. „Ich probiere viel aus – ich mag es, die Menschen glücklich zu machen“, sagt der Koch, der seit vier Jahren für die Reederei tätig ist und zuvor in Restaurants an Land gearbeitet hat.

Crewmitglied Jerry Wall serviert im Restaurant der MS Drotten Köttbullar. Quelle: Ove Arscholl

Die Währung an Bord ist die schwedische Krone, Euro werden aber auch akzeptiert. Für zwei Hauptgänge mit Getränken zahlen wir umgerechnet 36 Euro. Und dann ist da noch die schiffseigene Bar. „Hier erhalten die Gäste bis 2 Uhr morgens Drinks und kleine Snacks“, sagt Eklund.

„Noch nicht viel von Rostock gesehen“

Der 29-Jährige ist immer im Wechsel eine Woche an Bord und hat anschließend eine Woche frei. „Ich mag das Leben auf See“, sagt er. „Die Crew ist super und ich mag es, immer neue Gäste kennenzulernen“, erklärt er. Trotz zahlreicher Anläufe in Rostock konnte er von der Hansestadt noch nicht viel sehen. „Zwischen Ankunft und nächster Abfahrt liegen ja nur wenige Stunden. Die Agentur hat uns versprochen, dass wir bald mal eine Tour in die Innenstadt unternehmen können – vielleicht ja zum Weihnachtsmarkt.“

Zu Besuch auf der Kommandobrücke der „Drotten“: Hier steuern Kapitän Matti Björebro und 2. Offizier Therese Persson die „Drotten“. Quelle: Ove Arscholl

„Wir reisen unseren Kindern hinterher“

Der Sohn der Reisenden Sabine und Eckart Ceh aus Bentwisch hat auf einem Weihnachtsmarkt seine finnische Ehefrau kennengelernt. „Vor zwölf Jahren ist unser Sohn dann ausgewandert“, sagt Eckart Ceh. Zusammen mit seiner Frau besucht er regelmäßig die Familie in Finnland. „Wir haben schon alle Wege und Verkehrsmittel nach Skandinavien ausprobiert“, sagt der Rentner. „Nun testen wir mal diese Reisemöglichkeit.“ Oft sei das Paar mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg gefahren, von dort mit dem Auto 600 Kilometer nach Stockholm gereist und von der schwedischen Hauptstadt mit der nächsten Fähre weiter nach Helsinki.

Crewmitglied Marcus Eklund steht auf dem Loungedeck - hier können Passagiere während der Überfahrt sitzen. Quelle: Ove Arscholl

115 Kabinen

Von der neuen Verbindung erhoffen sich die Mecklenburger eine stressfreie Reise. „Alles ist sauber. Ich war überrascht, wie viel Platz wir haben“, sagt Sabine Ceh. Auf Deck 8 stehen 115 Kabinen bereit – es gibt Außen- und Innenkabinen, Räume für Allergiker sowie barrierefreie Unterkünfte. „Wir haben Kabinen mit zwei und mit vier Betten“, sagt Eklund. Zudem gibt es spezielle Tier-Kabinen für Menschen, die ihre Hunde mitbringen.

Pünktliche Ankunft in Schweden

Pünktlich um 13.30 Uhr legt die „Drotten“ in Nynäshamn an. Von dort geht es entweder mit dem Auto oder mit dem Zug ins 60 Kilometer entfernte Stockholm. Für die Crew hingegen geht es am Abend zurück. „Die Hafeneinfahrt entlang der Mole in Warnemünde ist beeindruckend. Letztes Mal waren viele kleine Segelboote, Fähren und ein Kreuzfahrtschiff auf dem Wasser“, schwärmt Kapitan Matti Björebro. „Ich kann mir gut vorstellen, wie es im Sommer in Rostock aussehen muss. Wir hoffen, dass in der Hauptsaison auch mehr Touristen die Möglichkeit nutzen, mit uns nach Schweden zu kommen.“

Tickets und Preise

Abfahrten von Rostock nach Nynäshamn erfolgen dienstags, donnerstags und sonnabends jeweils um 19 Uhr. Ankunft in Nynäshamn ist jeweils am darauffolgenden Tag um 13.30 Uhr. Sonntags hält die Fähre zudem um 9.30 Uhr in Visby auf der Insel Gotland.

Montags, mittwochs und freitags geht es von Schweden nach Rostock. Abfahrt ist jeweils um 19 Uhr, Ankunft in Deutschland einen Tag später um 13 Uhr. Freitags wird zudem ein Zwischenstopp auf Gotland eingelegt.

Bis Ende des Jahres kostet ein einfaches Fährticket 39 Euro pro Person. Dieses enthält einen Platz auf einem Lounge-Chair. Eine Kabine mit zwei bis vier Betten ist ab einem Preis von 68 Euro buchbar. Wer mit Auto reist, zahlt bis Ende des Jahres ebenfalls 68 Euro.

Eine Online-Buchung ist derzeit noch nicht möglich, soll aber bald eingerichtet werden. Bis dahin können Tickets ausschließlich telefonisch (+46 (0)771 702 550) oder per Mail (customerservices@hansadestinations.com) gebucht werden.

Zu empfehlen ist Reisenden diese Verbindung in jedem Fall – „Hansa Destinations“ lässt Rostock und Stockholm näher zusammenrücken und schafft eine kostengünstige und stressfreie Reisemöglichkeit.

Von Katharina Ahlers