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Rostock Macht Musik schlau?
Mecklenburg Rostock Macht Musik schlau?
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21:17 31.05.2017
Bei verschiedenen Experimenten wurde die Hirnaktivität während des Musizierens gemessen.
Bei verschiedenen Experimenten wurde die Hirnaktivität während des Musizierens gemessen. Quelle: Dr. Eckart Altenmüller
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Rostock/Hannover

„Bei diesem Krach kann man doch nicht lernen!“ – diesen Satz hat sicher jeder schon gehört. Trotzdem schwören viele Menschen auf die anregende Wirkung von Musik. Was davon stimmt? Prof. Dr. Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien (HMTM) in Hannover ist seit 1994 Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin. Seit Jahren forscht er zu den Auswirkungen von Musik auf unsere Intelligenz.

Was löst Musik in unserem Kopf aus?

Seit über 20 Jahren werden vor allem klassische Methoden der Hirnforschung eingesetzt, um zu untersuchen, wie das Musizieren die Hirnvernetzung verändert. Dabei konnte man zeigen, dass schon die erste Klavierstunde mit 20 Minuten am Instrument zu einer dichteren Vernetzung und vergrößertem Informationsaustausch zwischen den Zentren im Gehirn, die für das Hören zuständig sind, und den Zentren, die für das Bewegen zuständig sind, führen.

In welchem Alter sollten künftige Profimusiker beginnen?

Wenn man sehr früh anfängt mit dem Musizieren, also vor dem Alter von sieben Jahren, erreicht man die effizienteste, nachhaltigste und stabilste Hirnvernetzung. Damit kann man später auch musikalisch in den Bereichen Virtuosität, Schnelligkeit und Fingerspitzengefühl die größten Leistungen erbringen. Wer später anfängt, kann natürlich immer noch ein großartiger Musiker werden – aber er wird nicht in die technisch höchste Klasse aufsteigen können.

Welche weiteren Effekte sind bekannt?

Wenn wir den reinen IQ messen, sind die so genannten Transfereffekte vom Musizieren auf die Intelligenzleistung – sprachliche, verbale, mathematische, räumliche Kompetenzen – eher gering. Sie liegen bei etwa drei bis fünf IQ-Punkten. Starke Auswirkungen hat das Musizieren allerdings auf die emotionalen Fähigkeiten. Kinder, die Musik machen, haben eine feinere Wahrnehmung der Emotionen der anderen Kinder. Das wird darauf zurückgeführt, dass sie viel genauer hören, wie der Klang der Stimme ist. Dadurch sind sie kooperativer und hilfsbereiter.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Musik hören und Musik machen?

Beim Musik machen muss das Gehirn einerseits die ganzen Sinneseindrücke wie das Hören, Fühlen und Sehen verarbeiten, anderseits gleichzeitig Bewegungen planen und koordinieren. Außerdem sind zum Musizieren auch Emotionen nötig. Das alles sind Fähigkeiten, die das gesamte Gehirn massiv in Anspruch nehmen. Musik hören führt dagegen zu einer Aktivierung vor allem der Hörregionen und kann dazu führen, dass wir uns wohlfühlen oder bestimmte kognitive Leistungen besser meistern. 

Wann unterstützt Musik hören das Lernen?

Wenn sie richtig einsetzt wird – also vor allem bei Fertigkeiten, die nicht verbal sind. Musik hören würde ich auf keinen Fall, wenn ich Vokabeln lernen muss, weil sowohl beim Vokabellernen als auch auch beim Musikhören dieselben Regionen im Gehirn angesprochen werden. Das Lernen wird durch die Musik gestört. Wenn Sie allerdings Musik hören und nebenbei Mathematik- oder Physikaufgaben lösen, dann geht das relativ gut. Kinder und Jugendliche können intuitiv bei Musikstücken, die sie kennen und die nicht zu sehr ablenken, eine bessere Lernleistung erbringen.

Was ist mit der „absoluten Ruhe“?

Wenn ich eine geistig sehr anspruchsvolle Aufgabe habe und schwierige Denkprozesse durchführen muss, ist in der Regel die absolute Ruhe förderlich. Das ist allerdings altersabhängig: Junge Menschen sind in der Lage, sehr viel leichter Musik auszublenden. Das fällt älteren Menschen zunehmend schwer. In Restaurants mit lauter Hintergrundmusik gehen eher junge Leute, weil sie sich weniger gestört fühlen. Ältere Menschen suchen sich eher Restaurants aus, die keine oder sehr leise Hintergrundmusik spielen.

Max Jagusch

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