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Rostock Rostock wartet weiter auf neue Kinderklinik
Mecklenburg Rostock Rostock wartet weiter auf neue Kinderklinik
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06:30 21.12.2018
Das Rostocker Südstadt-Klinikum: Hier soll die neue Kinderklinik entstehen. Doch seit Monaten herrscht bei dem Thema Stillstand. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Wird die Gesundheit der kleinsten und hilflosesten Patienten in Rostock zum Spielball von Politik und Einzelinteressen? Die Kindermedizin in der größten Stadt des Landes jedenfalls gerät mehr und mehr in die Krise – auch wegen Streitereien hinter den Kulissen. Ab dem 1. Januar steht beispielsweise die Kinderklinik der Universitätsmedizin ohne Direktor da. Prof. Dr. Michael Radke beendet seine Tätigkeit. Noch dramatischer: Der seit Jahren geplante Bau einer neuen Kinder-Klinik verzögert sich offenbar noch weiter – auch weil die Standortdebatte neu entbrannt ist. Auslöser ist der Dekan der Uni-Klinik, Prof. Dr. Emil Reisinger.

Zentrum für die kleinen Patienten

Bereits seit mehr als fünf Jahren ist das so genannte Eltern-Kind-Zentrum ein Dauerthema: Das städtische Südstadt-Klinikum und die landeseigene Uni-Medizin planen unter diesem Arbeitstitel ein neues, hochmodernes Kinderkrankenhaus. 60 Millionen Euro soll der Bau kosten, in dem die beiden Krankenhäuser ihre Kompetenzen für die kleinen Patienten bündeln wollen. Unter anderem sollen die Kinderchirurgie und die allgemeine Kinder-Medizin der Uni in das Zentrum ziehen, die Südstadt-Klinik bringt die Geburtenstation und die Neu- und Frühgeborenen-Medizin mit ein. Ziel des Ganzen: eine hoch spezialisierte Klinik, in der Kinder aus dem gesamten Land die bestmögliche Versorgung erhalten – und die Spitzenkräfte aus Medizin und Wissenschaft nach Rostock lockt. An der Notwendigkeit haben alle Experten – seien es die Mediziner der Uni oder die Fachleute der Landesregierung – nie einen Zweifel geäußert.

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Anfang des Jahres schien es nun so, als würde das Eltern-Kind-Zentrum endlich Wirklichkeit werden: Nach einem Spitzentreffen der Klinik-Chefs Christian Schmidt (Uni) und Steffen Vollrath (Südstadt-Krankenhaus) mit den zuständigen Ministern Harry Glawe (CDU, Gesundheit), Birgit Hesse (SPD, Bildung) und Mathias Brodkorb (SPD, Finanzen) bekannte sich die Landesregierung zu den Plänen – und zum Standort für das Zentrum. Die neue Kinderklinik soll in der Südstadt entstehen. Doch seit fast zwölf Monaten herrscht nun wieder Stillstand.

Dekan löst neue Debatte aus

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Steffen Vollrath. „Die Konzeptplanung für das Eltern-Kind-Zentrum haben haben Uni und wir bereits vor längerer Zeit gemeinsam abgeschlossen.“ Auch die Nachnutzungskonzepte für die Gebäude liegen dem Land vor. Nach OZ-Informationen stehen auch die Mittel in den jeweiligen Etats der Ministerien bereit. „Zwischenzeitlich haben wir zum Projekt keine weiteren Informationen aus Schwerin erhalten“, so Vollrath. Auch Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Uni, bestätigt: „Alle Unterlagen liegen beim Land. Dort muss die Entscheidung für das Eltern-Kind-Zentrum getroffen werden.“

Doch ausgerechnet ein führender Mediziner könnte das Projekt nun um viele Monate zurückgeworfen haben: Auf der Sitzung des Aufsichtsrates der Uni-Klinik Ende September ist die Standort-Debatte neu entfacht. Und der Auslöser ist Professor Dr. Emil Reisinger, wissenschaftlicher Vorstand der Uni. Laut Protokoll der vertraulichen Sitzung gab er erneut zu bedenken, dass er sich das Eltern-Kind-Zentrum an der Schillingallee – dem Sitz der Uni-Medizin – statt in der Südstadt wünsche. Aufsichtsratschef Sebastian Schröder (Bildungsstaatssekretär, SPD) und Vorstand Schmidt sprachen sich jedoch für die Südstadt aus. Doch Reisinger betonte, dass es dafür kein Votum der Uni-Gremien gebe. Reisinger wollte sich auf OZ-Anfrage nicht äußern, verwies auf die Vertraulichkeit des Kontrollgremiums. Schröder verwies die Causa „Eltern-Kind-Zentrum“, die längst als „beschlussreif“ galt, laut Protokoll erneut in die Beratung in den Ministerien. Und dort ruht nun der sprichwörtliche See.

Petitesse am Rande: Nachdem Christian Schmidt der Vorsitz des Uni-Vorstandes entzogen worden war, hatte sich Reisinger nach OZ-Informationen für das prestigeträchtige Amt empfohlen. Das Land entschied sich aber gegen ihn – und für Prof. Dr. Gabriele Nöldge-Schomburg.

Keine klaren Aussagen aus Schwerin

Die Schweriner Ministerien äußern sich zum Eltern-Kind-Zentrum ausweichend: „Wir stehen positiv zum Projekt eines Eltern-Kind-Zentrums. Es ist wichtig für die medizinische Versorgung im Land“, sagt Gesundheitsminister Harry Glawe – und spricht davon, dass Rostock der geeignete Standort sei. Ein Bekenntnis zur Südstadt bleibt er schuldig. „Wir werden Fördermittel für das Zentrum bei den Haushaltsverhandlungen für die Jahre 2020/2021 anmelden. Es sind allerdings noch weitere Gespräche mit allen Beteiligten – Krankenhäusern, Trägern, Landesregierung - in Bezug auf die Finanzierung und Umsetzung nötig.“ Immerhin präferiert das Bildungsministerium den bereits als gesetzt geltenden Standort: „Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums wird die Variante begrüßt, die sowohl zeitnah realisiert werden kann als auch für die Wissenschaft an der Universitätsmedizin maßgebliche Verbesserungen mit sich bringt. Dies scheint am Standort Südstadt am aussichtsreichsten“, so Henning Lipski, der Sprecher von Ministerin Hesse. Doch auch das Bildungsministerium nennt keinen Zeitplan.

Kinder-Medizin im Umbruch

Die Klinik-Chefs machen indes Druck: „Die Kindermedizin in MV steht vor einem Umbruch. Vorgaben des Bundes zu Mindestpersonalausstattungen werden es notwendig machen, Kompetenzen zu bündeln und standortübergreifend zu arbeiten. Für Rostock ist die Zusammenführung der Kindermedizin in der Südstadt von großer Bedeutung für den Fortbestand der Kinderklinik“, so Uni-Vorstand Schmidt. Und Südstadt-Direktor Vollrath sagt: „Der Standort am Südring ist alternativlos.“

Was die Leitung der Uni-Kinderklinik angeht, so soll nach OZ-Informationen Prof. Jan Däbritz auf Michael Radke folgen. Klinik-Sprecherin Susanne Schimke sagt dazu nur: „Die Berufungsverhandlungen laufen noch.“ Nach OZ-Informationen soll es auch in diesem Punkt, in dieser Personalie Meinungsverschiedenheiten im Vorstand geben.

Andreas Meyer

21.12.2018
20.12.2018
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