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Rostock Duell um das Rathaus: Rostock wählt am 16. Juni noch mal
Mecklenburg Rostock Duell um das Rathaus: Rostock wählt am 16. Juni noch mal
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07:58 27.05.2019
Sie kämpfen in drei Wochen erneut um den Posten des Rostocker Oberbürgermeister: Steffen Bockhahn (Linke) und Claus Ruhe Madsen (parteilos). Quelle: Andreas Meyer
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Stadtmitte/Schmarl

 Dass dieser Wahltag in Rostock ein besonderer wird – das ist schon früh am Morgen klar. Und dass sich die Stadt nach dieser Wahl verändern wird, wird auch den Wahlhelfern in Gehlsdorf schon früh klar: Gegen 10 Uhr kommt Noch-Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) zur Stimmabgabe – um seinen Nachfolger zu wählen. Wie sich das angefühlt hat? „Wie immer“, sagt der Mann, der 14 Jahre die Geschicke der Stadt lenkte, nüchtern. „Auch heute ging es um Rostock.“

Schlangen vor den Wahllokalen

Europa-, Bürgerschafts- und OB-Wahl: „Wir werden sehr lange auf Ergebnisse warten“, hatte Roland Methling am Morgen prophezeit. Und er behält recht. Denn seit Jahren war der Andrang an den Urnen nicht mehr so groß. In manchen Stadtteilen – in der Gartenstadt und Biestow etwa – lag die Wahlbeteiligung bei über 80 Prozent. „Wir mussten sogar zusätzliche Wahlkabinen ausliefern“, sagt Gemeindewahlleiter Robert Stach. „Wir haben mehr Arbeit – aber das ist absolut in Ordnung.“

Vor den Wahllokalen bilden sich lange Schlangen. Teilweise muss bis nach 18 Uhr gewählt werden, weil nicht alle Wartenden rechtzeitig ihren Stimmzettel abgeben können. Bei einigen geht die Sorge um, dass sie nicht mehr rechtzeitig wählen können. Doch Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze gibt Entwarnung: „Wer vor 18 Uhr in der Schlange steht, darf seine Stimme auch danach noch abgeben. Die Entscheidung liegt beim Wahlvorstand.“ Für Hannelore (74) und Gerhard Müller (80) aus Schmarl hat die Wahl eine große Bedeutung: „Wichtig ist, dass der Frieden erhalten bleibt“, sagt Hannelore Müller.

Rostock wählt unterschiedlich

Gegen 22.30 Uhr zeichnen sich im Rathaus dann erste Tendenzen ab. Für alle drei Wahlen. Die Halle im Neuen Markt ist voll. Viele Menschen verfolgen live, wie die Ergebnisse eintreffen. Wer der große Gewinner ist – das ist aber selbst nach Mitternacht schwer zu sagen. Denn die Rostocker haben bei allen drei Wahlen ganz unterschiedlich abgestimmt. Wenn es um die Zukunft Europas geht, dann vertrauen sie offenbar auf die Grünen: Mit 17,7 Prozent holen sie die meisten Stimmen – knapp vor der CDU.

Auch bei der Bürgerschaftswahl gehören die Grünen zu den Gewinnern: Sie werden künftig die zweitstärkste Fraktion stellen, holen 18,2 Prozent (+ 6,8 Prozent, Stand: 23:50 Uhr). Die größte Fraktion stellen aber die Linken mit 20 Prozent – und trotz herber Verluste (-6,4 Prozent). „So wie es aussieht, bleiben wir stärkste Fraktion und darüber freuen wir uns. Wir haben in den letzten Jahren eine ehrliche, offene und soziale Politik gemacht, das werden wir auch weiterhin tun. Die Fraktion wird kleiner, aber mit Blick auf die Vielfalt der angetretenen politischen Kräfte hatten wir das befürchtet. Jetzt heißt es: Weitermachen!“, sagt Fraktionschefin Eva-Maria Kröger. Die SPD landet bei 14,5 Prozent (-2,5 Prozent), die CDU bei 14,7 Prozent (-5,8 Prozent). Das Wählerbündnis UFR kommt trotz seines prominenten Spitzenkandidaten, Noch-OB Roland Methling, nicht über 7,2 Prozent (-1 Prozent) hinaus. Methling wird sein Mandat vermutlich deshalb nicht annehmen. Die deutlichsten Zuwächse hat auch in Rostock die AfD: Sie holt 10,5 Prozent – und kann ihr Ergebnis von 2014 mehr als verdoppeln.

OB-Wahl: Duell am 16. Juni

In drei Wochen müssen die Rostocker allerdings erneut wählen: Denn erwartungsgemäß kommt es im Rennen um das Oberbürgermeister-Amt zu einer Stichwahl. Im ersten Wahlgang lag der parteilose Unternehmer Claus Ruhe Madsen (nominiert von CDU und FDP) klar vor den anderen acht Kandidaten –und zwar in allen Wahlbezirken. Madsen lag um 23.55 Uhr bei 34,3 Prozent der Stimmen. Sein Kontrahent in der Stichwahl wird Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Er kam auf 19,4 Prozent der Stimmen. „Ich bin sehr dankbar für dieses Ergebnis. Offenbar ist es uns ganz gut gelungen, die Menschen zu erreichen“, sagte Madsen am späten Abend. Und: „Jetzt geht der Spaß noch mal von vorne los.“ Er wolle die Rostocker von seinen Inhalten überzeugen. Im Rathaus wird er umlagert wie ein Popstar. Alle wollen ihm gratulieren. Doch erst einmal klingelt sein Handy. Seine Mutter aus Dänemark ist dran. Rostock muss kurz warten.

Gegenkandidat Bockhahn spricht bereits von einer „Richtungswahl“ am 16. Juni: „Die Wähler werden dann entscheiden müssen, ob es nur noch um Marketing und die Wirtschaft gehen soll – oder um eine grüne, soziale und vor allem handfeste Politik für die Menschen in allen Stadtteilen.“ Der Wahlkampf in Rostock – er geht ab Montag in die nächste Runde. „Wir werden am Montagabend beraten, ob wir Madsen oder Bockhahn unterstützen“, sagt SPD-Landtagsabgeordneter Ralf Mucha. Dass SPD-OB-Kandidat Chris Müller-von Wrycz Rekowski es nicht in die Stichwahl geschafft habe, sei „sehr schade“. „Der Bundestrend war für uns eine Katastrophe. Es muss Veränderungen in der Partei geben.“

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