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Rostock Manfred Labitzke und seine 200 Mini-Bäume
Mecklenburg Rostock Manfred Labitzke und seine 200 Mini-Bäume
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18:22 27.08.2019
Manfred Labitzke (66) gestaltet seit seinem 20. Lebensjahr Bonsais, mindestens 200 davon hat er in seinem Garten in Willershagen. Quelle: Doris Deutsch
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Willershagen

Bonsai heißt: ‚Baum in der Schale‘“, erklärt Manfred Labitzke, der mindestens 200 dieser Miniatur-Bäume in seinem Garten in Willershagen hegt und pflegt. Das Gestalten der Bonsais erfordert Ausdauer und vorausschauendes Denken. „Diese Lärchen sollen die drei Schwestern werden“, erzählt der 66-Jährige. Dazu hat er drei Stämmchen unterschiedlicher Stärke verdrahtet und beschneidet die Zweige regelmäßig so, dass es einmal drei Kronen werden. Doch das dauert.

Als 20-Jähriger mit Bonsai-Virus infiziert

1972 hat sich Labitzke mit dem Bonsai-Virus infiziert. Fotos dieser Miniatur-Pflanzen in einer Zeitung haben den damals knapp 20-Jährigen fasziniert. „Das machst du auch“, hat sich der ehemalige Hochseefischer gedacht. Im Wald habe er Eicheln gesammelt und versucht, daraus Bäumchen zu ziehen. „Die sind alle eingegangen“, erinnert er sich. Immer wieder habe er Anlauf genommen und auf seinem Balkon in einer Neubauwohnung in Greifswald experimentiert.

Der Durchbruch kam erst, als ihm ein Freund 1985 eines von zwei zu DDR-Zeiten erhältlichen Bonsai-Büchern schenkte. „Darin beschrieb Wilhelm Elsner, wie man es macht – Wurzelschnitt, Triebschnitt, Vegetationsperiode beachten“, sagt Labitzke. Denn im Frühjahr müssten bei den Minis Wurzel- und Grünmasse mit Schnitten ins Gleichgewicht gebracht werden. Fortan wuchs die Bonsai-Gemeinde zuerst auf dem Balkon in Greifswald, ab 1992 dann im großen Garten seines Hauses in Willershagen. Sein ältester Bonsai stammt aus dem Jahr 1985, eine kompakte Johannisbeere, 15 Zentimeter hoch.

Fast nur einheimische Bäume werden gestaltet

Es sind zu 90 Prozent einheimische Bäume, die Labitzke zu Bonsais bearbeitet. Eichen, Lärchen, Buchen, Kiefern, Fichten, Erlen, Eschen, Weißdorn, die er aus Früchten zieht oder als Ableger in Schalen topft. Einige Exoten habe er auch, Olive oder Granatapfel zum Beispiel. Doch die hiesigen Bäume seien ihm wichtig, „ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten, wo es ja kaum Möglichkeiten gab, an exotische Pflanzen zu kommen“, sagt der Experte, der sich seit Mitte der 1980er Jahre in einer Gruppe im Kulturbund engagierte und hier die erste Ausstellung erlebte.

Bonsais sind die große Leidenschaft von Manfred Labitzke aus Willershagen in der Gemeinde Gelbensande. Mindestens 200 Exemplare hat er in seinem Garten, die er bearbeitet.

Viele Jahre nach der Wende, 2005, suchte der Mann aus Willershagen, heute Bürgermeister der Gemeinde Gelbensande, wieder den Kontakt zu anderen Bonsaianern und gründete den Arbeitskreis Bonsai Mecklenburg-Vorpommern. Monatlich treffen sich die Aktiven zum Erfahrungsaustausch, einmal im Jahr lassen sie sich vom Berliner Bonsai-Lehrer Andrea Melloni in der Pflanzenkunst auf den neuesten Stand bringen. „Dann kommt jeder mit seinem Baum und erhält Hinweise zur Bearbeitung“, berichtet der Chef des Arbeitskreises.

Bonsai-Bäume sollen alt aussehen

„Ein kleiner Baum soll alt aussehen“, sagt Labitzke, das sei das Ziel der Züchter. Er wolle eine künstliche Alterung gestalten. Er zeigt auf eine Kastanie, die er auch Mitte der 1980er aus einer Frucht gezogen hat. Inzwischen hat der etwa 40 Zentimeter hohe Baum einen dicken, knorrigen Stamm. „Damit die Blätter klein bleiben, habe ich im Juni alle Blätter abgeschnitten. Nun hat der Bonsai seinen zweiten Austrieb mit kleinen Blättern“, erklärt Labitzke. Jahre habe er gebraucht, um Kiefern in Form zu bringen. Da werden Äste gebogen und verdrahtet, die Kronen kompakt oder in Etagen geschnitten. „Es dauert lange, unter 15 Jahren passiert oft nichts“, sagt der Experte.

Drei Dinge seien wichtig, um die rund 1300 Jahre alte chinesische Tradition des Bonsai zu beherrschen. „Man muss gärtnern können, das Handwerk beherrschen, also das Drahten und Schneiden, und künstlerisch kreativ sein, also eine Idee davon haben, wie der Bonsai in zehn Jahren aussehen könnte“, erläutert Labitzke. Täglich ist der Rentner in seinem Garten, zupft und zippelt an seinen Lieblingen. „Eine Stunde brauche ich schon zum Gießen“, verrät er. Die Erde mischt er selbst zusammen – Blumenerde, Vulkangestein. Normaler Pflanzendünger und einmal im Jahr Gülle vom eigenen Pferd „Ronja“. Auch viele der Pflanzgefäße hat Labitzke selbst getöpfert. Oft schon mit einer Idee für einen ganz besonderen Bonsai.

Baum in der Schale

Das japanische Wort Bonsai bedeutet Bon (Pflanze) und Sai (Schale). Je größer die Schale, desto mehr Wurzelmasse kann der Baum entwickeln und wachsen. Die Schale begrenzt die Form. Bekannt ist die Bonsai-Kunst seit über tausend Jahren, entstanden aus der alten chinesischen Gartenpraxis und unter dem Einfluss des japanischen Zen-Buddhismus weiterentwickelt. Ziel ist ein realistisches Abbild der Natur in Miniatur. Bonsai sind keine genetisch zwergwüchsigen Pflanzen.

Ausstellung am 21. September in Gelbensande

Gerade bereitet der Willershäger eine Ausstellung vor. Die schon traditionellen Bonsai-Tage in der Rostocker Kunsthalle, die der Arbeitskreis zusammen mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft seit 15 Jahren organisiert, fallen in diesem Jahr wegen Umbauarbeiten in der Kunsthalle aus. „Wir haben nun eine Notlösung und werden die Ausstellung in den Heidetreff Gelbensande verlegen“, kündigt Labitzke an. Am 21. September von 10 bis 18 Uhr werden die Bonsaianer ihre Bäume präsentieren. Nicht wie bisher 70 Exemplare, sondern etwa 30.

Labitzke wird mit drei Miniaturen vertreten sein. Auf jeden Fall will er seinen „Lärchenwald mit Katze“ vorstellen, den er auf einer Platte angelegt hat. Außerdem gibt es eine kleine Galerie gezeichneter Bonsais zu sehen und im Zelt vor dem Treff werden Mitglieder des Arbeitskreises Interessenten zeigen, wie Bonsai funktioniert. Außerdem sind die „Mecklenburger Falter“ mit ihren Origami-Kunstwerken dabei und falten mit dem Publikum. „Ist noch eine Menge Arbeit bis dahin, aber wir schaffen das“, sagt Labitzke. Er hofft, dass die Bonsai-Tage im nächsten Jahr wieder in Rostock sein können. „Wenn alles klappt, im Kulturhistorischen Museum.“

Von Doris Deutsch

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