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Rostock Mann in Warnemünde brutal angegriffen: „Ich wollte einfach nur in Ruhe angeln“
Mecklenburg Rostock

Mann in Warnemünde brutal angegriffen: „Wollte einfach nur in Ruhe angeln“

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15:05 12.01.2022
Warnemünde: An dieser Stelle wurde Angler André Graeber von Jugendlichen zusammengeschlagen.
Warnemünde: An dieser Stelle wurde Angler André Graeber von Jugendlichen zusammengeschlagen. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

An den 30. Dezember 2021 wird sich André Graeber noch lange zurückerinnern. „Ich habe noch immer Schmerzen. Meine Nase ist dreifach gebrochen“, sagt er. „Das war kein schöner Jahresabschluss.“

An dem letzten Donnerstag im vergangenen Jahr war der Rostocker wie so oft in der Nähe des Warnemünder Leuchtturms angeln. „Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben, stand einfach nur da.“ Plötzlich sei, so Graeber, eine größere Gruppe von etwa 15 bis 20 Jugendlichen gekommen. „Die haben gepöbelt und Passanten angerempelt“, erzählt Graeber.

Daraufhin habe er den Teenagern gesagt, dass sie doch leise sein, sich „wie normale Menschen“ verhalten sollen. „Zwei aus der Gruppe sind dann stehen geblieben und haben gewartet. Und von einem der beiden habe ich dann einen tierischen Schlag abbekommen – die haben mir völlig grundlos mehrfach die Nase gebrochen.“

Polizei ermittelt

Graeber, der selbst ein kleines Unternehmen leitet, das sich um Umzüge, Landschaftsbau, Wohnungsauflösungen und das Beräumen von Messi-Wohnungen kümmert, denkt, dass er in der Lage gewesen wäre, sich zu wehren. „Aber ich habe den Schlag einfach nicht kommen sehen“, sagt er. Was ihn zudem traurig macht: Einer der beiden Täter habe auf sein Angelequipment getreten, auch dort sei ein Schaden entstanden.

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Die Rostocker Polizei bestätigt, dass es am 30. Dezember einen Einsatz in Warnemünde gegeben hat. Eine Nahbereichsfahndung nach den mutmaßlichen Tätern sei jedoch erfolglos geblieben – die Ermittlungen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung laufen. Weitere Details werden nicht genannt.

André Graeber hat wenig Hoffnung: „Ich glaube nicht, dass die Täter gefasst werden – ich habe seit dem Vorfall jedenfalls nichts mehr gehört.“ Der 39-Jährige schätzt die Jugendlichen auf maximal 18 Jahre alt, alle seien schwarz gekleidet gewesen. „Wer weiß, ob die überhaupt aus Rostock kommen?“ Alle hätten Bierflaschen in der Hand gehabt. „Die waren ziemlich angetrunken, einige wahrscheinlich sogar betrunken“, sagt er. „Ich bin froh, dass sie mich nicht auch noch mit einem Gegenstand geschlagen haben. Das wäre schlimmer ausgegangen.“

Gewalt insgesamt rückläufig

Nach Angaben des Landeskriminalamts MV wurden im Jahr 2020 insgesamt 10 280 Körperverletzungen angezeigt – das sind 832 weniger als im Jahr 2019 (11 112). Gestiegen ist hingegen die Aufklärungsquote: von 90,8 Prozent auf 91,9 Prozent. In der Hansestadt Rostock wurden im Jahr 2020 insgesamt 1596 Vorfälle angezeigt – das entspricht einem Anteil von 15,5 Prozent bezogen auf die Gesamtzahlen im Land.

Auch wenn André Graeber nicht glaubt, dass sich der Angriff gegen ihn als Angler gerichtet hat, appelliert der 39-Jährige an andere Petrijünger, wachsam zu sein.

Ähnlich sieht das auch einer der bekanntesten Angler in der Region, Peter Rinow. Der Profi kümmert sich seit vielen Jahren erfolgreich um die Ausbildung des Anglernachwuchses im Nordosten, setzt sich für die Rechte der Angler ein und kennt sich in der Szene aus. „Es gab immer mal wieder Übergriffe auf Angler, die am Wasser überfallen wurden und denen ihr Angelzeug gestohlen wurde. Das ist aber schon lange her und nicht mehr so relevant“, sagt er. „Wachsam sollte man natürlich immer sein, aber ich denke nicht, dass da ein Gewaltpotenzial gegen Angler da ist.“

Nicht einschüchtern lassen

Eine positive Erkenntnis zieht André Graeber aus der Situation: die Zivilcourage anderer Passanten. Vier oder fünf junge Zeugen seien ihm zu Hilfe geeilt. „Die sind dazwischengegangen. Sonst wäre vielleicht mehr passiert“, sagt er. Die Angreifer seien aber dennoch entwischt.

Angst, nun rauszugehen, hat der Angler nicht. „Jetzt mit dem Hobby aufzuhören, wäre Quatsch. Aber ich versuche jetzt mehr an Orten zu sein, wo mehr los ist. Wo ich nicht ganz so allein bin“, sagt er. „Passieren kann aber leider ja immer was: am Strand oder in der Stadt, etwa“, sagt er.

Von Katharina Ahlers