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Rostock Marteria nach Denkmal-Klau: „Findet den Langfinger und bringt ihn mir“
Mecklenburg Rostock Marteria nach Denkmal-Klau: „Findet den Langfinger und bringt ihn mir“
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10:44 01.08.2019
Eine Frau ordnet die Blumen auf dem leeren Sockel am Kröpeliner Tor, wo knapp zwei Tage lang eine Statue des Rappers Marteria stand. Die Skulptur ist oberhalb der Füße abgebrochen. Sie zeigte die Kunstfigur „Marsimoto“ des Rostocker Rappers: einen Mann in Sneakern, Kapuzenjacke und mit Gesichtsmaske. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

Was vom Denkmal übrig blieb, ist nicht viel: Rund um die Reste der Rostocker Marteria-Statue, die in der Nacht zu Montag am Kröpeliner Tor aufgestellt und in der Nacht zu Mittwoch gestohlen worden war, bildet sich eine Menschentraube. „Wenn ich wüsste, wer das gewesen ist – ich würde ihn verhauen“, sagt ein junger Mann.

Ein älterer Herr versucht, die Abbruchspuren an den Turnschuhen, die den Diebstahl bezeugen, notdürftig mit Blumen zu bedecken. Wo Fans des Rostocker Rappers zwei Tage lang für Fotos posierten oder Rosen als Zeichen der Freude über das Denkmal ablegten, herrscht nun Trauerstimmung.

Auch der Künstler ist enttäuscht. Er hatte für seine spontane und unbeauftragte Fan-Aktion viel Lob erhalten. Vor allem, weil das Kunstwerk von Anfang an nur für eine begrenzte Zeit vor Ort gedacht war und dann für den guten Zweck versteigert werden sollte.

Am Kröpeliner Tor in Rostock ist seit der Nacht zu Sonntag eine Statue von Marterias Alter Ego Marsimoto zu sehen. Entworfen hat sie ein Rostocker Künstler, aufgestellt hat er sie heimlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

Künstler hat die Wallanlagen abgesucht – vergeblich

„Roxxy“, wie sich der Erbauer des Denkmals nennt, war direkt vor Ort, als ihm vom Diebstahl berichtet wurde. „Ich habe dann auch noch einmal die Wallanlagen gecheckt, ob es dort irgendwo liegt, aber nichts gefunden“, sagt er.

Dass der Diebstahl mit der Partie des FC Hansa und den Fan-Mengen zu tun hat, die sich Dienstagabend in Rostock aufhielten, will der Künstler nicht glauben. „Das würde nicht passen: Marteria ist ja selbst riesiger Hansa-Fan, hat dazu aufgerufen, Hansa-Aufkleber an der Statue anzubringen, und Dienstag hing auch noch ein Schal um den Hals der Figur“, so Roxxy.

Er kann nicht verstehen, wieso ein oder mehrere Täter die Marsimoto-Figur einfach vom Sockel gerissen haben. „Selbst wenn es ein Fan war, hat er doch nichts gewonnen. Die Skulptur ist kaputt und er hätte sie sich doch an Ort und Stelle den ganzen Tag lang intakt und gratis ansehen können – nur hätten dann andere Menschen auch die Chance dazu gehabt.“

Polizei ermittelt wegen Diebstahls

Rund einen Monat Arbeit und mehrere hundert Euro hat Roxxy in sein Werk gesteckt. Dass die Polizei wegen des Diebstahls ermittelt, sei nicht von ihm ausgegangen. „Wir haben Mittwochmorgen einen Hinweis bekommen, dass die Figur weg sein soll und Kollegen vor Ort geschickt, um das zu überprüfen“, sagt Christopher Hahn von der Rostocker Polizei. Nachdem die Beamten die Abbruchspuren entdeckt hatten, seien von Amts wegen Anzeige wegen Diebstahls erstattet und die Ermittlungen aufgenommen worden.

Stadtverwaltung ist „unschuldig“

Die Stadtverwaltung war von der heimlichen Aufstellaktion im Vorfeld nicht informiert worden. Der Sockel, auf dem die Marsimoto-Statue für zwei Tage stand, gehört eigentlich zum Kunstwerk „Mädchen mit Blumenstrauß“. Das war aufgrund mangelnder Standsicherheit entfernt worden, soll aber noch in diesem Jahr wieder aufgestellt werden.

Dichter, Maler, Feldherren: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, denen Denkmäler gewidmet wurden.

Dennoch hat das Rathaus mit der Entfernung des Marteria-Denkmals nichts zu tun. „Wir sind unschuldig“, sagt Sprecher Ulrich Kunze. Kulturamtsleiterin Michaela Selling hatte sich über die spontane Kunst gefreut – dennoch sei auch im Rathaus Vandalismus befürchtet worden.

Marteria setzt Belohnung aus

Auch der Geehrte selbst ist traurig über das Verschwinden der Statue. Rapper Marten Laciny alias Marteria ist derzeit im Urlaub, meldete sich aber im Internet zu Wort. „Wer hat mein geliebtes Marsi-Denkmal geklaut?“, fragte der Rapper auf Instagram. „Dahinter steckt nicht nur wochenlange Arbeit und viel Geld, sondern auch Schweiß und Liebe!!“, so Marteria weiter. „Außerdem war es unser Glücksbringer zum legendären Hansa-Sieg gegen die Bayern. Lasst uns gemeinsam herausfinden, wer uns das angetan hat“, forderte er seine Fans auf.

„Findet den Langfinger und bringt ihn mir. Es gibt eine riesen Belohnung für denjenigen, der mir Hinweise auf den Täter/in gibt“, schrieb der Rapper und startete dazu noch den Hashtag „#woistmarsi“ für die Verbreitung der Suche in den sozialen Medien.

Ist alles nur PR?

Während einige Fans im Internet eine riesige PR-Aktion des Rostocker Rappers vermuten, zeigt sich die Mehrzahl der Marteria-Anhänger betroffen und verspricht Hilfe bei der Suche. „Ich schlage vor, wir bilden einen Marsi-Suchtrupp und durchkämmen die Stadt. Weit kann er nicht sein“, schreibt „yemaja2307“ auf Instagram. „Neu machen! Größer, schwerer“, schlägt User „Mrnico_Official“ vor. „Mit GPS, da es bestimmt noch mal geklaut wird“, ergänzt „Porekk_Kedzierskii“.

Hinweisgeber, die beim Motiv für den Raub auf Buntmetalldiebe tippen, liegen allerdings falsch: Die Skulptur war nicht aus Metall, sondern bestand aus Kunststoff und war lediglich in Bronze-Optik bemalt.

Künftiger OB will dauerhaftes Denkmal prüfen

Ein Fan des Rappers hat den Wirbel um die gestohlene Statue gleich genutzt und sich via Internetnachricht an den künftigen Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) gewandt: „Rostock ist jung und modern – was halten Sie von einem festen Standort für eine richtige Marsimoto-Statue? Sie würde sicher viele junge Touristen anlocken“, so der Instagram-Nutzer.

Madsen selbst steht der Idee positiv gegenüber. „Marten Laciny steht ja im offiziellen Ehrenbuch der Stadt, seine Strahlkraft geht weit über Rostock und die Landesgrenze hinaus“, sagte er. Ein solches Denkmal für einen noch lebenden Künstler aufzustellen, sei laut Madsen „ein tolles Wahr-Zeichen“. Zwar müssten noch Formalien geklärt werden – er sei aber durchaus bereit, die Voraussetzungen für ein Denkmal für Marteria zu prüfen.

Künstler zieht positive Bilanz

Künstler Roxxy ist der viele Trubel um sein Werk fast unangenehm. Trotz Diebstahl zieht er aber eine positive Bilanz seiner Kunstaktion: „Verglichen über den Ärger wegen des Vandalismus überwiegt bei mir am Ende die Freude über die vielen tollen Reaktionen.“

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Claudia Labude-Gericke

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