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Rostock Maulkorb für Rostocks neuen Theater-Chef?
Mecklenburg Rostock Maulkorb für Rostocks neuen Theater-Chef?
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05:30 09.05.2019
Ralph Reichel wird ab Sommer Intendant des Rostocker Volkstheaters. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Spätestens im Sommer bekommt das Rostocker Volkstheater einen neuen Intendanten. Interimschef Joachim Kümmritz hört dann auf, sein bisheriger Vize Ralph Reichel wird übernehmen. Das ist bereits beschlossene Sache. Und doch gibt es nun Ärger um den Arbeitsvertrag des neuen Theater-Geschäftsführers: Denn die Hansestadt – so jedenfalls formulieren es hinter vorgehaltener Hand die Kritiker des Papiers – hat Reichel einen „Maulkorb“ eingebaut. Reichel wird per Vertrag dazu verpflichtet, in der Öffentlichkeit keine Kritik an Entscheidungen der Bürgerschaft äußern.

Lex Latchinian

Wörtlich heißt es in dem Kontrakt (liegt der OZ vor): „Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die sich gegen Beschlüsse der Hansestadt Rostock richten, sind [...] im Vorfeld mit dem Aufsichtsrat abzustimmen“. Im Klartext: Mittelkürzungen, Spartenstreichungen – wann immer es die Politik böse mit dem Volkstheater meinen könnte, muss der Intendant in der Öffentlichkeit schweigen. Hinter den Kulissen gibt es an der Formulierung massive Kritik. Aus Reihen von Theater-Freunden, aber auch aus den Fraktionen der Bürgerschaft. Offen aussprechen mag sie aber keiner. Der Arbeitsvertrag unterliege schließlich der strengen Vertraulichkeit.

Ex-Intendant Sewan Latchinian bei einer Demo im Jahr 2016: Mehrfach hatte der ehemalige Theater-Chef öffentlich über die Kulturpolitik in Rostock geklagt. Quelle: OVE ARSCHOLL

Doch auf den Fluren in Rathaus und Volkstheater ist bereits von einer „Lex Latchinian“ die Rede. Hintergrund: Bis heute streitet sich die Hansestadt mit dem ehemaligen Intendanten Sewan Latchinian vor Gericht. Gleich mehrfach hatte die Stadt den streitbaren Volkstheater-Chef per Kündigung auf die Straße gesetzt. Latchinian hatte sich energisch gegen einen von Stadt und Land beschlossenen Sparten-Abbau am Volkstheater gewehrt – und die Kulturpolitik in MV mit der von Terroristen des Islamischen Staates verglichen. Nach seinem letzten Rauswurf sagte er dann über die Rostocker, dass sie keine Hanseaten, sondern „Hansels“ seien. Ein solches Verhalten des neuen Intendanten will die Stadt nun offenbar per Arbeitsvertrag verhindern.

Aufsichtsrat: Haben Lehren gezogen

Ja, die Formulierungen in Reichels Vertrag seien Latchinian geschuldet – das jedenfalls sagt die Aufsichtsratschefin der Rostocker Theater GmbH, Sybille Bachmann (Rostocker Bund). „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr schlechte Erfahrungen gemacht – und daraus Lehren gezogen.“ Die Rechtsstreitigkeiten mit Latchinian würden schließlich bis heute andauern. Ein Maulkorb für Reichel seien die Formulierungen dennoch nicht: „Er kann für sein Theater kämpfen, er kann seine Meinung sagen, er kann auch auf Demonstrationen auftreten.“

Die Hansestadt Rostock will sich indes nicht zu den Formulierungen und zum Arbeitsvertrag des neuen Intendanten äußern. „Die Inhalte von Anstellungsverträgen unterliegen dem Datenschutz. Daher können wir uns zu Ihren Fragen nicht im Detail äußern“, so Stadtsprecher Ulrich Kunze auf OZ-Anfrage. Nur so viel sagt Kunze dann doch: Die Stadtverwaltung setze mit dem Vertrag Beschlüsse des Hauptausschusses der Bürgerschaft um.

Für Reichel ist es okay

Auch Reichel bestätigt, dass die „Lex Latchinian“ in seinem Vertrag ein Wunsch der Fraktionen der Bürgerschaft gewesen sei. „Und für mich ist das in Ordnung.“ Denn während Latchinian „nur“ künstlerischer Chef des Theaters gewesen sei, werde er auch kaufmännischer Geschäftsführer sein. „Und als Kaufmann unterliege ich dann eh sehr deutlichen Loyalitätspflichten gegenüber dem Gesellschafter – der Hansestadt und der Bürgerschaft“, so der designierte Intendant. Die Absätze im Vertrag würden ihm „das Leben nicht schwerer“ machen. „Sie greifen nicht in meine Freiheiten ein.“

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