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Rostock Medizinstudent erklärt: „Einmalige Anreize lösen keine Probleme“
Mecklenburg Rostock Medizinstudent erklärt: „Einmalige Anreize lösen keine Probleme“
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20:51 29.11.2019
Nils Brinckmann (20) studiert Medizin im dritten Semester an der Universitätsmedizin Rostock. Quelle: Ove Arscholl/Rabea Osol; Montage RND
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Rostock

Noch ganz am Anfang seiner ärztlichen Berufslaufbahn steht Nils Brinckmann. Der 20-Jährige studiert Medizin im dritten Semester an der Universität Rostock. Durch seine Tätigkeit im Fachschaftsrat kennt er die Sorgen und Wünsche angehender Ärzte. Im Interview mit der OZ hat er darüber gesprochen.

Können Sie sich vorstellen, später in MV zu bleiben und auf dem Land zu leben und zu arbeiten?

Zum Leben zieht es mich schon eher aufs Land oder in eine Kleinstadt. Ich schätze dort viele Vorzüge, wie die Natur, günstigen Wohnraum, wenig Lärm und eine saubere Umwelt. Beruflich bin ich aber noch völlig offen.

Warum entscheiden sich viele junge Ärzte trotz dieser Vorzüge gegen eine Niederlassung auf dem Land?

Unter den Studenten ist das Bild weit verbreitet, dass es auf dem Land kaum Karrieremöglichkeiten gibt. Beruflichen Erfolg verbinden die meisten mit einer Tätigkeit in der Stadt. So locken zum Beispiel in einer Klinik Aufstiegschancen, man kann sich hocharbeiten. Mit einer Tätigkeit als Landarzt geht auch die Selbstständigkeit einher, da gibt es keine „Karriereleiter“.

Gibt es weitere Gründe?

Sicherlich spielt die schwache Infrastruktur auf dem Land auch eine Rolle. Für das Studium haben die meisten jahrelang in einer Stadt gelebt. Die Vorzüge des städtischen Lebens möchten sie nach ihrem Abschluss nicht aufgeben. Eine bessere Anbindung ländlicher Regionen an die Städte würde das ändern. Und die Vorzüge, die das Land zu bieten hat, würden stärker ins Gewicht fallen.

Es heißt, Landärzte hätten mehr zu tun als ihre Kollegen in der Stadt. Schreckt das ab?

Eine hohe Belastung hat man als Arzt überall, egal wo man arbeitet. Das sehe ich unter anderem bei meinen Eltern. Meine Mutter arbeitet als Anästhesistin und hat nicht weniger zu tun als mein Vater, der eine eigene Hausarztpraxis führt.

Motivieren finanzielle Hilfen junge Ärzte, sich auf dem Land niederzulassen?

Sicherlich. Aber ich sehe das kritisch. Einmalige Anreize, wie zum Beispiel Fördergelder für die Gründung einer Praxis, lösen keines der genannten Probleme. Stattdessen sorgen sie nur dafür, dass diese überdeckt und akzeptiert werden. Auch Stipendien, die Absolventen dazu verpflichten, einige Jahre auf dem Land tätig zu sein, geben keine Garantie, dass diejenigen nach Ablauf der Zeit dableiben.

Welche Maßnahmen wären stattdessen hilfreich?

Grundsätzlich müssen die Lebensumstände auf dem Land attraktiver gemacht werden. Dann kommen die Ärzte und auch alle anderen Berufsgruppen, an denen es auf dem Land mangelt, von allein. In Bezug auf die Mediziner sollte die Vergütung so angepasst werden, dass jeder Arzt gleich viel verdient, egal an welchem Ort er arbeitet.

Gibt es auch Möglichkeiten, die Entwicklungschancen für niedergelassene Ärzte zu verbessern?

Eine Möglichkeit wäre, unterschiedliche Praxismodelle zu erlauben, beispielsweise große Praxiszusammenschlüsse. Das würde Karrierechancen schaffen und eine stärkere bürokratische Entlastung ermöglichen. Gerade selbstständige Ärzte haben meist viel Papierkram zu erledigen, der sie von der eigentlichen Arbeit abhält.

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Von Rabea Osol

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