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Rostock „Rinder lassen sich nicht stapeln“: Rostocker Start-Up züchtet nahrhafte Mehlwürmer
Mecklenburg Rostock „Rinder lassen sich nicht stapeln“: Rostocker Start-Up züchtet nahrhafte Mehlwürmer
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14:41 31.07.2019
Das Gründerteam: Ahmed Hussein, Raijana Schiemann, Christian Baudisch (v.l.n.r.) Quelle: Universität Rostock / ITMZ
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Rostock

Steaks aus Mehlwürmern? Vielleicht eines Tages. Ein nahrhafter Proteinlieferant sind die kleinen Tiere allemal. Deshalb gründeten drei Rostocker Studenten das Start-Up-Unternehmen INOVA Protein. Die Idee: Insekten in großen Mengen zu züchten und zu verarbeiten. Der Prozess soll größtenteils automatisiert und sehr klimafreundlich sein. Christian Baudisch, Mitgründer der Firma, sagt: „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist bei der Insektenzucht einfach gegeben und das wollen wir mit unserer Produktion auf die Spitze treiben.“

Effiziente Alternative

Das Konzept ist einfach. In einer hohen Lagerhalle mit zahlreichen Regalen sollen die Mehlwürmer in Kisten gezüchtet werden. Ein automatisierter Roboter, der auf Schienen an den Regalen entlang fährt, soll die Tiere füttern, beobachten und Informationen an menschliche Mitarbeiter liefern. „In so einem Hochlager kann man unglaublich viel stapeln“, erklärt Baudisch. Bei der „Kilo-Protein pro Quadratmeter“-Bilanz seien Mehlwürmer deshalb effizienter als andere Nutztiere. „Rinder lassen sich schließlich nicht stapeln“, scherzt er.

Die Würmer sollen zu vielseitig nutzbarem Mehl verarbeitet werden. Raijana Schiemann ist Mitgründerin des Unternehmens und weiß um die Qualität des Produktes. „Das sind sehr hochwertige tierische Proteine und Fette“, sagt die Biologiestudentin. Gerade in der Viehzucht-Branche seien die Insekten eine Alternative zu Fischmehl und Soja. Hauptzielgruppe seien regionale Bio-Bauern und Futtermittelhersteller, die auf hochwertiges Tierfutter setzen, sagt die 25-Jährige.

Protein für die Fitnessbranche

Auch für die menschliche Ernährung sei das Mehl bestens geeignet, betont Christian Baudisch. „Daraus können zum Beispiel Back- und Teigwaren wie Nudeln oder Brot oder auch Fleischersatzprodukte hergestellt werden“, erklärt der 27-Jährige. Das größte Potenzial sehen die Jungunternehmer aber in der Sport- und Fitnessbranche. Durch den hohen Eiweißanteil von bis zu 50 Prozent eigne es sich besonders für die Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln wie Proteinpulver oder -riegel.

Dass sich noch viele Menschen vor Insekten als Nahrung ekeln, sorgt die Studenten nicht. „Es gibt nur eine Hemmschwelle, die überwunden werden muss“, sagt Raijana Schiemann. Es gebe schon jetzt bei vielen Gütern eine Entkopplung von Tier und Produkt. „Man denkt ja auch nicht sofort an leckere Bolognese, wenn man ein Schwein sieht und andersherum genauso wenig.“ Auch das hergestellte Mehl würde nicht an Insekten erinnern, betont sie. Christian Baudisch zieht einen Vergleich zu Sushi: „Vor einigen Jahren war es für viele auch noch eklig, rohen Fisch zu essen. Jetzt gilt er als Delikatesse.“

Insektenmehl aus selbst gezüchteten Mehlwürmern Quelle: Universität Rostock

Ressourcenkreislauf für umweltbewusste Produktion

Die ganze Produktion soll innerhalb eines sogenannten Ressourcenkreislaufes funktionieren. Dabei werden gute Lebensmittel, die in Geschäften nach gerade mal einem Tag weggeworfen werden, als Futter für die Mehlwürmer herhalten. Die Reste aus der Zucht sollen an regionale Biogasanlagen gehen. Die dort erzeugte Abwärme geht zum Heizen zurück an die Lagerhalle. „Wir sind nicht darauf angewiesen, neue Ressourcen aufzubrauchen, sondern nehmen die, die da sind“, erklärt Rajina Schiemann. Der ökologische Fußabdruck sei so gut wie bei Null.

Auch die Zahlen sprächen für die Mehlwurmzucht als Alternative zur konventionellen Tierhaltung, wie der Rinderzucht. Ein Weibchen würde bis zu 300 Eier legen und die Vermehrung wäre somit rasant. Zudem nehme die Haltung zehn mal weniger Fläche in Anspruch, verbrauche zwölf mal weniger Futter, 2000 mal weniger Wasser und stoße 100 mal weniger klimaschädliches Kohlenstoffdioxid aus.

Für ihr Projekt erhielten die Master-Studenten das Exist-Gründerstipendium, mit dem das Wirtschaftsministerium und die EU innovative Ideen von jungen Forschern ein Jahr lang finanziell unterstützen. Auch Vertreter der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät betreuen die Umsetzung. Aktuell suchen die zukünftigen Insektenzüchter nach Investoren, Erstkunden und vor allem Spezialisten für automatisierte Lagerlogistik. Christian Baudisch: „Wir sind durch das Stipendium erst einmal finanziell abgesichert und können uns jetzt voll auf das Projekt konzentrieren, um den Investoren am Ende etwas Handfestes zu bieten.“

Anh Tran

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