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Rostock Mehr Anleger für Kreuzfahrtschiffe: Das plant Rostock im Seehafen
Mecklenburg Rostock Mehr Anleger für Kreuzfahrtschiffe: Das plant Rostock im Seehafen
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14:28 23.05.2019
Die „Aidamar“ läuft aus Warnemünde aus: Rostocks Branchenprimus begrüßt die Pläne für den Seehafen. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Baut Rostock nicht nur einen, sondern gleich zwei neue Kreuzfahrt-Häfen? Weil die Planungen für neue Luxusliner-Liegeplätze im Warnemünder Werftbecken ins Stocken geraten sind, plant die Stadt nun auch im Seehafen Platz für Kreuzfahrtschiffe schaffen. Das bestätigte Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) exklusiv der OZ: „Der Kreuzschifffahrt-Standort Rostock soll sich vielfältig entwickeln. Dazu gehört die Entwicklung der Kaianlagen in Warnemünde, aber auch die Weiterentwicklung der Infrastruktur zur Aufnahme eines Kreuzfahrtschiffes im Überseehafen.“ Das große Ziel: Rostock will Deutschlands Nummer eins in dem Geschäft bleiben.

Beim Werftbecken stockt es weiter

Bisher hatten sich die Hansestadt und auch der Hafenbetreiber Rostock Port voll auf das alte Werftbecken in Warnemünde konzentriert. Doch die Planungen stocken: Um die geplanten Liegeplätze für die neueste, größere Generation von Kreuzfahrt-Schiffen schaffen zu können, braucht die Hansestadt zusätzliche Flächen von den MV Werften. Die Werft aber will – Stand jetzt – kein Land verkaufen. Seitens der Schiffbauer gäbe es Bedenken, dass der Kreuzfahrt-Hafen Einschränkungen für die Arbeit auf der Werft mit sich bringen könnte. So jedenfalls steht es in internen Beratungsprotokollen der Hansestadt. Offiziell sagt die Stadtsprecherin Kerstin Kanaa nur, dass die Verhandlungen weitergehen – es aber noch keine Entscheidung gibt.

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Bekommt die Stadt die Flächen der Werft nicht, könnte ein neuer Anleger aber maximal 230 Meter lang werden – zu klein für die neuen Kreuzfahrtschiffe. Das neue Flaggschiff der Rostocker Reederei Aida Cruises – die „Aidanova“ etwa ist 337 Meter lang, braucht mindestens 350 Meter Kai-Länge. Schon jetzt machen die neuen, großen Aida-Schiffe einen Bogen um Rostock. Sie steuern Kiel an, nicht aber ihren „Heimathafen“. Und dann wären da auch noch die Kosten: Die internen Papiere aus dem Rathaus gehen davon aus, dass die Hansestadt mindestens 50 Millionen Euro für den neuen Kreuzfahrt-Hafen in Warnemünde selbst zahlen. Insgesamt soll der Bau rund 200 Millionen Euro kosten.

Eine Alternative muss her

Schiffegucken in Rostock, Wismar, Sassnitz und Stralsund: 47 Kreuzfahrtschiffe nehmen Kurs auf MV.

Die Zeit drängt: Der schärfste Konkurrent – Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel – holt im Wettbewerb um Schiffe und Anläufe mehr und mehr auf. 179 Anläufe erwartet Kiel in diesem Jahr, Warnemünde „nur“ 20 mehr. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen in Rostock neue, längere Anleger her, neue Terminals und auch Landstrom-Anschlüsse für die modernen Schiffe. Deshalb arbeitet die Stadt nun gemeinsam mit dem Hafenbetreiber Rostock Port an einer Alternative zu Warnemünde.

Rostock Port nutzte in der Vergangenheit die Liegeplätze im Seehafen für Kreuzfahrtschiffe – und wir planen, auch in der Zukunft dort Luxusliner abzufertigen“, sagt Hafen-Geschäftsführer Jens Scharner. Vom Rathaus ist Rostock Port nach OZ-Informationen nun damit beauftragt worden, mit den großen Reedereien Gespräche zu führen: Was genau brauchen die Schiffe? Müssen auch im Seehafen Terminals her? Schon vor gut zehn Jahren gab es Pläne für Abfertigungsgebäude im „Industriehafen“. Die waren von der damaligen Hafen-Geschäftsführung in Abstimmung mit Aida Cruises erarbeitet, dann aber auf Eis gelegt worden. Nun könnten sie wieder aktuell werden.

Neue Kreuzfahrtterminals für Rostock: Das planen die Hansestadt und Rostock Port. Quelle: Benjamin Barz

Erste Bauten bis 2020

Denn Rostock Port will nicht länger warten, plant bereits die ersten Millionen-Investitionen in das Kreuzfahrtgeschäft im Seehafen: „Die Liegeplätze 31 und 32 sind seit vielen Jahren die bevorzugten Anleger für Kreuzfahrtschiffe im Seehafen. Dort haben wir ausreichend Flächen für die Logistik und einen direkten Gleisanschluss für Sonderzügen“, sagt Scharner. 2020 sollen diese Liegeplätze nun ertüchtigt werden: Sie sollen zu „Multifunktionsanlegern“ umgebaut werden.

Höher, länger, breiter: Diese Kreuzliner entstehen in Mecklenburg-Vorpommern. Werftstandorte sind in Rostock-Warnemünde, Wismar und Stralsund.

Große Reedereien bevorzugen – so heißt es aus Branchenkreisen – eh den Seehafen. Der sei auch bei schwierigen Wind- und Wetterverhältnisse leichter für die Schiffe erreichbar. Im Werftbecken hingegen seien, so Stadtsprecherin Kerstin Kanaa, Anläufe nur bis maximal Windstärke sechs problemlos möglich. Nach OZ-Informationen sollen große internationale Reedereien auch schon signalisiert haben, im Seehafen eigene Terminals für ihre Flotte bauen zu wollen. Die Aida-Mutter Carnival Cruises betreibt beispielsweise schon jetzt in Miami, Fort Lauderdale und auch Barcelona eigene Terminals.

Aida: Seehafen „äußerst interessant“

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Branchen-Primus Aida begrüßt die Rostocker Ideen, den Kreuzfahrt-Standort an der Warnow auszubauen: „Rostock hat eine tolle Tradition als Kreuzfahrt-Hafen. Aber wir brauchen in unserem Heimathafen neu Entwicklungen – Landstrom und das neue Terminal in Warnemünde zu Beispiel“, sagt Hansjörg Kunze, Vize-Präsident der Rostocker Reederei. Aber auch die Ideen für den Seehafen seien „äußerst interessant“ für Aida: „Besonders mit Blick auf unsere neue Schiffsgeneration“.

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