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Rostock Mehr Drogendelikte auf Rostocker Weihnachtsmarkt
Mecklenburg Rostock Mehr Drogendelikte auf Rostocker Weihnachtsmarkt
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19:15 19.12.2018
Zufrieden: Innenminister Lorenz Caffier (2. v. l.), Polizeipräsident Peter Mainka und Rostocks Polizeichef Michael Ebert im Gespräch mit den Beamten Alexandra M. und Jens B. auf dem Weihnachtsmarkt. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Der Himmel grau, die Temperaturen knapp über null Grad und dazu Nieselregen: Es gibt mit Sicherheit angenehmere Arbeitsplätze als den Rostocker Weihnachtsmarkt in diesen Tagen. Doch Alexandra M. und Jens B. haben dennoch Spaß bei der Arbeit – so viel wie schon lange nicht mehr. Die beiden jungen Bereitschaftspolizisten sind im Streifendienst zwischen Glühwein- und Bratwurstständen unterwegs. „Und das richtig schön. Denn die Menschen sind dankbar für unseren Dienst“, sagt M. – und das habe sie so noch nicht erlebt. Zwei Tage vor dem offiziellen Ende der größten Festmeile zum Advent im Norden ziehen auch die Offiziellen ein zufriedenes Fazit.

„Eine Dankeschön tut gut“

Im Vorfeld des Weihnachtsmarktes hatte Rostock aufgerüstet: Insgesamt 180 Poller rund um den Neuen Markt und die Kröpeliner Straße will die Stadt installieren – um Passanten und Besucher vor Anschlägen zu schützen. Ein Großteil der neuen Sperranlagen wurde rechtzeitig vor dem Markt fertiggestellt. Die Polizei hingegen hatte in diesem Jahr abgerüstet – zumindest auf den ersten Blick: In den vergangenen Jahren – unter dem Eindruck des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz – waren die Beamten noch mit Maschinenpistolen bewaffnet auf Streife gegangen, schwere gepanzerte Fahrzeuge standen in Sichtweite der Besucher bereit. Davon war in diesem Jahr nichts mehr zu sehen.

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Auch die Beamten Jens B. und Alexandra M. sind ohne Maschinenpistole im Einsatz. Wie das ankommt bei den Bürgern, wollte am Mittwoch ihr oberster Dienstherr – Innenminister Lorenz Caffier (CDU) – bei seinem obligatorischen Weihnachtsmarkt-Rundgang wissen. Die Antwort von Polizistin Alexandra M.: „Das kommt gut bei den Menschen an. Im vergangenen Jahr fanden viele Bürger die Maßnahmen einschüchternd. Das war ihnen zu viel.“ Ihr Kollege Jens B. ergänzt: „Wir werden oft angesprochen, die Leute bedanken sich. Sie fühlen sich sicher, weil wir da sind.“ Das tue gut und das hört auch Polizeipräsident Peter Mainka gerne. Rostocks Polizeichef Michael Ebert erklärt: „Wir fahren eine etwas andere Taktik in diesem Jahr.“ Statt auf sichtbare Signale – auf Panzerwagen und Maschinenpistolen – setze die Rostocker Polizei dieses Mal auf „unsichtbare Sicherheit“. „Wir haben Kräfte im Einsatz, die mit jeder Lage fertig werden. Die Kollegen haben alles im Blick, bleiben aber im Hintergrund.“ Näheres will er nicht verraten.

Mehr Drogendelikte und Diebstähle

Ebert zieht kurz vor dem Ende bereits eine zufriedene Bilanz: „Es war schön und bunt auf dem Weihnachtsmarkt. Nur das Wetter hätte besser sein können.“ Auch Jörg Hübner, Chef des privaten Sicherheitsdienstes ABS, bestätigt die positive Bilanz: „Die Zusammenarbeit hat super funktioniert, es gab keinerlei größere Zwischenfälle.“ Und Vize-OB Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) sagt: „Es war ein sehr, sehr ruhiger Weihnachtsmarkt. Auch die Händler sind sehr zufrieden, die Wochenenden waren enorm umsatzstark. Wir konnten wieder um die 1,3 Millionen Besucher begrüßen – obwohl wir einen Sonntag weniger als in den Vorjahren geöffnet haben.“

Wobei: Zwei Themen bereiten zumindest der Polizei doch Sorgen: Die Zahl der Diebstähle und auch der Drogendelikte auf dem Weihnachtsmarkt ist 2018 stark gestiegen. Zahlen zu den Verstößen gegen die Betäubungsmittelgesetze können die Ermittler noch nicht nennen, aber es seien „spürbar mehr Fälle“, so Ebert. Das liege aber auch daran, dass die Polizei in diesem Jahr gezielt kontrolliert habe. So flog erst vor wenigen Tagen bei einer Routinekontrolle ein Tatverdächtiger auf, der 250 Gramm Marihuana bei sich hatte – vermutlich, um damit zu handeln. Ein belegbares Plus gibt es auch bei der Zahl der Handtaschendiebstähle: 14 Fälle wurden bis Ende vergangener Woche angezeigt. So viele wie seit Jahren nicht auf dem Weihnachtsmarkt, sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke. „Die Täter haben die Geldbörsen direkt aus Rucksäcken gestohlen – oder die Handys aus den Gesässtaschen. Jeder Besucher sollte seine Wertsachen so am Körper tragen, dass niemand anderes rankommt.“

Andreas Meyer

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