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Rostock Mehr Züge, neue Fracht: DB Cargo will in Rostock wachsen
Mecklenburg Rostock Mehr Züge, neue Fracht: DB Cargo will in Rostock wachsen
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09:00 24.11.2018
Lokführer Jürgen Schulz verbindet Lok und Wagen vor der Abfahrt. Er bringt den Zug bis Halle/Saale, dort übernehmen Kollegen und weiter geht es bis Italien. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Ein kurzer Gruß aus dem Fenster, ein Nicken – und Lokführer Jürgen Schulz setzt den 1600-Tonnen-Koloss in Bewegung. Ein Rumpeln, dann rhythmisches Klackern auf den Schienen und schon rollt die schwere E-Lok samt knapp 50 voll beladener Wagen los. Ziel: Italien. Papier aus Finnland, Maschinenteile aus Schweden, Dünger aus Poppendorf: Der Güterbahnhof Rostock-Seehafen wird mehr und mehr zu einem der wichtigsten Umschlagplätze im Warenverkehr zwischen Nord- und Mitteleuropa. Und die Weichen für ein weiteres Wachstum sind längst gestellt: Die Deutschen Bahn-Tochter DB Cargo plant riesige Investitionen in Rostock – in neue Gleise bis an die Kai-Kante, vor allem aber in neues Personal. „Wir haben aktuell 110 Mitarbeiter, wollen künftig mindestens 130 Kollegen im Seehafen beschäftigen“, sagt Standortleiter Uwe Böldt.

Die Bahn wird wieder attraktiv

Der Güterbahnhof am Rande Dierkows entstand bereits in der 1960er Jahren – zeitgleich mit dem Seehafen. Zu DDR-Zeiten wurden bis zu 95 Prozent aller Güter, die an den Rostocker Kaikanten umgeschlagen wurden, per Bahn an- und abtransportiert. Nach der Wende aber verloren der Güterbahnhof und seine insgesamt einst 240 Kilometer langen Gleis-Anlagen an Bedeutung, mehr und mehr Fracht ging auf die Straße. Doch nun wendet sich das Blatt erneut: „Die Rahmenbedingungen haben sich verändert“, sagt DB Cargo-Standortleiter Böldt. Ein Grund: Die Diskussionen über zunehmenden Verkehr auf den Straßen, über schädliche (Diesel-)Abgase. „Die Bahn ist eine umweltfreundliche Alternative“, so Böldt.

Der jüngste Beleg: Im September startete die Spedition Lkw Walter eine neue Bahn-Verbindung nach Cervignano in Italien. Große Lkw-Anhänger werden statt auf der Straße auf Zügen transportiert. „Kombinierter Ladungsverkehr“ (KLV) nennt sich das Konzept in Logistik-Deutsch. „Wir haben mittlerweile 54 Züge pro Woche im KLV“, erklärt Andreas Schwarz, Betriebsleiter bei DB Cargo in Rostock. Verona (Italien), Brünn (Tschechien), Hamburg, Halle und auch das Ruhrgebiet stehen auf dem Fahrplan. Bei den Speditionen wird dieses Angebot zunehmend beliebter: Nach Angaben des Hafenbetreibers Rostock Port wurden 2017 mehr als zwei Millionen Tonnen Fracht allein im KLV umgeschlagen. Die Zahl der per Bahn transportierten Trailer stieg von knapp 70 000 im Jahr 2015 auf mehr als 80 000 im vergangenen Jahr.

So arbeitet DB Cargo in Dierkow und im Seehafen

Rangieren, zusammenstellen, fahren

Die 110 Mitarbeiter von DB Cargo im Seehafen sorgen Tag für Tag dafür, dass die Warenströme nicht enden: Die Rangierlokführer, die Lokführer und Wagenmeister stellen die Güterzüge zusammen, rangieren und parken die schweren Wagen, prüfen die Sicherheit der Züge und ob alle Waren korrekt beladen sind. „Vor jeder Fahrt werden die Bremsen geprüft – immer von zwei Kollegen“, sagt Betriebsleiter Andreas Schwarz. Die Lokführer – wie Jürgen Schulz zum Beispiel – fahren die Güterzüge dann bis Halle. „Dort ist für uns Schluss, ein Kollege übernimmt den Zug auf dem Weg nach Italien. Wir fahren dann am nächsten Tag einen anderen Zug nach Rostock zurück“, erzählt Schulz.

Bis zu 750 Meter lang können die Güterzüge werden, wenn sie sich von Dierkow aus auf den Weg nach ganz Europa machen. „Die schwersten Züge transportieren bis zu 3500 Tonnen auf einmal“, so Schwarz. Das seien Eisenerz-Transporte, bestimmt für das Arcelor Mittal-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt. „Wenn der Seekanal vertieft wird und noch größere Erzfrachter in Rostock festmachen, wollen wir bis zu 4500 Tonnen pro Zug transportieren“, so Schwarz. Dafür müssten aber auch die Gleise in Richtung Berlin ausgebaut werden – für eine höhere Achslast, bis zu 25 Tonnen. In Dierkow „parkt“ DB Cargo aber auch Wagen: „Wir haben Güterwaggons, die im Sommer zum Beispiel für Baustoffe genutzt werden und hier auf ihren Einsatz warten. Oder auch Wagen, die im Winter Salz befördern.“

Gas für Rövershagen, Papier für Ikea

Die Trailer-Züge sind aber längst nicht die einzige Fracht, die DB Cargo in Rostock bewegt: Täglich läuft eine Fähre mit Güterwagen an Bord nach Trelleborg in Schweden aus. Zwischen dem Düngemittelwerk von Yara in Poppendorf pendeln täglich zwei weitere Züge. Sechs Züge pro Tag bringen neue Fracht aus Seddin bei Berlin (dort hat auch Standortleiter Böldt seinen Hauptsitz) und Hamburg-Maschen. Und: Werkstag rollen Züge von Dierkow in den Fischereihafen, nach Lalendorf, Möllenhagen bei Waren/Müritz und auch Rövershagen. „In Rövershagen und Lalendorf haben große Gashändler ihren Sitz. Die beliefern wir zum Beispiel mit Propan“, sagt Böldt.

Und dann wären da noch „besondere“ Projekte: Seit Monaten beispielsweise transportiert DB Cargo die schweren Stahlrohre für die neue Gaspipeline Nord Stream 2. Die Stahl-Elemente werden in Mülheim an der Ruhr gefertigt, kommen per Bahn in den Nordosten. „Wir lagern sie in Dierkow zwischen, bringen sie dann nach Lubmin, nach Sassnitz oder auch noch Polen“, so Andreas Schwarz. Und: „Rund 100 Wagen pro Wochen gehen beladen mit Papier raus. Es gibt aber auch Wochen, da rollt ein kompletter Sonderzug mit Papier pro Tag von Rostock aus.“ Wenn der Möbelriese Ikea seine neuen Kataloge drucken lässt, spürt das auch DB Cargo im Seehafen. „Der Katalog hat ja immerhin eine Auflage von zwei Millionen Exemplaren. Und das Papier dafür kommt komplett aus Rostock.“

Getreide, LNG, Stahl: Neue Chancen für DB Cargo

Die Bahn-Tochter ist überzeugt, dass der Rostocker Hafen auch in Zukunft wachsen wird: „Und wir müssen darauf vorbereitet sein, ebenfalls zusätzliche Verkehr zu übernehmen“, sagt Standortleiter Böldt. Stahlplatten für die Eisenwerke im Seehafen oder auch für Liebherr: Das ist schon jetzt ein Geschäft für DB Cargo. Ein russisch-belgisches Konsortium will im Seehafen das erste deutsche Terminal für das Flüssiggas LNG bauen und Europa weiter liefern. Ebenfalls eine Chance für die Bahn. Der Getreidehändler Beiselen hat bereits angekündigt, Getreide für sein neues Terminal ebenfalls per Bahn aus dem Süden nach Rostock transportieren zu wollen. „Wir brauchen mehr Triebfahrzeuge im Seehafen, aber auch mehr Personal.“ Erstmals bildet DB Cargo deshalb auch Wagenmeister in Rostock aus.

Und gebaut werden soll auch: Bisher ist die Reise für alle E-Loks mit Ziel Rostock in Dierkow vorbei. In den Hafen geht es für die Güterzüge dann nur mit Diesel-Loks. Das will DB Cargo ändern. Derzeit werde an Plänen gearbeitet, bis 2022 elektrisch bis in den Hafen, bis an die Kai-Kanten fahren zu können. „Konkretes gibt es aber noch nicht“, sagt Böldt.

Andreas Meyer

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