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Rostock Mehr Nager im Rekordsommer: Rattenjagd unter Rostock
Mecklenburg Rostock Mehr Nager im Rekordsommer: Rattenjagd unter Rostock
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06:30 03.09.2018
Jörg Abel (55), Leiter der Abteilung Zentrale Dienste bei Nordwasser, auf Rattenjagd unter der Rostocker KTV. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

In Deutschlands Großstädten – in Berlin und Hamburg etwa, aber auch in Leipzig – schlagen Gesundheitsbehörden und die Abwasser-Betriebe Alarm. Weil es seit Monaten nicht mehr stark genug geregnet hat, breitet sich unter den Städten eine unerwünschte Tierart aus: Ratten. In Rostock jedoch sind die Nager bisher kein Problem. Ein Grund: In der Hansestadt fließt durch die Rohre, in denen sich die Ratten besonders wohl fühlen, sogar mehr Wasser denn je.

Ratten auch in Rostock

„Grundsätzlich gibt es Ratten in jeder Stadt“, sagt Jörg Abel. Er ist Abteilungsleiter „Zentrale Dienste“ beim Wasserversorger Nordwasser und in dieser Funktion auch für das Thema „Nager im Netz“ zuständig. „Ja, in manchen Städten gibt es mittlerweile doppelt so viele Ratten wie Menschen“, sagt er. Nicht aber in der Hansestadt – jedenfalls nicht mehr: „Zu DDR- und auch zu Nachwende-Zeiten hatten wir echt zu tun mit den Nagern“, räumt Abel ein. Die Helsinkier Straße in Lütten Klein, Warnemünde rund um den Alten Strom und auch der Reutershäger Markt – das seien damals die großen Problemzonen gewesen. „Wir haben aber mit der Zeit unseren Kampf gegen die Schädlinge deutlich ausgeweitet.“

Wasser und Fallen gegen Nager

Mal abgesehen davon, dass viele Menschen Ratten als „ekelig“ empfinden: „Sie sind Gesundheitsschädlinge“, sagt auch Dr. Kerstin Neuber aus dem Gesundheitsamt der Stadt. Die Nager stehen im Verdacht, bis zu 120 ansteckende Krankheiten auf den Menschen übertragen zu können. Im Mittelalter war das insbesondere die todbringende Pest. Nordwasser geht deshalb permanent und auch vorsorglich gegen die Tiere im Kanalnetz vor: „Wir spülen regelmäßig mögliche Problemstellen in den Abwasser-Leitungen mit Hochdruck durch“, erklärt Abel. Und: „Zudem inspizieren wir das gesamte Netz regelmäßig mit Kameras. Wenn wir dabei Ratten oder auch ,nur‘ Kot von Nagern entdecken, kommen unsere Schädlingsbekämpfer zum Einsatz.“ Ein ganzes Team von Fachleute hat Nordwasser zu geprüften Ratten-Jägern ausbilden lassen. „Die Kollegen haben die nötige Sachkunde, dürfen die Ratten auch töten.“ In der Regel werden dafür Köder im Kanal ausgelegt – mit einem Gift, dass erst zeitverzögert wirkt: „Denn Ratten leben in Kolonien von 40 und mehr Tieren. Es gibt in diesen Gruppen so etwas wie Vorkoster. Die werden vorgeschickt. Würden die Tiere von unseren Ködern sofort sterben, würden die anderen Ratten nichts mehr davon essen“, erklärt Abel.

Genügend Wasser im Kanal

In Hamburg und Berlin soll laut Medienberichten vor allem die Trockenheit der vergangenen Wochen zu einem sprunghaften Anstieg der Ratten-Population geführt haben. Weil kaum noch Regenwasser durch die Rohre floss, konnten sich die Tiere ungestört vermehren. In Rostock ist es genau anders herum gelaufen in diesem Sommer: „Bei uns ist es egal, ob es regnet oder nicht. Wer haben zwei Abwasser-System – eines für Schmutzwasser aus Haushalten und Firmen, eines für Regenwasser. Die Ratten leben vor allem im Schmutzwasser-Netz“, sagt Abel. „Und in durch diese Leitung floss zuletzt so viel Wasser wie noch nie.“ Denn die Rostocker haben in der Hitze-Periode so viel Wasser verbraucht wie noch nie – unter anderem zum Duschen. „Die Leitungen sind also ausreichend gespült worden.“Nur eine Sichtung von Ratten wurde zuletzt dem Gesundheitsamt gemeldet: „Uns liegt eine Anzeige von der Holzhalbinsel vor“, sagt Amtsärztin Neuber. Auch Abel kennt diese Beschwerde von Anwohnern: „Wir haben dort Köder ausgelegt, das Netz kontrolliert. Wir vermuten, dass die Ratten aber in diesem Bereich nicht in unseren Rohren, sondern im Grüngürtel an der Warnow leben.“

Problem bleiben Speisereste

Auch die Rostocker selbst könnten helfen, dass es gar erst zu einer Ausbreitung der Ratten im Kanalsystem kommt: „In vielen Fällen in der Vergangenheit war die Anwohner schuld an Nager-Problem“, sagt Abel. „Die Nager lieben zum Beispiel chinesisches Essen.“ Im Nordwesten habe ein Asia-Imbiss vor einigen Jahren sein Fett und seine Essensreste stets im Abfluss entsorgt. „Das hat sich im Kanal festgesetzt, die Ratten hatten richtig fett zu essen und haben sich rasch vermehrt“, so Abel. „Genau deshalb appellieren wir an die Rostocker, keine Speisereste in die Toilette zu schütten. Auch Fett aus Pfannen sollte zunächst ausgewischt werden.“

Andreas Meyer

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