Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Mehr Rufbusse im Landkreis Rostock gefordert
Mecklenburg Rostock Mehr Rufbusse im Landkreis Rostock gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 07.05.2019
Das flexible Rufbus-System ILSE (Integrierte Leitstelle Erweiterung) verkehrt nicht nach festen Taktzeiten, sondern nach individuellen Fahrtwünschen und damit ganz flexibel. So wurde es im Kreis Vorpommern-Greifswald zum Erfolgsmodell.
Das flexible Rufbus-System ILSE (Integrierte Leitstelle Erweiterung) verkehrt nicht nach festen Taktzeiten, sondern nach individuellen Fahrtwünschen und damit ganz flexibel. So wurde es im Kreis Vorpommern-Greifswald zum Erfolgsmodell. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Güstrow

 Ob wegen der Arztbesuche, zum Einkaufen oder für einen Kaffeetreff mit Bekannten: Wer in ländlichen Regionen lebt und kein Auto hat, der hat es schwer. Denn oft fahren nur die Schulbusse regelmäßig. „Es gibt bei uns im Kreis viele Dörfer, gerade in den Bereichen Gnoien und Teterow, die sind regelrecht abgehängt. Das wollen wir ändern – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt“, sagt Helmut Precht, der Vorsitzende der Freien Wähler im Kreistag.

Ein größeres Mobilitätsangebot für Jung und Alt gehört für ihn zwingend dazu, um die Entwicklung des ländlichen Raumes weiter zu unterstützen und gleichwertige Lebensbedingungen herzustellen. Deshalb hat Precht für die Kreistagssitzung am Mittwoch einen Antrag eingebracht, das Rufbussystem der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft Rebus auf dessen Ausbaufähigkeit hin zu überprüfen.

Ziel: Mobilität bis ins hohe Alter ermöglichen

„Uns schwebt als Vorbild das Rufbus-System aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim vor und wir wollen, dass der Landkreis Rostock sich intensiv mit diesem System beschäftigt oder es gleich übernimmt“, so Precht. Er wolle sich nicht länger damit vertrösten lassen, dass an neuen Verkehrskonzepten gearbeitet würde. „Wir wollen, dass jetzt endlich etwas passiert.“ Ziel sei es, Mobilität auch bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Anmeldung der Fahrt muss am Vortag erfolgen

Die Regionalbus Rostock GmbH, kurz Rebus, fährt im gesamten Landkreis Rostock auf 82 Linien. Auf mehr als 60 davon sei bereits ein bedarfsabhängiges Angebot eines Anrufbusses vorhanden, heißt es aus dem Unternehmen. Buslinien, die an das System gekoppelt sind, seien in jedem Fahrplan deutlich gekennzeichnet.

Grundsätzlich gelte der Rufbus im Landkreis Rostock immer nur von montags bis freitags. Wer ihn nutzen will, muss die Fahrt am vorherigen Werktag bis 16 Uhr anmelden. Dafür gibt es spezielle Telefonnummern für die drei verschiedenen Kreisbereiche.

„Das Rufbus-Angebot bezieht sich auf schwach frequentierte Linien und trägt dazu bei, die Kosten und Reisezeiten zu senken, weil dadurch nicht jede Haltestelle angefahren werden muss“, heißt es aus einer Stellungnahme des Unternehmens.

Die Entwicklung der Kapazitäten im Landkreis würde laufend überprüft. Genaue Zahlen zur Nutzung könne das Unternehmen aufgrund der breiten Fächerung aber nicht liefern. „Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass die Frequentierung nicht hoch genug für ein reguläres Angebot ist“, heißt es weiter.

Precht: Nutzung muss einfacher werden

Helmut Precht setzt dennoch auf den Ausbau des Angebotes und glaubt, dass mit einem einfacheren System auch die Nutzerzahlen steigen würden. Bei der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) können Kunden unter der Woche innerhalb von zwei Stunden eine Fahrt anmelden – und das sogar sonnabends. Nur sonntags, an Feiertagen sowie außerhalb der Öffnungszeiten werden keine Bestellungen angenommen, können aber am Vortag der Fahrt erfolgen.

Die VLP startete ihren Rufbus Ende 2016 zwischen Parchim und Plau am See. Schrittweise wurde das Angebot ausgebaut und die Zahl der angebotenen Strecken mehr als verdreifacht. Ein Großteil der Fahrten wird über Kooperationspartner abgedeckt.

Ilse-Bus wird in Vorpommern-Greifswald zum Erfolgsmodell

Ebenfalls ein Erfolgsmodell ist der Rufbus im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Das Angebot, „Ilse“ genannt, war 2017 als Modellprojekt mit Unterstützung aus dem Bund gestartet und hat es mittlerweile durch den dortigen Kreistag auch in den Nahverkehrsplan geschafft. Eine Buchung kann sowohl über das Telefon, als auch online erfolgen. ,,Durch den ILSE Bus, der ohne Fahrplan und ohne Linie ganz nach Wunsch verkehrt, sind wir wieder in der Lage, den ländlichen Raum nachhaltig zu erschließen und das Wohnen auf dem Land nicht nur für ältere Bürger, sondern auch für junge Familien attraktiver zu gestalten", sagt Sozialdezernent Dirk Scheer.

Claudia Labude-Gericke