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Rostock 4600 Knöllchen: Parkplatzsituation in Rostocker City spitzt sich zu
Mecklenburg Rostock 4600 Knöllchen: Parkplatzsituation in Rostocker City spitzt sich zu
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21:38 06.12.2019
Christiane Ernst ist genervt von der angespannten Parkplatzsituation. Mit Baby und Einkauf kurvt sie oft lange im Carré, um endlichen einen Parkplatz zu finden. Quelle: Stefanie Adomeit
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Rostock

Die Parkplatzsituation in der Innenstadt spitzt sich immer weiter zu. Die Anwohner sind genervt, abends nach der Arbeit kurven sie zum Teil eine halbe Stunde umher, um eine freie Fläche zu finden. Nun hat die Stadt auch noch die Parkzeiten an der Langen Straße geändert.

Konnte die letzten zehn Jahre dort in der Zeit von Montag bis Sonnabend von 18 Uhr bis morgens um 9 Uhr frei geparkt werden, wurde nun die Zeit – ohne Ankündigung – auf 19 Uhr bis 8 Uhr geändert und das 365 Tage im Jahr. Also auch am Sonntag, an dem die Geschäfte geschlossen sind. Hinzu kommt, dass die Höchstparkdauer gerade mal eine Stunde beträgt – auch am Sonntag.

„Die maximale Parkdauer von einer Stunde dient zum Parken für kurze Erledigungen in der Innenstadt. Die Festlegung erfolgte in Abstimmung mit dem Citykreis“, heißt es aus Stadt. Warum es am Sonntag jetzt plötzlich auch eine Parkhöchstdauer von einer Stunde gibt, dazu gibt es von Seiten der Stadt keine Erklärung.

An der Langen Straße wurden die Parkzeiten geändert. Selbst am Sonntag soll jetzt bezahlt werden. Zudem darf nur für eine Stunde geparkt werden. Quelle: Stefanie Adomeit

Anwohner von Neuregelung überrascht

„Wir haben das gar nicht mitbekommen. Plötzlich hatten wir einen Strafzettel“, sagt Christiane Ernst. Erst der Blick auf die Parkuhr verriet, die Zeiten wurden geändert. So ging es einigen Anwohnern der Langen Straße. Die 28-Jährige fragt sich, warum die Parkdauer am Sonntag auch auf eine Stunde beschränkt wurde. Zuvor war die junge Mutter froh, dass sie von Samstagabend bis Montagfrüh dort stehen konnte und mit Baby und Wochenendeinkauf sowie Wickeltasche nicht so weit laufen musste.

„Die Bewohner der Langen Straße sind berechtigt, das Bewohnerparkgebiet in der nördlichen Altstadt zu nutzen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Jetzt, wo zusätzlich der Weihnachtsmarkt geöffnet hat, ist die Situation noch prekärer. Zusätzlich zu den vielen Besuchern fallen auch noch um die einhundert Parkplätze weg. Und das fünf Wochen lang.

Auch hier fallen fast fünf Wochen lang Parkplätze während des Weihnachtsmarktes weg. Quelle: Stefanie Adomeit

Während dieser Zeit wollte sich die junge Familie eine Monatskarte für den Parkplatz am Stadthafen kaufen. So hätten sie wegen des Weihnachtsmarktes den abendlichen Stress mit der Suche nicht gehabt. „Mein Freund hätte mich und unser Baby dann vorher zu Hause abgesetzt und wäre dann dort zum Parken hingefahren“, sagt die junge Frau.Doch die entsprechenden Tickets waren zu schnell vergriffen.

Park and Ride-Plätze besser bewerben

Andreas Herzog vom Ortsbeirat Stadtmitte hat auch keine Lösung parat. „An einigen kleinen Stellschrauben könnte aber sicher noch gedreht werden, um Anwohnern das Parken zu erleichtern“, sagt er. Herzog spricht sich deutlich dafür aus, für Besucher die sogenannten Park and Ride Parkplätze besser zu bewerben: „In der Südstadt könne man kostenfrei parken und ist in nur 15 Minuten mit der Straßenbahn in der Innenstadt“, sagt er.

An der Langen Straße fallen zu Weihnachtsmarktzeiten fünf Wochen lang Parkplätze weg. Quelle: Stefanie Adomeit

„Sie machen es mit der neuen Regelung in der Langen Straße für Anwohner noch schwieriger. Warum jetzt plötzlich auch am Sonntag? Ich verstehe das nicht“, sagt Alexandra Uzunov. Das Argument, es müsse ja keiner in der Stadt wohnen, wenn es dort nicht ausreichend Parkplätze gebe, findet die Ingenieurin lächerlich: „Es gibt ja schließlich Wohnungen hier.“ Um genau zu sein, allein an der Langen Straße nach Angaben der Wiro um die 500. Und das seit Ende der 1950er Jahre.

Mehr als 4600 Knöllchen in einem Monat

Dass die Parkplatzsituation in der Innenstadt derzeit ein echtes Problem darstellt, zeigt auch die Statistik des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). Im November stellten die Mitarbeiter hier mehr als 4600 Knöllchen aus für: Parken auf dem Gehweg (819), auf Anwohnerparkflächen (194), im eingeschränkten Halteverbot (629), in der Fußgängerzone (65) oder in Feuerwehrzufahrten (9). Das Gros machte mit 2234 Strafzetteln das Parken ohne gültigen Parkschein aus. 29 Autos wurden sogar abgeschleppt.

Da kommt schnell die Frage auf: Warum gibt es bestimmte Regelungen plötzlich, so wie sonntags an der Langen Straße? Die Antwort der Stadt: „Ziel des KOD ist die Gewährleistung einer möglichst hohen Verkehrssicherheit. Es ist ausdrücklich nicht die Aufgabe des KOD, zusätzliche Einnahmen für die Stadt zu generieren.“

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Alexandra Wienrich. Wegen der prekären Parkplatzsituation hatten sie und ihre Familie lange kein Auto. Nun ist die Kita ihrer beiden Kinder wegen einer aufwendigen Sanierung in einen anderen Stadtteil gezogen. „Ohne Auto bräuchte ich mehr als 1,5 Stunden zur Arbeit“, sagt die 36-Jährige. „Es gibt definitiv zu wenig Parkplätze. Manchmal parke ich zehn Minuten zu Fuß von Zuhause aus weg. Mit zwei kleinen Kindern und Taschen kann der Weg nach der Arbeit echt lang und anstrengend sein“, sagt die 36-jährige Juristin.

Auf der rechten Seite an der Wokrenter Straße dürfen auch Anwohner nur zwei Stunden Parken, wenn sie bezahlen - von Montag bis Sonntag. Quelle: Stefanie Adomeit

Sie fragt sich, warum man etwa auf der rechten Seite an der Wokrenter Straße Richtung Wasser nicht auch als Anwohner parken könne. „Die Straßenverkehrsbehörde kann eine zeitlich beschränkte Reservierung des öffentlichen Parkraums für Bewohner in Stadtteilen mit erheblichen Parkraummangel vornehmen. Dies ist aber nur für 50 Prozent der öffentlichen Verkehrsflächen möglich“, erklärt Sprecherin Kanaa.

Bald wird es noch schlimmer in der Innenstadt

Selbst, wer das Geld – rund 80 Euro im Monat – in einen gemieteten Stellplatz fürs Parkhaus investieren möchte, hat Pech. Auf der Warteliste für das Wiro-Parkhaus „City“ stehen 131 Interessenten.

Und für das Jahr 2021 steht die Sanierung an, dann gibt es in der Stadt noch weniger Stellflächen. Und Andreas Herzog vom Ortsbeirat diagnostiziert: „Es wird noch schlimmer, wenn der Rathaus-Anbau kommt, das Behördenzentrum in der Blücherstraße fertig ist und der Stadthafen umgestaltet wird.“

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Von Stefanie Adomeit

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