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Rostock Mehr als eine Disco: Rostocker Studentenkeller wird 50
Mecklenburg Rostock Mehr als eine Disco: Rostocker Studentenkeller wird 50
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19:00 08.11.2019
Alexander Neumann und Katharina Becker bilden mit Ralf Bogdahn (nicht im Bild) den aktuellen Vereinsvorstand im Studentenkeller. Quelle: Universität Rostock/ Thomas Rahr
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Rostock

Studentenclubs gibt es in Rostock viele – doch nur einer liegt unter der Erde. Der Studentenkeller mit seinen alten Gemäuern, dem jungen Publikum, cooler Musik und der unverwechselbaren Atmosphäre. Am 11. November feiert die Rostocker Institution runden Geburtstag. Der „Keller“ ist der erste Studenten-Club der Hansestadt gewesen.

Seit 50 Jahren steigen junge Leute hinab ins Gewölbe, um zu tanzen und zu feiern. Am 11. November ab 18 Uhr gibt es zur Feier des Tages freien Eintritt und ein buntes Programm. Die meisten Besucher sprechen seit Generationen nur vom „Keller“. Unter der Erde zieht sich das bei Generationen beliebte Gemäuer wie ein Schlauch bis zur Tanzfläche. Der Leitspruch der Akteure: „Studenten für Studenten“.

Ralf Bogdahn gehört zum Vorstand des Betreibervereins und sagt: „Der Keller ist im Grunde immer noch der Gleiche wie vor 50 Jahren“. Aber er ist heute nicht nur Club, sondern seit August 1991 ein eingetragener Verein.

„Keller“ ist traditionell am Mittwoch

Seit vielen Jahren gehört der große Außenbereich zum Studentenkeller. Das Herzstück bleiben jedoch die unterirdischen Räume. Hier hat beispielsweise die Gruppe Rosenstolz Anfang der 90er Jahre mehrere Konzerte gegeben. Sängerin Veronika Fischer und Band schrieben am 16. April 1978 ins Gästebuch: „Wir kommen gerne wieder.“ Und auch die Gruppe MTS widmete dem Klub nette Worte.

Inzwischen wird nur noch am Mittwoch und am Wochenende „gekellert“. „Das Ausgehverhalten der jungen Leute hat sich geändert“, sagt Ralf Bogdan. Nur Disco, das reiche lange nicht mehr. Heute werde Entertainment erwartet. Für die meisten ist „Keller“ traditionell am Mittwoch. Die Happy Hour und der günstige Eintritt sowie die gute Atmosphäre locken Rostocks junge Leute.

So einladend sah es zu Beginn der Kellerzeiten aus. Quelle: Universität Rostock/ Thomas Rahr

Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck weiß um die Bedeutung

„Im Zentrum der Stadt ist der ‚Keller‘ eine unverzichtbare Institution für die Universität. Oft ist er als Treffpunkt das Erste, was unsere neuen Studierenden kennenlernen. Sie pflegen dort Kontakte, lernen aber auch die Interdisziplinarität unserer Universität in ihrer Freizeit schätzen“, erklärt Wolfgang Schareck.

Inzwischen haben Generationen im Studentenkeller gefeiert. Joachim Feuerstein aus Lichtenhagen Dorf gehörte damals zu den Ersten. Der 71-jährige Präsident vom Universitäts-Fußballclub (UFC) Arminia sagt heute: „Nach 50 Jahren kann ich mich vor allem an viel Gerümpel erinnern, das wir mit der Schubkarre aus dem Gewölbe transportiert haben, unter dem der Studentenkeller entstehen sollte. Damals war ich Student der Fischereitechnik. Häufiger als im Studentenkeller war ich in der alten Mensa in der Thierfelderstraße, im LT-Club und im Meli. Meine Tochter zog es später in den Studentenkeller und in die neue Mensa.“

Damals wie heute werden die schönsten Momente für die nachfolgenden Generationen festgehalten. Quelle: Universität Rostock/ Thomas Rahr

Auch Rostocks Sozial-Senator Steffen Bockhahn hat im Studentenkeller so manche Party gefeiert. „Es gibt diese besonderen Orte im Leben. Der ‚Keller‘ ist für mich ohne Zweifel so einer. Eine kaputte Brille zu ‚Nirvana‘ und zum Glück ein kurzer Heimweg sind Teil meiner Erinnerungen. Ich hoffe, dass es diesen Club mit studentischem Flair auch für meine Enkel noch geben wird“, sagt der 40-Jährige.

Auch andere Clubs hatten eine große Anziehung

Zur sogenannten zweiten Generation der Kellerbesucher gehört der Rostocker Mathematik-Professor Konrad Engel. Der 63-jährige Wissenschaftler erinnert sich: „In meiner Studienzeit Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre war die Studentenszene gut entwickelt. Anziehungspunkte waren mehrere Clubs, wie der LT-Club – der war damals noch in der Kobertstraße –, der Meli-Club in der Thierfelderstraße, der ST-Club auf dem Gelände der damaligen Schiffstechnik, der Filmclub und vor allem der Studentenkeller in der Schwaanschen Straße.“

Live-Musik war in den 70ern, 80ern und 90ern ein Muss im Studentenkeller. Quelle: Universität Rostock/ Thomas Rahr

Die Mathematiker feierten vorrangig im gemeinsamen Wohnheim. „So waren meine Besuche des Studentenkellers eher sporadisch. Wenn man es nach einigem Anstehen aber hineingeschafft hatte – damals nicht erst gegen Mitternacht – dann konnte man in eine interessante Atmosphäre aus Musik und Gesprächen mit Tanz und Getränken eintauchen“, sagt Engel.

Ansprechend sei zu dieser Zeit auch die kulturelle Szene gewesen. „Es gab Aufführungen von Uni-Angehörigen – so hat es mich als Mitglied des Singeclubs ‚Archimedes‘ in den Studentenkeller verschlagen“, sagt Engel. Aber es habe auch Auftritte von bekannten Künstlern gegeben: Besonders in Erinnerung hat Prof. Engel „eine Veranstaltung mit der Gruppe MTS („10 böse Autofahrer“) und der oppositionellen Sängerin Bettina Wegner“.

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Von OZ

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