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Rostock Mieterverein: „Das ist Wohnungsnot“
Mecklenburg Rostock Mieterverein: „Das ist Wohnungsnot“
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20:00 13.03.2019
Mietwohnungen im Stadtteil Lichtenhagen Quelle: OZ-Archiv
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Südstadt

In der Hansestadt gibt es kaum freie Wohnungen. „Wir haben weniger als ein Prozent Leerstand, die Zahl sagt alles: Das ist Wohnungsnot“, sagte der Geschäftsführer des Mietervereins Rostock, Kai-Uwe Glause am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung des Vereins im Stadtteil- und Begegnungszentrum Südstadt. Er forderte, den Bau neuer geförderter Wohnungen rasch in Angriff zu nehmen. „Hier ist auch die Stadt gefragt, schnell Baugenehmigungen zu erteilen, damit wir noch in diesem Jahr mit dem Bau Hunderter bezahlbarer Wohnungen beginnen können.“ Die Landesregierung hatte im Februar die Förderung des sozialen Wohnungsbaus deutlich aufgestockt. Landesweit könnten so 400 bis 500 neue Sozialwohnungen entstehen – viele davon in Rostock.

Umzug zu teuer

Laut Glause haben die Mietsteigerungen der letzten Jahre paradoxe Folgen: „Viele Menschen leben in der falschen Wohnung.“ Für viele Mieter, denen nach dem Auszug der Kinder oder der Trennung von ihrem Partner die alte Wohnung eigentlich zu groß wurde, sei ein Umzug in eine kleinere Wohnung schlicht zu teuer, weil sie dort eine höhere Miete zahlen müssten. So werde wertvoller Wohnraum verschwendet.

Durch die große Nachfrage sei es auch für bestimmte Gruppen immer schwerer, eine Wohnung zu finden, konstatierte Glause. Das gelte etwa für Ausländer oder Familien mit geringen Einkommen. Etwas leichter hätten es noch Familien mit Kindern oder Haustierhalter. Gleichzeitig beobachtet der Mieterbund, dass Vermieter immer schärfere Auswahlkriterien an ihre Mieter anlegen. „Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar, aber für den Bewerber oft hart.“

Nur Absagen

Das musste etwa Marie-Luise Böning gerade feststellen: Die selbstständige Sängerin und Gesangslehrerin hat entnervt die Wohnungssuche aufgegeben. „Ich habe mich innerhalb von drei Wochen auf 19 Wohnungen beworben und nur Absagen bekommen.“ Dabei habe sie stets alle geforderten Unterlagen von der Schufa-Auskunft bis zu Arbeitsverträgen vorlegen können. „Ich gehe davon aus, dass es daran liegt, dass ich selbstständig bin. Von anderen Selbstständigen habe ich ähnliches gehört.“

Der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, kritisierte die Bundesregierung dafür, dass sie ihre Pläne zum Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in der laufenden Legislaturperiode nicht beherzt genug umsetze. Es ist schon jetzt sicher, dass sie das nicht schaffen wird.“ Derzeit würden deutschlandweit nur 300 000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut – viel zu wenig, meint Siebenkotten: „Wenn das so weitergeht, haben wir bald nicht nur Demonstrationen, sondern dann wird es irgendwann zu echten sozialen Verwerfungen kommen.“

Verdichten statt Zersiedeln

Der Rostocker Mietervereinsvorsitzende, Bausenator Holgar Matthäus (Grüne), rechtfertigte die Rodung von Grünflächen für den innerstädtischen Wohnungsbau: „Es ist ein Urkonflikt, den wir lösen müssen: Soll sich die Stadt immer weiter ausdehnen mit einer immer größeren Infrastruktur oder wollen wir diese Zersiedelung begrenzen und die Bebauung innerhalb der Stadt verdichten?“ Wichtig sei dabei, die betroffenen Anwohner mitzunehmen. „Zusätzliche Bebauung hat ja auch Vorteile: Das soziale Gefüge wird gestärkt, und durch die höhere Kaufkraft können auch mehr Einkaufsmöglichkeiten im Viertel entstehen“, so Matthäus.

Axel Büssem

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