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Rostock Millionen-Betrug bei kommunaler Pensionskasse in MV
Mecklenburg Rostock Millionen-Betrug bei kommunaler Pensionskasse in MV
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19:00 26.04.2018
Um viel Geld geht es bei den Untreue-Vorwürfen unter dem Dach des Kommunalen Versorgungsverbandes MV. Millionen soll ein Mitarbeiter abgezweigt haben. Quelle: Patrick Seeger
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Rostock

Beamte in Städten und Gemeinden des Landes können aufatmen: Die Justiz hat einen schweren Fall von Veruntreuung vereitelt. Ein Mitarbeiter der Versorgungsausgleichskasse der Kommunalverbände (VAK) in Kiel, die auch Pensionen von MV-Beamten verwaltet, soll mehrere Millionen Euro abgezweigt haben. Mittlerweile sei ein Großteil des Geldes aber sichergestellt.

Die Geschichte klingt wie die Vorlage für einen Krimi: Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung der VAK soll einen Millionenbetrag der Beamten-Pensionen beiseite geschafft haben, auf verschiedene Konten verteilt. Von fünf Millionen Euro ist die Rede. Medienberichten zufolge sei der Mann bereits in Ägypten abgetaucht. Ganz so verhalte sich der Fall nicht, erklärt Henning Hadeler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kiel. Der Tatverdächtige sei „nicht in Ägypten“, sondern halte sich in Deutschland auf, sei auf freiem Fuß. Fluchtgefahr werde derzeit nicht gesehen. Ermittelt werde „wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall“.

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Dem Mann werde vorgeworfen, die Altersvorsorge für Beamte abgezweigt zu haben. Hadeler spricht von einem „Vermögenstransfer im einstelligen Millionenbereich“. Und er beruhigt: Das meiste Geld sei bereits wieder da. „Wir konnten vermögenssichernde Maßnahmen in erheblichem Umfang durchführen.“ Heißt: Das Geld wurde sichergestellt.

Der kommunale Versorgungsfonds übernimmt unter anderem die Altersvorsorge von 2200 Beamten in MV. „Wir hoffen, dass am Ende gar kein Schaden entstehen wird“, sagte Verwaltungsdirektor Matthias Köpp gestern. Er ist auch Geschäftsführer des Landkreistages MV. Beim veruntreuten Geld habe es sich auch „um Versorgungsleistungen für Beamte gehandelt“, so Köpp. Also Pensionen. Die VAK, die Kasse in Kiel, ist ein Dienstleister, der unter anderem Ruhegehälter, Witwen- oder Waisengelder für Beamte verwaltet. Das Schweriner Innenministerium ist als Rechtsaufsicht in den Fall eingebunden. Wenn Umstände und Schadenshöhe feststehen, „werden die künftigen Sicherungsvorkehrungen gegen Veruntreuungen zu erörtern sein“, so eine Sprecherin.

„Da scheinbar auch das Controlling des Versorgungsverbandes eklatant versagt hat, verlangen wir effektivere Schutzmechanismen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann“, fordert Dietmar Knecht vom Deutschen Beamtenbund (DBB) MV. Köpp weist derlei Spekulationen zurück: Der gesamte Vorfall sei durch eigene Kontrollen der VKA ans Licht gekommen. „Dies ist ein Zeichen dafür, dass die internen Kontrollmechanismen funktionieren.“ VKA-Geschäftsführer Nils Lindemann kündigt dennoch an, „die Instrumente weiter zu optimieren“.

Große Sorge gebe es unterdessen bei Beamten im Land, sagt Gerald Krause, Landesvorsitzender der Gewerkschaft für den Kommunal- und Landesdienst. Viele hätten den Vorgang „mit Entsetzen“ aufgenommen. Sie zahlten monatlich einen Teil in den Versorgungsfonds ein. DBB-Vorsitzender Knecht fordert „eine schnelle, lückenlose Aufklärung“. Beamten dürften keine finanziellen Nachteile entstehen.

Pubantz Frank