Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Millionen-Schäden: Stärkste Ostsee-Sturmflut seit 2006
Mecklenburg Rostock Millionen-Schäden: Stärkste Ostsee-Sturmflut seit 2006
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:44 06.01.2017
Ein Fischkutter liegt an der polnischen Ostseeküste am Strand. Sturmtief „Axel“ ist mittlerweile nach Russland weiter gezogen. Quelle: Marcin Bielecki
Binz/Greifswald/Wismar/Rostock/Heringsdorf/Sassnitz

Die stärkste Ostsee-Sturmflut seit zehn Jahren hat an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Die Schutzanlagen hielten aber den Naturgewalten am Mittwochabend stand, Menschen kamen nicht zu Schaden. Touristische Wahrzeichen, wie Rügens berühmte Kreidefelsen oder das Holstentor in Lübeck, blieben unversehrt.

Das schwerste Ostsee-Sturmhochwasser seit 2006 verursachte vor allem auf Usedom und Rügen große Schäden an den Küsten. Die Städte kamen glimpflicher davon. Touristische Wahrzeichen, wie die Rügener Kreidefelsen, blieben unversehrt.

Besonders getroffen wurden die Inseln Usedom und Rügen mit Abbrüchen an Steilküsten und Dünen. Die Seebrücke in Ahlbeck auf Usedom, bekannt aus dem Loriot-Film „Pappa ante portas“, wurde leicht beschädigt. Schwerer traf es die Seebrücke von Koserow auf derselben Insel. Die Küstenstädte von Wismar bis Stralsund kamen trotz sehr hoher Wasserstände glimpflich davon. Keller liefen voll, ebenso einige geparkte Autos. Überflutete Straßen waren gesperrt.

„Es war die stärkste Sturmflut seit 2006“, sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstandsdienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). An der Ostsee lagen vielerorts die Pegelstände am späten Mittwochabend zwischen 150 und 170 Zentimeter höher als üblich. In Lübeck wurden sogar 1,79 Meter und in Wismar 1,83 Meter gemessen. Nach dem Erreichen der Höchststände in der Nacht habe sich das Wasser im Vergleich zu früheren Sturmfluten nur langsam zurückgezogen, ergänzte BSH-Mitarbeiterin Ines Perlet.

Noch am Donnerstagmittag wurden vielerorts Wasserstände von etwa einem Meter über Normal gemessen. An einigen Küstenabschnitten stieg das Wasser sogar noch, etwa im Oderhaff und in der Darß-Zingster Boddenkette, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte. Grund sei, dass Wassermassen aus der Ostsee noch immer ins Landesinnere abfließen. Gefahren drohen dort aber offenbar nicht.

Backhaus kündigte zehn Millionen Euro Soforthilfen für die Beseitigung der Sturmflutfolgen in Mecklenburg-Vorpommern an. Mit einem Flugzeug soll am Freitag die gesamte Küste von Usedom bis zur Landesgrenze nach Schleswig-Holstein abgeflogen werden, um die Schäden zu dokumentieren.

Die Hansestadt Stralsund, Unesco-Welterbe, meldete nur wenige Überschwemmungen. „Das Welterbe ist nicht in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagte ein Stadtsprecher. Es sei ein Glücksfall, dass Rügen vorgelagert wie ein Puffer gewirkt habe. Auch die Hochwasserschutzanlagen haben sich ausgezahlt. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden allein in Mecklenburg-Vorpommern rund 400 Millionen Euro investiert, wie Minister Backhaus sagte. Da in Stralsund die Hafeninsel teilweise überflutet wurde, wurde das Ozeaneum - Mecklenburg-Vorpommerns besucherstärkstes Museum - mit Spundwänden gesichert.

Größere Schäden auf Usedom und Rügen

Auf der Insel Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Es wurde dort die Alarmstufe 3 ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin habe es Steiluferabbrüche gegeben. Treppenaufgänge, Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden seien weggerissen worden, sagte der Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim. „Das ist kein Kindergeburtstag. Das ist schlimmer als erwartet.“ Umweltminister Till Backhaus (SPD) machte sich am Donnerstagnachmittag in Zempin selbst ein Bild von den Folgen.

Auf der Insel Rügen überspülte das Hochwasser im Bereich Mönchgut-Granitz eine Straße und schnitt einen Ortsteil von der Hauptgemeinde Gager ab. Das Wasser stand rund 40 Zentimeter hoch auf der Zufahrtsstraße. Zudem wurde nach Feuerwehrangaben auf Mönchgut-Granitz ein Deich auf etwa 100 Meter Länge überflutet. Menschen seien nicht gefährdet, hinter dem Deich lägen Wiesen. Rund 120 Feuerwehrleute seien dort alarmiert worden. Im Stadthafen Sassnitz stand das Wasser 1,40 Meter über dem Normalpegel. Dort rückte die Feuerwehr mit 22 Mann aus, um mit Sandsäcken ein Restaurant vor den Fluten zu sichern. Am Strand von Binz und Prora wurden die Düne streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern abgebrochen, Strandaufgänge in größerem Umfang zerstört. Der Binzer Bürgermeister Karsten Schneider schätzte den Schaden allein in seinem Abschnitt auf etwa eine halbe Million Euro. Die Schäden seien mit eigener Technik nicht bis zum Saisonbeginn zu beseitigen. Unversehrt blieben die berühmten Kreidefelsen von Rügen. „Wir haben alles kontrolliert, es gibt keine Abbrüche“, sagte Ingolf Stodian vom Nationalparkamt nach einer Inspektionsfahrt. Lediglich die Schuttkegel vor den Kreidefelsen seien am Mittwoch weggewaschen worden. Sie sind das Ergebnis der ständigen Verwitterung an der vordersten Kreideschicht.

Höchster Pegel: 1,83 Meter in Wismar

In Wismar liefen bei einem Pegelstand von 1,83 Meter – zehn Zentimeter über dem erwarteten Wert – im Hafenbereich der Altstadt einige Keller voll, wie Stadtsprecher Marco Trunk sagte. Der Pegelstand habe einer schweren Sturmflut entsprochen. Teile des Alten Hafens waren überflutet.

In Rostock entlang der Warnow waren viele Häuser in einem zwei Kilometer langen Abschnitt gefährdet. Eine Straße war über mehrere Kilometer wegen des Hochwassers gesperrt, in Häuser drang Wasser ein.

Der Küstenbereich in Heiligendamm und Kühlungsborn kam relativ gut davon. Nach Angaben der Koordinierungsgruppe Stab des Landkreises Rostock lag der Höhepunkt gegen Mitternacht bei 1,60 Meter. Vielerorts stieg das Wasser nicht weiter als bis zu den Dünen. Die Wehren aus Bad Doberan, Kühlungsborn, Börgerende-Rethwisch und Graal-Müritz hatten die Strandbereiche regelmäßig kontrolliert, aber keine weiteren nennenswerten Einsätze.

Im Ostseebad Boltenhagen hat die Sturmflut keine wesentlichen Schäden angerichtet. „Es war schon kritisch. Aber da die Flut angekündigt war, waren wir gut vorbereitet“, sagte Wehrführer Sebastian Hacker. Haupteinsatzort war der westliche Ortsteil Redewisch, wo Wasserstände von 1,80 Meter erreicht wurden. „Angekündigt waren 1,50 bis 1,60 Meter“, so Hacker. Deshalb hatten die Kameraden in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bauhof bereits im Vorfeld 3000 Sandsäcke ausgelegt, im Laufe des Abends kamen mehr als 3000 dazu. Dafür waren insgesamt 58 Feuerwehrleute aus Boltenhagen, Elmenhorst, Damshagen und Hohenkirchen im Einsatz.

In Lübeck wurden mindestens acht Autos aus überfluteten Flächen gezogen. Zugänge zur Altstadt waren vom Bereich der Untertrave für Fußgänger nicht mehr passierbar.

Sperrung der Petersdorfer Brücke verschoben

Der für Donnerstag geplante Abriss-Start für die erste Teilbrücke der Petersdorfer A 19-Autobahnbrücken nahe Malchow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) wird um knapp eine Woche verschoben. Das teilte das Schweriner Verkehrsministerium mit. Damit entfiel auch die geplante Vollsperrung der Autobahn am Mittwoch, bei der die alte Brücke zur Vorbereitung quer aufgeschnitten werden sollte. Die Arbeiten seien bei Sturm aus Sicherheitsgründen nicht möglich, hieß es von der Fernstraßenbaugesellschaft Deges (Berlin).

1

Mehr zum Thema

Zehntausende Fahrgäste machen am Sonntag bei der Fahrt im ICE die Probe aufs Exempel: Funktioniert das neue WLAN im Zug wirklich?

31.12.2016

Für Mittwoch auf Donnerstagnacht sagt das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie die Gefahr einer Strumflut an der Ostseeküste vorher.

04.01.2017

Ein ICE der Deutschen Bahn hat vergessen, in Wittenberg zu halten. Der Lokführer sei am Morgen am Bahnhof der Lutherstadt ohne Halt vorbeigefahren, teilte die Bahn mit.

04.01.2017

Gesamtschule bietet technische und naturwissenschaftliche Projekte an / Im Land gibt es sieben Mint-Schulen

02.03.2018

Dänische Familie Petersen hat Gewerbepark im Tannenweg ausgebaut / Charme der Immobilien wird erhalten / Auch drittes Speicherhaus soll Bürokomplex werden

29.01.2018

In der Kleingartenanlage „Mooskuhle“ bewirtschaften Mädchen und Jungen der Jenaplanschule wöchentlich einen Schulgarten / Hilfe von den „alten“ Nachbarn

02.03.2018