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Rostock Mit Qigong das Herz leeren und den Geist beleben
Mecklenburg Rostock Mit Qigong das Herz leeren und den Geist beleben
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00:00 21.07.2017
Teilnehmer der Aktion „Qigong im Park“ beim Üben. Quelle: Foto: Kai Erxleben
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Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Kai Erxleben (49, Qigong-Lehrer der Deutschen Qigong Gesellschaft) darüber, was Qigong eigentlich ist und was es bewirken kann.

Kai Erxleben bei der Übung „Wolkenhände“. Der Rostocker lehrt seit mehr als 15 Jahren die chinesische Tradition des Qigong. Quelle: Foto: Arppe

Üben im Barnstorfer Wald

25. Juni und 27. August, jeweils 10 Uhr mit Kai Erxleben. www.qigong-kai-erxleben.de Die Teilnahme ist kostenfrei. Treffpunkt: Verkehrsgarten im Barnstorfer Wald, geübt wird auf der Wiese nebenan.

Hat Qigong Ihr Leben verändert?

Kai Erxleben: Ja, absolut.

Inwiefern?

Wenn man damit anfängt, Qigong zu üben, ist das ein Prozess. Man bekommt eine andere Wahrnehmung von sich selbst. Körperlich und mental, emotional. Man bekommt einen anderen Blick auf sich und die Umwelt.

Wann sind Sie dann zum Qigong gekommen?

Das hatte mit meiner Arbeit an der Klinik in Heiligendamm zu tun, die ich 2001 begonnen habe. Das ist eine Klinik für Psychosomatik und Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Die hatten auch Qigong als Therapieangebot. Als ich angefangen habe, gab es nur zwei Therapeutinnen, die das konnten und ich habe dann auch einen Kurs gemacht, um das zu lernen. Der Kurs ging aber nur über drei Wochenenden.

Und ich hatte danach gemerkt, dass ich von dem Thema noch überhaupt nichts weiß und dass ich das vertiefen möchte. Ich bin dann auf die Deutsche Qigong-Gesellschaft gekommen und habe dort eine Ausbildung begonnen, die über drei Jahre ging.

Was heißt Qigong eigentlich?

Qigong (sprich „Tschigong“) besteht ja aus zwei Silben. Die einfachere Silbe, das Gong, wird übersetzt als beharrliches Üben oder auch Arbeit. Schwieriger ist es mit dem Qi. Wir Westler haben dafür keine richtige Entsprechung. Es wird umschrieben als Lebensenergie. Das heißt, das Qi ist das, was mich befähigt zu reden, mich zu bewegen, zu verdauen, usw.. Alle Lebensäußerungen sind nur möglich durch das Qi, das ich habe. Mehr oder weniger viel davon. Qigong bedeutet also Arbeiten mit oder an der Lebensenergie.

Das ist auch das, was die Übungen grundsätzlich von Gymnastik unterscheidet. Es geht nicht darum, seinen Körper zu trainieren nach dem Motto höher, schneller, weiter. Es geht darum, viel Qi zu haben und das Qi zum Fließen zu bringen.

Qigong ist also nicht einfach ein Sport. Kann man in ein paar Sätzen beschreiben, was es ist und was es bewirken kann?

Um das Qi zu kultivieren und zum Fließen zu bringen, kann man ganz unterschiedlich üben. Zunächst einmal kann es um Entspannung gehen, sowohl physisch als auch mental. Ein anderer möglicher Schwerpunkt wäre, zu sich bzw. in seine Mitte zu kommen, also Meditation in Bewegung. Es ist auch möglich, den Gedanken der Prävention in den Mittelpunkt zu rücken. Also üben, um gesund zu bleiben. Auch wenn schon verschiedene Störungen aufgetreten sind, kann ich Qigong üben, um wieder gesund zu werden oder um besser mit den Beschwerden umgehen zu können. Qigong ist auch ein wichtiger Bestandteil des „yangsheng“, der Lebenspflege. Da geht es darum, mit dem eigenen Leben in all seiner Vielfalt so pfleglich wie möglich umzugehen.

Was bringt mir das regelmäßige Üben im Alltag?

Man kommt mehr zu sich, zu seiner Mitte. Damit verfügt man über ganz andere Ressourcen, um mit den Anforderungen des Alltags umzugehen. Wenn man etwa in stressigen Situationen ist, kann man da gestärkter durchgehen. Man wird nicht so leicht aus der Bahn geworfen. Man findet nach dem Stress einfacher in die Entspannung.

Kann ich Qigong auch ohne Anleitung zu Hause üben?

Ja, das sollte man sogar. Wenn möglich, täglich. Vorausgesetzt natürlich, man hat vorher eine Übung oder Übungsreihe erlernt.

Die Unterrichtsstunde bei Ihnen beginnt mit einer Verbeugung und der Aufforderung an die Teilnehmer „Leere das Herz“ – Diese Assoziation ist für uns kopflastige Europäer schwer zu verstehen. Was ist damit gemeint?

Für uns sitzt der Geist im Gehirn. Bei den Chinesen ist das anders, da sitzt der „Shen“, also der Geist im Herzen. Die Aufforderung, das Herz zu leeren, bedeutet, sich vor dem Üben möglichst von eigenen Meinungen, Vorstellungen, Konzepten, Erwartungen zu lösen, um frei zu sein für das, was kommt, nämlich die Übungen. Bildlich gesprochen: Man muss die Tasse erst mal leeren, um sie neu zu füllen.

Auch Yoga zählt zu den „Bewegungskünsten“ aus dem Osten. Yoga ist inzwischen in der westlichen Welt zum richtigen Lifestyle-Kult geworden, es gibt Yoga-Magazine, Yoga-Mode, Yoga-Wohnaccessoires

Qigong scheint nicht ganz so populär und verbreitet zu sein. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Zuallererst ist Yoga natürlich populärer, weil es viel früher als Qigong seinen Weg in den Westen gefunden hat. Ich vermute außerdem, dass die Yoga-Asanas (Übungsreihen) mehr in Richtung Sport gehen. Mehr dem Verständnis von Übungen entsprechen, die Westeuropäer haben. Qigong-Übungen sind nicht so sportlich. Es geht nicht darum, dass man körperlich beweglicher oder kräftiger wird. Es geht nicht darum, irgendwelche abgefahrenen Positionen besonders lange halten zu können. Es ist einfach nicht so schick. Außerdem gibt es hier im Westen weder beim Yoga noch beim Qigong noch die ursprünglichen Übungsformen. So was wie Power-Yoga hätte es früher nicht gegeben. Es ging eher darum, den Geist zu kultivieren über körperliche Übungen.

Beim Qigong steht heute immer noch das Qi im Mittelpunkt und nicht die körperliche Kräftigung. Das ist der wesentliche Unterschied.

Was ist zu beachten für Teilnehmer, die noch überhaupt keine Erfahrung mit Qigong gemacht haben?

Dass sie grundsätzlich Lust drauf haben, Qigong zu üben. Man benötigt kein bestimmtes Vorwissen oder spezielle Fähigkeiten. Also nicht zu hohe Erwartungen zu haben, was generell schwierig ist bei neuen Sachen. Die Teilnehmer sollten einfach offen und neugierig sein.

Haben Sie noch Pläne im Bereich Qigong?

Ja, ich plane neue Kurse. Zum Beispiel Qigong mit Schwangeren. Ich arbeite gerade an einem Konzept. Wenn alles gut läuft, beginnt noch dieses Jahr ein Kurs.

Das zweite ist das Qigong mit Kindern. Meine Tochter geht in die Kita und wird nächstes Jahr vier. Dann würde ich gern mit der großen Gruppe Qigong üben. Ach ja, und im November findet ein Wochenend-Seminar statt: „Qigong und Kochen im Winter“. Wir kochen dann Wintergerichte nach den Fünf Elementen und üben Qigong.

Interview: Anke Ruedel

OZ

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