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Rostock Mit dem Rad durch die Weltgeschichte
Mecklenburg Rostock Mit dem Rad durch die Weltgeschichte
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18:03 21.12.2018
Fast zweieinhalb Jahre auf Tour: Robert Gläser (l.) und Tobias Fronk haben mit ihren Fahrrädern die Welt bereist. Quelle: RobTob-Ahoi
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Stadtmitte

Es ist die wohl abenteuerlichste Radtour ihres Lebens: Zwei Jahre und vier Monate lang haben Tobias Fronk (32) und Robert Gläser (33) mit ihren Bikes die Welt bereist und dabei 28 Länder durchradelt. „Ich hätte Bock, gleich wieder aufzusteigen und die nächsten zwei Jahre quer durch Afrika zu fahren“, sagt Robert. Dabei ist er quasi eben erst in seiner Heimat vom Sattel gestiegen – nach insgesamt gut 19 500 Kilometern.

Dass die Rostocker so lange weg sein würden, war genauso wenig geplant wie Reiseroute und -ziel: Eigentlich wollten die Beiden binnen eines Jahres bis nach Australien kommen, gelandet sind sie in Neuseeland. Bis dahin reisen sie im wahrsten Sinne des Wortes durch die Weltgeschichte. Ob Osteuropa, Vorder- oder Südostasien: Wo immer Robert und Tobias haltmachen, gewähren ihnen die Einheimischen Einblicke in ihre Kultur, ihre Geschichte, ihr Leben.

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Armee-Eskorte durchs Krisengebiet

Die XXL-Radtour, für die Beide ihre Jobs und Wohnungen gekündigt hatten, hält viele Überraschungen bereit. Die meisten sind zum Neidischwerden. Doch einmal geraten die Freunde mitten hinein ins Krisengebiet: In Südthailand kämpfen islamische Separatisten gegen die Regierung. An dem Fleck, an dem die Rostocker mit Kindern Fußball spielen, fliegt zwei Tage später ein Krankenhaus in die Luft. Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden schon im nächsten Land. Die thailändische Armee hatte sie mit zwei Pickups und einem Laster voller Bewaffneter im Schlepptau zur Grenze eskortiert. „Wir haben uns nie in Gefahr gefühlt, aber wir hatten auch Glück“, sagt Tobias.

Mit ihren Fahrrädern haben Robert Gläser und Tobias Fronk 28 Länder durchfahren. Bilder ihrer XXL-Tour.

Bei Warnungen des Auswärtigen Amtes sind sie skeptisch. „Hätten wir uns immer danach gerichtet, wären wir nie im Iran gewesen“, sagt Robert. „Und das war das schönste Land unserer Reise“, ergänzt Tobias. Dort hätten sie fünf Wochen lang grenzenlose Gastfreundschaft erlebt. „Egal, wo wir hinkamen, wir gehörten sofort zur Familie. Davon können wir Europäer verdammt viel lernen“, erzählt Robert. Vor allem, dass die Welt in Wirklichkeit sehr viel schöner sei, als es TV-Nachrichten vermuten ließen. „Fernseher aus und raus – du wirst es nicht bereuen.“ auf ihrer Reise hätten sie gelernt, offen auf andere zuzugehen ohne dem Gegenüber das eigene Weltbild aufzudrücken oder dessen Eigenheiten abzuwerten, sagt Tobias. Als guter Eisbrecher in der Fremde habe sich Sport erwiesen. „Eine Runde Fußball spielen und die Sache läuft.“

Glücksmomente am Ende der Welt

Sportlich müssen die Jungs auf der Strecke auch sein. Nur wenige Etappen überwinden sie per Flugzeug, Zug oder Fähre, die meiste Zeit müssen sie strampeln. Vor allem die Bergregionen verlangen ihnen viel ab. „Dann heißt es in den Esel-Modus schalten“, scherzt Tobias. Die Beine brennen, aber halten durch. Genauso wie das Equipment. „Ich hatte meinen letzten Platten vor zwei Jahren“, sagt Robert. Für jede Strapaze werden die Weltenbummler belohnt – mit einem abgelegenen Dorf, das Pauschalreisenden oder busfahrenden Backpackern verborgen bleibt, mit überwältigender Natur und mit Menschen, die noch nie jemanden aus der westlichen Welt begegnet waren und die beiden willkommen hießen. Für solche Glücksmomente nehmen die Rostocker gern einen Umweg in Kauf, radeln abseits ausgetretener Pfade. Wo es ihnen gefällt, bleiben sie länger, manchmal für Wochen. „Wir sind keine Rekordjäger. Wir versacken gern“, erklärt Tobias. Deshalb schlagen sie keine Einladung aus. „Überlass’ es dem Zufall und du wirst positiv überrascht“, sagt Robert. Der Mensch brauche ohnehin nicht viel, um glücklich zu sein. Essen, ein Schlafplatz, eine Dusche – das genügt. „Mit 25 Euro am Tag kommt man mehr als gut über die Runden.“ Das Geld haben sich die Beiden vor Reiseantritt zusammengespart. Hin und wieder steuern Freunde und Verwandte kleine Spenden bei.

Zwischen Armut und Luxus

Die Nächte verbringen Tobias und Robert an den unterschiedlichsten Orten: Sie campen unterm Himmelszelt oder in einem Tempel, schlafen in der bescheidenen Behausung einer Großfamilie, die kaum selbst etwas zum Leben hat oder genießen den Luxus einer Industriellenvilla oder eines Penthouses in Singapur. Nur einmal gibt’s ein unschönes Erwachen: In Malaysia übernachten sie auf dem Hof einer Moschee. Weil einer von zwei Muezzins davon aber nichts weiß, holt der die Polizei. „Die standen plötzlich vor uns mit Sturmgewehren im Anschlag“, sagt Robert. Das Missverständnis klärt sich auf. Wie immer hilft der deutsche Pass. „Mit dem bist du überall willkommen. Die Welt wird dir auf dem Silbertablett serviert“, sagt Robert.

Grafik für Online-Nutzung als jpg-Bilddatei. Radtour um die Welt, RobTob Quelle: Arno Zill

Auf Tour sind die Rollen verteilt: Tobias beantragt Visen, kümmert sich um Schlafplätze. Robert kocht und wartet die Räder. Klar, herrscht nicht durchweg eitel Sonnenschein. „Wir waren zweieinhalb Jahre lang verheiratet, da gibt es auch mal Ehekrach“, sagt Robert und lacht. Ernsthaft Stress habe es aber nie gegeben. „Man muss dem anderen Freiräume lassen. Jeder hatte sein eigenes Zelt, das hilft.“ Noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass es meist Nichtigkeiten sind, mit denen sie sich auf die Ketten gehen. „Dann haben wir uns gesagt: ,Wir erleben so eine geile Zeit, worüber streiten wir überhaupt?’“

Das Duo trennt sich

Irgendwann trennen sich ihre Wege doch. Im August dieses Jahres entscheidet Tobias: Es reicht. „Ich war radelmüde, hatte Heimweh.“ Von Frankreich aus fährt Robert allein weiter bis nach Rostock. Sein einstiger Weggefährte lässt es sich aber nicht nehmen, ihm entgegenzuradeln. Zusammen fahren sie über Rostocks Stadtgrenze zur Haedgehalbinsel, wo ihre Reise vor fast zweieinhalb Jahren begann. Endstation? Vorläufig ja. „Jetzt müssen wir erst mal wieder Geld verdienen“, sagt Tobias. Der Geograf lässt sich gerade im Bereich Geo-Informationssysteme fortbilden, Robert fängt am 2. Januar auf der Werft in Warnemünde an. Vorher aber reist er nochmal: Die Feiertage verbringt er in Spanien. "Aber ohne Fahrrad. Ich geh’ Wandern.“ Und die Radtour um die Welt? Eine einmalige Sache? „Vielleicht machen wir so was nie wieder. Vielleicht doch und nehmen den Zug, wer weiß. Unser Plan ist es wie immer, keinen Plan zu haben.“

Blog: www.robtob-ahoi.de

http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ribnitz-Damgarten/Zwei-Rostocker-radeln-nach-Australien

Antje Bernstein

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