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Rostock Munch-Haus Warnemünde: Berühmter Birnbaum bei Sturm umgekippt
Mecklenburg Rostock Munch-Haus Warnemünde: Berühmter Birnbaum bei Sturm umgekippt
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20:00 10.09.2019
Ulrich Groß vom Vorstand des Edvard-Munch-Hauses und Wehrführer Thomas Hellwig inspizieren den Schaden. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Mehr als 150 Jahre hat er überlebt, zahlreichen Winden standgehalten und unzähligen Besuchern ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Doch in der vergangenen Nacht ist der berühmte Birnbaum im Garten des Warnemünder Edvard-Munch-Hauses einem Sturm zum Opfer gefallen und muss gefällt werden.

Feuerwehr sieht keine Chance

Noch Ende dieser Woche wird die Freiwillige Feuerwehr Warnemünde sich des umgestürzten Baumes annehmen. „Zunächst müssen wir die Last vom Nachbardach nehmen“, erklärt Wehrführer Thomas Hellwig am Dienstagnachmittag. Stück für Stück werden die Feuerwehrmänner die Äste kürzen. Anschließend müsse der schätzungsweise 400 Kilogramm schwere Stamm gestützt werden.

Der über 150 Jahre alte Birnenbaum ist wegen eines Sturms entwurzelt worden. Aktuell wird er vom Dach des Nachbarhauses gestützt. Quelle: Susanne Gidzinski

„Ansonsten besteht die Gefahr, dass er umkippt und weitere Schäden verursacht“, meint der Experte während der örtlichen Begutachtung. Erst dann könne der hintere Ast heruntergeholt werden. „Das ist eine Arbeit von mindestens fünf Stunden. Schnell lässt sich das nicht machen“, kündigt Hellwig an. Voraussichtlich am Freitagnachmittag wird er mit mindestens sechs Kollegen, einigen Leitern und Seilen anrücken.

Auf Wunsch der Vereinsmitglieder werde die Feuerwehr versuchen, so viel wie nur möglich vom Stamm zu erhalten. Eine Rettung des Baumes ist ausgeschlossen. Zu schwer sei der Schaden am Wurzelwerk und zu alt der Baum selbst.

Wunderbaum erreichte ungewöhnliches Alter

Noch immer fassungslos betrachtet Galeristin Rita Helm den Garten des alten Fischerhauses. Bereits am frühen Morgen erreichte sie ein Anruf mit der Information, dass der alte Baum umgekippt sei. „Ich habe mir schon das Schlimmste ausgemalt“, gesteht sie. „Wir sind froh, dass niemandem etwas passiert ist und sich der Schaden in Grenzen hält“, ergänzt Ulrich Groß vom Vorstand des Edvard-Munch-Hauses.

Helm vermag sich gar nicht vorzustellen, wie der Garten ohne das Naturdenkmal aussehen wird. „Erst letzten Sonntag waren Besucher hier, die sich den berühmten Birnbaum angeschaut und ihn umarmt haben“, berichtet sie. Dass der Baum überhaupt so lange überlebt habe, grenze ihrer Meinung nach an ein kleines Wunder: „Birnbäume werden nicht so alt. Normalerweise stehen sie etwa 50 bis 60 Jahre.“

Das Munch-Haus Warnemünde (M.) wird gern besucht. Quelle: Archiv

Bereits zu Lebzeiten des berühmten Malers sei die „Beeregrie Birne“ – so nennt sich die Obstsorte, die es heute nicht mehr gibt – hundert Jahre alt gewesen. Das würden zumindest Unterlagen belegen. Mehrfach habe Munch den Baum in Szene gesetzt und sich von ihm inspirieren lassen. Auch andere Künstler verzauberte er, wie Helm bestätigt: „Wir hatten einmal einen Norweger hier, der die Früchte erst gemalt und anschließend gegessen hat.“ Die Erinnerung daran lässt sie traurig werden. Zu schade finde sie die Vorstellung, dass nun niemand mehr den Baum in seiner vollen Pracht erleben würde.

Verein will Andenken wahren

Damit das Naturdenkmal dennoch nicht in Vergessenheit gerät, habe der Verein einige Ideen gesammelt. „Wir überlegen, ob wir Künstler einladen, die aus dem übrig gebliebenen Holz ganz individuelle Werke schaffen“, verrät Groß. Auch der Stumpf soll nach Möglichkeit im Garten stehen bleiben. Außerdem seien vor vielen Jahren Stecklinge der Pflanze in verschiedene Gärtnereien gegeben worden. Vier davon seien herangewachsen. „Es wäre eine Überlegung wert, ob wir einen der Birnbäume zu uns holen und im Innenhof wieder eingraben“, so das Vereinsmitglied. Ob das klappt, sei allerdings ungewiss. „Das sind nur unsere ersten Gedanken. Wie es weiter geht, müssen wir noch ausführlich beraten.“

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Von Susanne Gidzinski

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