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Rostock Nach 1000 Tagen Weltreise: Liedermacherin Bea ist zurück in Rostock
Mecklenburg Rostock Nach 1000 Tagen Weltreise: Liedermacherin Bea ist zurück in Rostock
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17:40 27.06.2019
Bea Schulz war ohne Geld und Zelt in der Welt unterwegs. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Noch kann Liedermacherin Bea Schulz es gar nicht richtig fassen: Ihre Weltreise ist vorbei. Mehr als 57 800 Kilometer hat sie in den vergangenen 1000 Tagen zurückgelegt – viele davon zu Fuß oder per Anhalter. Nun ist die 55-Jährige zurück in ihrer Heimat. „Das Schild von Rostock wiederzusehen, war einfach unglaublich“, sagt sie noch mit zitternder Stimme. Eigentlich wollte Schulz auf den letzten Metern singen, doch dafür sei sie zu „geflasht“. 53 Länder hat sie auf ihrer Reise gesehen. Zuletzt wanderte sie über den Jakobsweg „Via Baltica“, bevor sie am Donnerstag an der Mole in Warnemünde angekommen ist.

Einen Tag zuvor erreichte die Liedermacherin bereits das Trihotel in Rostock. Dort wurde sie nicht nur von Inhaber Benjamin Weiß und mehreren Freunden empfangen. Auch Tochter Vivien war extra aus Braunschweig angereist, um ihre Mutter zu begrüßen. Je näher der Zeitpunkt der Rückkehr kam, desto aufgeregter wurde die 22-Jährige. „Unser letztes Treffen ist gar nicht so lange her“, sagt sie. Zwischenzeitlich hätte es aber Zeiten gegeben, da haben sich die beiden fünf Monate lang nicht gesehen.

Zwei Rucksäcke und ein Luxusgut

Beas Reise begann vor knapp drei Jahren, am 1. Oktober 2016. Zuvor hatte sie all ihren Besitz bis auf vier Kisten voller Erinnerungsstücke und zwei Rucksäcke aufgegeben. Die Kisten blieben bei einem guten Freund im Keller, die 15 Kilogramm Gepäck kamen mit. Ihr einziges Luxusgut: ein Tablet, welches ihr den Kontakt nach Hause ermöglichte. „Ich bin damals losgezogen, ohne zu wissen, was kommen wird“, erinnert sich die Rostockerin zurück. Ihr Abenteuer begann in Barcelona mit dem spanischen Jakobsweg. Seitdem war sie ohne Zelt und Geld in der Welt unterwegs.

Für ihren Lebensunterhalt hat Liedermacherin Bea hauptsächlich gesungen, zumeist Friedenslieder. Das Geld für die Flüge habe sie sich von einem guten Freund geliehen. Wohin es gehen sollte, habe sich gefügt. Bea reiste quer durch Europa, Asien, Ozeanien, Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika. Dabei war ihre Weltreise keine Rundreise. „Ich bin sternförmig gereist und immer wieder zurück nach Deutschland gekommen, um meine Tochter und Eltern zu sehen“, sagt die ehemalige Lehrerin. Ihr Vater sei bereits 87 Jahre alt.

Berührende Begegnungen

Höhepunkte gab es auf Beas Reise viele: „Besonders berührt hat mich aber, dass ich drei Wochen lang bei Tibetern leben durfte und dort auch eine Unterrichtsstunde geben durfte. Das dürfen nicht viele.“ Ihre schönste Nacht hingegen hätte die Pilgerin in Deutschland gehabt. Bei warmen Sommertemperaturen habe sie unter der Gerichtslinde in Göttingen geschlafen. „Von diesem Baum geht eine besondere Energie aus.“

Doch nicht alle Erfahrungen, die die Songwriterin gemacht hat, waren auch positiv. Ein Mal habe sie sich durch eine Männergruppe bedroht gefühlt. „Eine Mutter und ihre Tochter haben die Situation aber rechtzeitig erkannt und mich mit zu sich nach Hause genommen“, erzählt sie. Trotz ärmlichen Verhältnissen hätte die Familie ihr ein Palettenbett freigeräumt. „Ich habe den ganzen Abend geweint, so überwältigt war ich von dieser Hilfsbereitschaft.“ Nicht überall sei diese selbstverständlich gewesen.

„Was machst du mit den unzähligen Menschen, die du während deiner Reise ins Herz geschlossen hast?“, fragt eine Bekannte kurz nach Beas Ankunft in Rostock. „Zu einigen ist eine so tiefe Bindung entstanden. Mit denen schreibe ich auch heute noch über Whatsapp, Facebook oder Instagram“, antwortet die Weltenbummlerin. Ein paar ihrer neu gewonnenen Freunde möchte sie außerdem bei Gelegenheit mal nach Deutschland einladen.

Kaum Pläne für die Zukunft

Doch wie geht es nun weiter für Bea? „Es war immer klar für mich, dass ich irgendwann zurückkommen werde“, sagt sie. Dabei hätte es durchaus Länder gegeben, in denen sie sich ein Leben hätte vorstellen können. Chile sei eines davon gewesen. „Rostock und Warnemünde sind aber einfach meine Heimat.“ Eine Wohnung hat Bea noch nicht. In den kommenden drei Wochen werde sie vorerst ein Haus in der Nähe von Braunschweig hüten. Alles danach sei noch offen.

„Irgendwann werde ich aber hier wohnen. Momentan fühlt es sich so an, als ob der 1. Oktober der richtige Zeitpunkt dafür sein wird“, so die Liedermacherin. Dann hätte sie genau vier Jahre lang keinen festen Wohnsitz gehabt. Ob sie in ihren Job als Lehrerin zurückkehren möchte, weiß Bea noch nicht. „Es ist natürlich eine Option, aber ich weiß auch, was dann wieder auf mich zukommen würde.“ Aktuell sei die 55-Jährige so tiefenentspannt, das würde sie nur ungern aufgeben. Außerdem würde sie vorerst gern bundesweit von ihren Erlebnissen zu berichten. Der erste feste Termin dafür stehe bereits fest: am 18. Oktober um 19 Uhr in der Rostocker Stadtbibliothek.

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