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Rostock Nach Angriff auf Katze: Ganz Reez sucht den Tierquäler
Mecklenburg Rostock

Nach Angriff auf Katze: Ganz Reez sucht den Tierquäler

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16:12 19.02.2020
Das Auge von „Holly“ war nicht mehr zu retten. Das Projektil verfehlte das Gehirn nur knapp. Quelle: Stefan Tretropp
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Reez

„Zeugen gesucht“ steht in großen roten Buchstaben auf den Flyern, die Julia und Steffen Schabert aus Reez (Landkreis Rostock) im Ort an Zäunen und Laternen angebracht hat. „Unserer Katze wurde in den Kopf geschossen“, erzählt Julia Schabert.

Eine Woche nach den Schüssen auf Katze „Holly“, bei dem das Tier ein Auge verloren hat, sind die Besitzer und die Einwohner der Gemeinde Dummerstorf noch immer fassungslos. „Ich hatte viele Tränen in den Augen, war richtig fertig. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet“, sagt die 31-Jährige.

„Für mich war das ein Mensch, der kein Gewissen hat. Der sich nicht darum schert, was mit diesem Lebewesen geschieht. Der einfach auf etwas schießt, was ihn nervt. Anders kann ich mir das nicht erklären. Sonst schießt man doch nicht auf den Kopf einer Katze“, sagt Steffen Schabert. Für den 34-Jährigen war klar, dass man den Vorfall nicht „unter den Teppich kehren“ darf.

Bürgermeister: „Wir sind wachsam“

Bürgermeister Axel Wiechmann (CDU) habe der Plakataktion sofort zugestimmt. „Ich bin über diesen Angriff und diese Tierquälerei stark erschrocken. Es ist wichtig, so einen Vorfall öffentlich zu thematisieren“, begründet er seine Unterstützung. „Ich hoffe sehr, dass wir den Täter ausfindig machen, aber das wird sehr schwierig. Dennoch ist es wichtig, etwas zu unternehmen und dem Tierquäler zu zeigen, dass wir wachsam sind.“

Eine Gefahr für die Bewohner in Reez, insbesondere für die Kinder, sieht der Bürgermeister allerdings nicht. „Soweit würde ich nicht gehen. Da war ein Tierhasser unterwegs. Das ist kein ,Dummer-Jungen-Streich‘.“

Auch Olaf Wulfken, Vorsitzender des Ortsbeirates Reez, sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. „Alle finden das schrecklich. Das ist grausam“, sagt er. „So etwas haben wir hier zum Glück bisher noch nie erlebt.“ Wulfken hofft, dass die Plakataktion helfen wird, den Täter ausfindig zu machen. „Viel Hoffnung habe ich aber nicht.“

Rechtes Auge zugenäht

Am 13. Februar habe die nicht einmal ein Jahr alte Katze ihre Besitzerin um vier Uhr nachts geweckt – Julia Schabert entdeckte ein blutendes und geschwollenes Auge bei ihrem Haustier. Klarheit brachte ein anschließender Besuch in der Tierklinik Rostock.

Auf den Röntgenaufnahmen war eindeutig ein Projektil zu erkennen – 4,5 mal 4,5 Millimeter groß. „Nur durch großes Glück hat es das Gehirn um Haaresbreite verpasst“, schildert Julia Schabert erleichtert. „Derjenige muss aus der Nähe von oben direkt in das Auge geschossen haben“, vermutet die Reezerin. An anderer Stelle in Hollys Fell gibt es kein Einschussloch.

In einer Operation entfernen die Tierärzte um Dr. Jens-Christian Rudnick schließlich das Projektil aus dem Schädel. Das rechte Auge ist nicht mehr zu retten, es ist zugenäht.

Die Besitzer von „Holly“ sind schockiert über das Schicksal ihrer nicht einmal ein Jahr alten Katze

Schüsse auf Katzen nicht selten

Kerstin Lenz vom Landesverband MV des Deutschen Tierschutzbundes ist wütend und traurig über diese Tierquälerei. „Schüsse auf Katzen gibt es leider immer mal wieder – oft wird das gar nicht bemerkt. Stattdessen fällt es oft erst bei Röntgen-Untersuchungen auf, dass da noch ein Projektil vom Luftgewehr steckt“, sagt sie. „Wenn man den Täter nicht selbst gesehen hat und identifizieren kann, ist es sehr schwierig, den Schuldigen ausfindig zu machen.“

Die Tierschützerin rät dennoch, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen. „Sollte doch mal ein Täter gefasst werden, ist es wichtig, dass solche Taten dokumentiert sind“, sagt sie. „Die Strafen sind ja auch hoch – es wäre schön, wenn man auch öfter mal ein Exempel statuieren könnte.“

Lenz ist traurig, dass die „Verrohung der Gesellschaft“ immer weiter voranschreitet. „Da wird auf Hunde eingetreten, mit Igeln Fußball gespielt und auf Katzen geschossen. Das macht mich wütend“, sagt sie. „Wenn Leute ihre Aggressionen rauslassen wollen, sollen sie gegen einen Fußball treten und nicht gegen wehrlose Lebewesen, die da nichts für können.“

Tierfreunde wütend und traurig

Auch über die Facebookseite der OSTSEE-ZEITUNG bringen viele ihre Wut, Trauer und Fassungslosigkeit zum Ausdruck. „Es wird Zeit, dass ein Gesetz herkommt. Wer Tiere quält, muss härtere Strafen bekommen. So kann es einfach nicht mehr weitergehen“, schreibt etwa Kerstin Hornauer-Gungl. „Wann werden solche Menschen endlich hart bestraft?“, fragt auch Willy Schönrock. Für Petra Melchin stellen Tierquäler auch eine Gefahr für Menschen dar. „Solche Tierhasser sind psychisch schwer gestört. Sie gehören weggesperrt, denn die Grenze, dass sie auch Menschen angreifen, ist unter Umständen sehr gering.“ Melchin wünscht den Anwohnern in Reez, dass der Täter schnell gefunden wird.

Zu Wochenbeginn musste Katze „Holly“ wieder in die Tierklinik. Die Wunde ist gut verheilt – den Halskragen muss sie allerdings noch eine Weile tragen.

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Von Katharina Ahlers und Stefan Tretropp

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