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Rostock Nach neun Jahrzehnten: Historische Jolle kehrt zurück
Mecklenburg Rostock Nach neun Jahrzehnten: Historische Jolle kehrt zurück
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00:00 26.05.2018
Heribert Hartleib (74) schleift am Rumpf der Twei-Smaker – ausnahmsweise mit einer Maschine. Das Meiste ist Handarbeit.
Heribert Hartleib (74) schleift am Rumpf der Twei-Smaker – ausnahmsweise mit einer Maschine. Das Meiste ist Handarbeit. Quelle: Foto: André Wornowski
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Es ist eine der wenigen Ausnahmen, in der eine elektronische Maschine zum Einsatz kommt: Mit einem Schleifgerät fährt Heribert Hartleib (74) über die Planken.

Name für Boot gesucht – Gewinner bekommt Gratis-Tour

Für die historische Twei-Smaker-Jolle suchen die Bootsbauer noch einen Namen. Ideen können per E-Mail an schifffahrtsmuseum@iga2003.de geschickt werden. „Die Namensvorschläge sollten möglichst einen norddeutschen Bezug haben“, sagt Uwe Ahlgrimm, Mitarbeiter des Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums. Die besten Ideen sollen veröffentlicht werden. „Der Gewinner kann kostenlos eine Bootstour mitmachen“, sagt Ahlgrimm.

„Ansonsten machen wir das meiste hier in Handarbeit“, sagt Uwe Ahlgrimm vom Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum. In der alten Bootswerft am Iga-Park entsteht gerade ein Nachbau der historischen Warnemünder Twei-Smaker-Jolle.

„Das Boot hatte früher eine herausragende Bedeutung. Es war das Lohn- und Brotfahrzeug vieler Generationen“, sagt Ahlgrimm. Die Twei-Smaker sei vor 1930 nicht nur zum Fischen genutzt worden, auch Steine, Sand und andere Güter seien damit von Warnemünde nach Rostock transportiert worden. „Und wenn kein Wind war, musste die Besatzung rudern. Da mussten dann auch die Frauen ran“, sagt Ahlgrimm.

Neben der Twei-Smaker gab es früher noch die Warnemünder Halb- und die Dreivierteljollen. Mit dem Aufkommen des Motors starben diese Boote jedoch ab 1930 aus. Heute gibt es weder einen Nachbau noch Konstruktionspläne. „Durch die Forschung ist nur eine alte Zeichnung der Jolle überliefert. An dieser orientieren wir uns“, sagt Ahlgrimm.

Drei professionelle Bootsbauer und vier Ehrenamtler arbeiten an dem Nachbau. Kiellegung war vor knapp einem Jahr zum 799. Stadtgeburtstag Rostocks. Jetzt ist etwa die Hälfte der Jolle fertig, schätzt Bootsbauer Paul Brümmer. Er und sein Team stehen unter Druck. „Zum Hansetag soll die Außenhaut komplett fertig sein. Wir wollen das Boot dann beim Umzug zum 800. Stadtgeburtstag am 24. Juni auf einem Fahrzeug präsentieren“, sagt Ahlgrimm. Ziel sei es zudem, bei der Hanse-Sail mitzusegeln. „Ob uns das terminlich gelingt, wird sich noch zeigen.“

Für Bootsbauer Helge Brenke ist die Arbeit etwas besonderes. „Ich habe noch den traditionellen Bootsbau gelernt“, sagt der 41-Jährige. Zuletzt habe er jedoch vor mehr als 20 Jahren in seiner Lehre an so einem Projekt arbeiten dürfen. „Wir haben damals ein geklinkertes Ruderboot neu gebaut. Das war aber wesentlich kleiner“, erinnert sich Brenke. Heute kämen solche Arbeiten in seinem normalen Alltag so gut wie nicht mehr vor. „Mancher fährt noch so ein altes Boot und wir machen Reparaturen und Restaurationen. Aber einen kompletten Neubau gibt es nicht mehr.“

Bei der Arbeit am Twei- Smaker merke Brenke nun, wie einiges aus seiner Lehre in Vergessenheit geraten ist. „Aber Stück für Stück kommt alles wieder zurück.“ Das alte Handwerk habe einen besonderen Charme. Es birgt jedoch auch ein Schwierigkeiten. „Uns ist zum Beispiel eine Planke gerissen.“ Das hätten er und die anderen aber rasch korrigiert. „So wie wir das Boot im Moment hinbekommen haben, bin ich zufrieden.“

Etwa zwei Drittel des Rumpfes sind fertig. Im Anschluss muss der komplette Innenausbau gemacht werden – Mast, Segel und Beschläge werden eigens angefertigt. „Es ist zum Beispiel noch die Frage, wie dick der Mast überhaupt wird“, sagt Brenke.

Um das Vorhaben zu vollenden, brauchen die Bootsbauer noch etwas Unterstützung. Durch Stadtverwaltung und Sponsoren sind knapp 30000 Euro zusammengekommen. „10000 Euro bräuchten wir noch, um alles sicherzustellen“, sagt Ahlgrimm.

André Wornowski