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Rostock Nachts im Museum: Tausende Rostocker auf Entdeckungstour
Mecklenburg Rostock Nachts im Museum: Tausende Rostocker auf Entdeckungstour
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17:01 27.10.2019
Auge um Auge mit einem schwarzen Panther: Max (10) ist begeisterter Tierfan. In der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock kommt er seinem Lieblingstier ganz nah. Quelle: Martin Börner
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Rostock

Regungslos steht er da, das Maul weit aufgerissen und seine grünen Augen auf Max gerichtet. Fasziniert erwidert der Zehnjährige den Blick des schwarzen Panthers. „Der sieht so cool aus“, schwärmt der Junge. Was er da vor sich hat, ist nur eines von vielen Präparaten der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock, welche am Samstagabend, ebenso wie 14 weitere Einrichtungen, zu einer ganz besonderen Veranstaltung geladen hatte. Tausende Rostocker nutzen die Lange Nacht der Museen, um die Schätze der Hansestadt zu entdecken – teilweise bis in den frühen Morgen hinein.

Reise in die Vergangenheit

Groß ist der Andrang in der Societät Rostock maritim. Platzangst darf man hier nicht haben. Wenn die Führungen durch die Schiffsgeschichte beginnen, kann es in mancher Ecke etwas eng werden. Familie Redersborg stört das aber nicht. Gemeinsam schlendern Mama Anke, Papa Volker und die beiden Kinder Konrad und Thea durch die Ausstellung. Dem 13-Jährigen haben es vor allem die detailgetreuen Schiffsmodelle angetan. „Ich finde es spannend zu sehen, wie die Wasserfahrzeuge entwickelt wurden“, sagt er. Sein Interesse dafür komme nicht von ungefähr, denn der Familienvater arbeite in einer Reederei, verrät seine Mutter.

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Während sich die Familie langsam auf den Weg in Richtung Kulturhistorisches Museum macht, sind Cornelia Kötz und Peter Schumacher bereits vor Ort. Auf den ersten Blick sind die beiden aber nicht zu erkennen. Gehüllt in historische Gewänder, stehen sie inmitten eines Fotostudios aus dem Jahre 1900. Nicht nur die Frisuren, sondern auch die Posen sitzen. „Das ist ein einmaliges Erlebnis. Es fühlt sich tatsächlich an, als wenn man in eine andere Zeit versetzt wurde“, berichtet die 58-Jährige direkt nach dem Fotoshooting. Seit sie von dieser Aktion gehört habe, war ihr klar: „Das muss ich machen“.

15 Museen öffneten Samstagnacht ihre Türen für tausende Besucher bis in die späten Abendstunden hinein. Was es zu entdecken gab und wer dabei war, gibt es hier in Bildern.

Seltenes Zusammentreffen

Für Aron hält die Nacht ein ganz besonderes Zusammentreffen bereit. Im Obergeschoss der Zoologischen Sammlung wartet nämlich sein Lieblingstier auf ihn – ein Tiger. Die majestätischen Tiere gefallen ihm sehr. In der Schule habe er bereits erfolgreich ein Quiz über die Raubkatze gemeistert. „Jetzt ist es toll, sie von Nahem zu sehen. Das geht sonst nicht“, sagt der Neunjährige.

Was zum Anfassen gibt es auch für Anne Breitrück. Sie darf als eine von wenigen einen echten Hai-Schädel in die Hand nehmen. „Die Zähne sind ganz schön spitz“, stellt sie fest. Gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen Haitham Salti und Nadine Born ist sie eher zufällig auf die Führung von Andreas Bick vom Institut für Biowissenschaften aufmerksam geworden. Gespannt lauschen sie seinem Vortrag über den Gießkannenschwamm.

„In Japan gilt dieser als beliebtes Hochzeitsgeschenk“, erzählt Bick. Der Schwamm ähnele einem weißen Kolben mit feinen Löchern. Durch diese können Larven einer bestimmten Garnelenart ins Innere gelangen und sich paarweise ansiedeln. Weil sie rasch wachsen und für die Öffnung zu groß werden, verbringen sie ihr ganzes Leben in dem Schwamm – ein Symbol für ewige Verbundenheit. „Obwohl ich hier drinnen viel Zeit verbracht habe, wusste ich das noch nicht. Man lernt nie aus“, so Breitrück.

Lange Nacht immer beliebter

Obwohl die Lange Nacht der Museen in Rostock längst zur Tradition geworden ist, können sich die Besucher an den Ausstellungen nicht sattsehen. „Es gibt immer etwas Neues zu entdecken – auch wenn man die Einrichtungen bereits kennt“, sagt Thomas Michels aus dem Landkreis. Gemeinsam mit seinen beiden Töchtern will er so viele Eindrücke wie nur möglich aufsaugen. „Dafür dürfen die beiden auch gerne länger aufbleiben.“

„Jedes Jahr wird das Angebot besser angenommen“, freut sich Jochen Pfeiffer, Vorsitzender der Societät Rostock maritim. Seit mittlerweile 13 Jahren nehme er an der Veranstaltung teil – und es sei immer ein Erlebnis. Anders als bei einigen anderen Einrichtungen bleibt die Tür hier bis weit nach Mitternacht geöffnet. „Aus Erfahrung weiß ich, dass die Studenten erst um kurz vor 24 Uhr kommen. Dann wird es hier noch einmal richtig voll.“

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Von Susanne Gidzinski