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Rostock Nahverkehr in der Luft: Baut Rostock eine Seilbahn zum Erdbeerhof?
Mecklenburg Rostock Nahverkehr in der Luft: Baut Rostock eine Seilbahn zum Erdbeerhof?
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20:47 03.09.2019
Verbindet bald eine Seilbahn „Karls Erlebnisdorf“ bei Rövershagen mit dem Rostocker Stadthafen? Das jedenfalls fordert der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Stein. Quelle: Frank Burchett
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Rostock

Neues Luftschloss oder geniale Lösung für Rostocks Pendler-Probleme? Ein Transportmittel aus den Bergen soll helfen, den Autoverkehr im Mecklenburger Flachland zu reduzieren: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Stein fordert den Bau einer Seilbahn in der Hansestadt.

Die Gondeln sollen Pendler hoch in der Luft vom Stadthafen bis nach Rövershagen bringen. „Eine Seilbahn wäre günstiger als der Bau neuer Straßenbahnlinien“, sagt Stein. Unterstützung bekommt er unter anderem von einem der erfolgreichsten Unternehmer der Region, „Karls-Erlebnisdorf“-Chef Robert Dahl. „Das wäre eine Attraktion für die gesamte Region.“

Sieben außergewöhnliche Pläne für den Nordosten – und was aus ihnen geworden ist.

Günstiger als eine Straßenbahn?

Stein vertritt die Hansestadt im Bundestag, leitet aber auch den Wirtschaftsausschuss des Landkreises Rostock. Eines der drängendsten Probleme aus seiner Sicht: „Wir müssen uns Gedanken über den Nahverkehr der Zukunft machen in der Hansestadt und im Umland.“

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Über zusätzliche Verleihstationen für E-Bikes will er nachdenken, über die Pläne für Elektro-Fähren auf der Warnow und eben auch über eine Seilbahn. „Das mag absurd klingen, aber in München und Stuttgart laufen bereits Untersuchungen, wie man Seilbahnen auch im öffentlichen Nahverkehr nutzen kann“, sagt Stein.

Die bayerische Landeshauptstadt etwa will eine Seilbahn entlang des vielbefahrenen Frankfurter Ringes bauen. Das Argument in München: Eine Seilbahn sei billiger als eine neue U-Bahn-Linie – und auch als der Bau neuer Straßenbahn-Trassen. „Eine Seilbahn ist relativ leicht zu bauen. Ich muss dafür nur Stelzen setzen“, so der 2. Bürgermeister der Metropole, Manuel Pretzl (CSU), in einem Interview mit dem Fernsehsender „München TV“.

Vom Werftdreieck zum Erdbeerhof

Dieselben Argumente würden auch in Rostock ziehen, sagt Peter Stein. Eine der Pendler-Strecken, die der Stadt und den Nachbargemeinden Kopfzerbrechen bereitet, sei die B 105 in Richtung Osten. In den Hauptverkehrszeiten gibt es zwischen Rövershagen und Vorpommernbrücke regelmäßig Staus und Behinderungen. Rostock und der Landkreis arbeiten seit Jahren an Ideen, wie mehr Pendler zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegt werden können.

Der Bau einer neuen Straßenbahn-Linie aber sei zu teuer: „Wir brauchen dafür zig neue Brücken. Über die Warnow, über die A 19, über die Bundesstraße. Das kostet richtig Geld“, so Stein. Eine Seilbahn könnte die Lösung sein.

„Das Aufwendigste sind die Masten“

Steins Traumstrecke: „Die Seilbahn könnte am neuen Werftdreieck starten, dann über das Buga-Gelände am Stadthafen schweben und von dort weiter über die Warnow, an Dierkow und Toitenwinkel vorbei bis zum Erdbeerhof in Rövershagen.“ Pendler könnten ihre Autos vor den Toren der Stadt stehen lassen – und in die Stadt „fliegen“. Aber auch für Touristen wäre es die perfekte Verbindung zwischen Stadt und Land: „Das Aufwendigste ist der Bau der Masten, der Haltestellen entlang der Strecke.“

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„Jede neue Nahverkehrsanbindung zwischen Rostock und dem östlichen Umland ist richtig und wichtig“, sagt auch Robert Dahl, Chef des Rövershäger Erlebnisdorf- und Erdbeer-Imperiums. Ja, Stein habe mit ihm über die Seilbahn-Idee gesprochen. „Und ich finde sie spannend. Sie wäre gerade für unsere Gäste eine spektakuläre Attraktion“, so der erfolgreiche Unternehmer. Bis 2022 soll sein Erlebnisdorf einen eigenen Bahnhof bekommen. „Die Seilbahn wäre aber noch schöner.“

Rostock bremst

In der Hansestadt hingegen stößt Steins Idee auf weniger Begeisterung: „Über innovative Ideen nachzudenken, ist immer eine gute Sache“, sagt zwar Beate Langner, Sprecherin der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Dann kommt das große Aber: „Die RSAG hat zurzeit keine Planungsabsichten für eine Seilbahn im Rostocker Nahverkehr.“

In Deutschland gebe es bisher kaum Erfahrungen mit Seilbahnen in Städten: „Die Kosten für Bau und Unterhaltung einer Seilbahn sind aber nicht zu unterschätzen.“ Einzig in Koblenz sei ein solches System bereits im Einsatz – auf einer nur 890 Meter langen Strecke. Von Rövershagen zum Werftdreieck wären es ziemlich genau elf Kilometer Luftlinie. „In Koblenz kostet eine einfache Fahrt aktuell acht Euro“, so Langner.

Matthäus ist dafür – wenn ein Privatinvestor übernimmt

Auch Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) steht auf der Bremse – jedenfalls, wenn die öffentliche Hand die Seilbahn bezahlen soll: „Einen Nah- oder Regionalverkehr per Seilbahn wird es in Rostock nicht geben. Wir werden uns auf die Finanzierung des Vorhandenen konzentrieren müssen“, so Matthäus. Denn bei der RSAG stünden schon jetzt enorme Ausgaben an – etwa 124 Millionen Euro für neue Straßenbahnen. „Wir haben uns auch beim Buga-Konzept bewusst gegen Straßenbahnen entschieden.“

Matthäus räumt aber ein: „Die Straßen von Rostock bis Gelbensande sind oft überlastet.“ Deshalb habe er nicht grundsätzlich etwas gegen eine Seilbahn: „Einer Privatinvestition würden wir allerdings positiv gegenüberstehen.“

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