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Rostock Neue Attraktion: Rostock dreht am (Riesen-)Rad
Mecklenburg Rostock Neue Attraktion: Rostock dreht am (Riesen-)Rad
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13:04 20.06.2019
Alfred Geisler ist mit seinem „Hanse Rad“ in ganz Europa unterwegs. Nun will er in seiner Heimatstadt ein fest installiertes Riesenrad mit 70 Metern Höhe bauen. So könnte es aussehen. Quelle: Ove Arscholl / Montage: Kira Müller
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Rostock

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit dreht Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) noch mal am Rad – am Riesenrad: Gemeinsam mit der alten Rostocker Schausteller-Familie Geisler will der Noch-Rathaus-Chef eine neue Attraktion am Warnow-Ufer bauen. Ein riesiges, mehr als 70 Meter hohes Riesenrad. „Das soll nicht nur ein paar Tage dort stehen – sondern dauerhaft“, verriet Methling jetzt der OZ. Vorbild ist das sogenannte „London Eye“.

Schausteller wollen investieren

Die Idee, ein Riesenrad in Rostock zu bauen, stammt von Familie Geisler selbst: „Wir kommen ja viel in Europa rum und erleben in immer Städten, welche Anziehungskraft solche Attraktionen haben – auf Touristen, aber auch auf die Einheimischen“, sagt Katrin Geisler. Seit sieben Generationen ist ihre Familie als „fahrendes Volk“ unterwegs. Mit Kinderkarussells, Los- und Ballbuden sowie dem „Hanse Rad“. Das Riesenrad ist 36 Meter hoch und unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt in Rostock das Fahrgeschäft Nummer eins.

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Kommentar: Eine Umdrehung zu viel

Der Plan der Familie: Sie will nun ein fest installiertes Riesenrad am Gehlsdorfer Ufer bauen. „Es soll zur Bundesgartenschau 2025 fertig sein und in die Schau integriert werden“, so Katrin Geisler. Erste Baugrunduntersuchungen hat es nach OZ-Informationen schon gegeben. Das Rad könnte dort entstehen, wo künftig die neue Fußgängerbrücke über die Warnow enden soll. Ursprünglich war dort ein neuer Stadtstrand geplant. Doch die Pläne haben die Buga-Verantwortlichen um Sigrid Hecht, Chefin der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), aufgegeben. Der Warnow-Schlick ist zu belastet, um dort baden zu können. „Unser Riesenrad – mit Blick auf die Buga und die Silhouette der Hansestadt – könnte dauerhaft zum Ausflugsziel und zur Touristenattraktion werden“, hofft Geisler. Auch ein „Hanse-Café“ und ein Spielplatz für Familien könnten am Ufer neben dem Riesenrad entstehen. „Das kann nur schön werden.“ In einigen Wochen wollen Geislers der Stadtpolitik ein erstes Modell ihres Projektes präsentieren.

Zehn Millionen Baukosten

Im Rathaus sind die Verantwortlichen von der Idee begeistert – und bieten bereits Hilfe an: Rund zehn Millionen Euro würde der Bau des „Rostock Eye“ kosten, schätzt Oberbürgermeister Roland Methling. „Wenn wir eine Nummer kleiner denken, nur 50 Meter Durchmesser haben wollen, dann landen wir bei fünf bis sieben Millionen Euro.“ Die Hansestadt könnte und sollte sich an den Kosten beteiligen, sagt er. „Das unternehmerische Risiko bleibt bei Familie Geisler. Wir würden nur helfen.“ Damals – zur Internationalen Gartenbauausstellung 2003 (Iga) in Schmarl – habe Rostock zwölf Millionen Euro für eine Seilbahn ausgegeben, die nach der Blumenschau wieder demontiert wurde. „Das war nicht nachhaltig. Sich aber an einem Riesenrad finanziell zu beteiligen, dass den Rostockern und ihren Gästen dauerhaft einen grandiosen Ausblick auf die sich verändernde und wachsende Stadt ermöglicht – ja, das ist für mich nachhaltig.“

Ob die Beteiligung der Stadt direkt aus dem Stadthaushalt kommen muss oder ob Fördermittel eingesetzt werden können, die für andere Buga-Projekte geplant waren – Methling lässt das noch offen. „Wichtig ist: Bevor wir irgendwas in Sachen ,Riesenrad’ unternehmen, muss feststehen, dass die Fußgängerbrücke über die Warnow wirklich gebaut wird. Ohne die Brücke macht das Rad auf der Gehlsdorfer Seite keinen Sinn“, so der OB.

Kino-Erlebnis am Riesenrad?

Als alternativer Standort käme für Methling auch die Headgehalbinsel in Frage. In direkter Nachbarschaft zum neuen Archäologischen Landesmuseum und dem geplanten großen Spielplatz am Stadthafen. „Wir sollten zur Umgestaltung des Stadthafens und zur Buga das große Rad drehen“, so Methling. „Wir machen die Stadt für alle auf ganze neue Weise erlebbar.“ Dass Methling ein Fan von Riesenrädern ist, hatte er bereits mehrfach bewiesen: Er holte damals – noch als Chef der Hanse SailRiesenräder auf das Seglertreffen. Und der OB war es auch, der 2018 zum 800. Stadtgeburtstag sieben Riesenräder in ganz Rostock aufbauen und jeden Rostocker kostenlos damit fahren ließ.

Der Noch-Rathaus-Chef hat sogar noch mehr Ideen: „Wir könnten die Gondeln des 70-Meter-Rades auch für Gastronomie öffnen – Speisen und dabei Rostock sehen. Oder wir ermöglichen Hochzeiten, Trauungen hoch über der Hansestadt.“ Die Gondeln könnten innen thematisch gestaltet werden – zum Beispiel als „Schaufenster“ für Rostocks Partnerstädte. „Und auf dem Riesenrad selbst könnten wir riesige LED-Flächen installieren – und dort zum Beispiel kleine, nette Liebesnachrichten einblenden. Selbst ganze Filme könnten zwischen den Speichen gezeigt werden. Die Technik macht es heute möglich.“ Am Stadthafen könnten dann alle Rostocker gemeinsam „ins Freiluft-Kino“ gehen. „Ein Riesenrad wäre ein Traum“, sagt Methling.

Andreas Meyer