Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Neue DDR-Forschung: Warum Rostock um Tausende Stasi-Akten kämpft
Mecklenburg Rostock Neue DDR-Forschung: Warum Rostock um Tausende Stasi-Akten kämpft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 10.09.2019
Noch lagern die Stasi-Akten des Bezirks Rostock zu großen Teilen in der Außenstelle des Bundesbeauftragten in Waldeck (Landkreis Rostock). Rostock will die Dokumente nun in die Stadt holen – und wissenschaftlich erforschen lassen. Quelle: OZ-Archiv
Anzeige
Rostock

Es geht um eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte, um abertausende Schicksale und darum, diese Vergangenheit auch in Zukunft aufarbeiten zu können – von Experten, von Wissenschaftlern: Die Hansestadt kämpft um Tausende Akten, die die Stasi einst in den Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg angelegt hat. CDU und auch die Grünen fordern, dass Bund und Land endlich ihre Ankündigung in die Tat umsetzen und Rostock zu dem zentralen Forschungsstandort für die SED- und Stasi-Geschichte im Nordosten machen. Das galt eigentlich längst als ausgemacht, doch Schwerin macht der größten Stadt des Landes plötzlich Konkurrenz.

Bund löst Außenstellen auf

Hintergrund: Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung will der Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen – seit 2011 Roland Jahn – neue Wege im Umgang mit der Stasi-Geschichte gehen: Die Akten sollen nicht mehr in Außenstellen aufbewahrt werden, sondern zentral in das Bundesarchiv überführt werden. Ein Grund: Seit Jahren ist die Zahl derer, die vor Ort Einblick in ihre Akte nehmen will, sinkend. In jedem Bundesland soll es jedoch weiterhin ein Zentrum für die Aufarbeitung der Stasi-Historie geben. Und das will nun Schwerin werden: Die Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anne Drescher, macht Front für die Landeshauptstadt. Die Stasi-Akten aus MV – sie sollen nach ihrem Willen in das Landesarchiv. Doch der Bundesbeauftragte hat andere Pläne. Und zu denen hatte sich vor Jahren auch schon das Land bekannt.

Der Bebel-Tower in Rostock: Noch sitzt hier die Philosophische Fakultät der Universität Rostock, künftig sollen hier die Stasi-Akten aus MV erforscht werden. Quelle: OVE ARSCHOLL

Forschungszentrum in Rostock

„Ich bin über die neue Standort-Debatte sehr verwundert. Ich halte sie auch für überflüssig“, sagt SPD-Spitzenpolitiker Mathias Brodkorb. Der Rostocker hatte schon vor Jahren – damals war Brodkorb noch Kultusminister – mit dem Bundesbeauftragten Jahn eine Lösung für MV ausgehandelt: Weil die Universität Rostock die Geisteswissenschaften am noch zu bauenden Zentralcampus an der Ulmenstraße bündeln will, wird in einigen Jahren der sogenannte „Bebel-Tower“, das Philosophen-Hochhaus an der Bebel-Straße, frei. Dieses Gebäude will der Bund übernehmen, dort Akten lagern und Forschung ermöglichen. „Rostock ist der ideale Standort. Hier haben wir Wissenschaftler, die die Akten studieren und unter neuen Gesichtspunkten auswerten können. Hier werden die Lehrer ausgebildet, die im Rahmen ihrer Ausbildung auch diesen Teil der deutschen Geschichte kennenlernen können“, so Brodkorb.

Land und Bund wollten dafür gemeinsam das „Arno-Esch-Zentrum“ aufbauen, vielleicht sogar eine neue Professur an der Uni schaffen. Arno Esch war ein liberaler Politiker, der 1949 in Rostock verhaftet und 1951 in Moskau wegen angeblicher Spionage hingerichtet wurde. Bereits vor Jahren habe Brodkorb diese Einigung mit Roland Jahn im Schweriner Kabinett vorgestellt – und Zustimmung dafür erhalten.

So konkret klingt das heute nicht mehr. Jedenfalls nicht aus der Staatskanzlei: „Die Entscheidung für den genauen Standort dieser Außenstelle des Bundesarchivs, trifft der Bund, da es sich um eine Bundesbehörde handelt. Nach unserem Kenntnisstand wurde vor diesem Hintergrund die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit der Suche nach einem passenden Grundstück in Rostock beauftragt“, so Regierungssprecher Andreas Timm auf OZ-Anfrage. Und weiter: „Bildungsministerin Bettina Martin und der Bundesbeauftragte haben sich für ein Gespräch verabredet.“

Bund bekennt sich zu Rostock

Während die Landesregierung mit einem klaren Bekenntnis zögert, lässt die Jahn-Behörde keinen Zweifel, wo sie die Zukunft der Stasi-Akten in MV sieht: „Das Land will, im Koalitionsvertrag festgehalten, ein Arno-Esch-Zentrum einrichten, am Ort der ehemaligen Bezirksverwaltung in Rostock. In Nachbarschaft zur Gedenkstätte, die derzeit saniert wird. An diesen Ort sind auch die Stasi-Unterlagen aus Mecklenburg-Vorpommern angedacht, zumal es auch ein Ort ist, an dem sie erobert wurden. Diese Vorstellung des Landes entspricht den Kriterien, die der Bundesbeauftragte für die zukünftige Nutzung der Stasi-Akten in den neuen Ländern aufgestellt hat“, sagt die Sprecherin von Roland Jahn, Dagmar Hovestädt.

CDU und Grüne kämpfen für Akten

Die Störfeuer aus der Landeshauptstadt haben nun auch die Politik in Rostock auf den Plan gerufen – allen vor an die CDU: Die Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg und Peter Stein sowie Rostock-Chef Daniel Peters. Rehberg kritisiert die Schweriner Kreise um die Landesbeauftragte Drescher: Sie mögen endlich die Fakten akzeptieren. „Es gibt seit Jahren Übereinkünfte mit allen Verantwortlichen, dass in Rostock das Arno-Esch-Zentrum errichtet wird, das mit dem ehemaligen Untersuchungshaftgefängnis der Stasi, dem Historischen Institut der Universität Rostock und dem Hochhaus in der August-Bebel-Straße ideale Bedingungen vorweist. Wissenschaftliche Forschung und historische Authentizität sind in Rostock gewährleistet.“

Peters bezeichnet Rostock als „idealen Standort“: „Wer neue Akzente in der DDR-Forschung setzen will, muss alles daran setzen, dass endlich das Arno-Esch-Zentrum geschaffen wird.“ Im Koalitionsvertrag sei Rostock als Standort festgelegt: „Die Würfel sind gefallen.“ Auch der Rostocker Grünen-Fraktionschef Uwe Flachsmeyer kämpft für den die Bebel-Straße: „Es gibt sehr gute Argumente für den Standort Rostock. Die Anbindung an die Uni ist nur einer davon.“

U-Haft wird saniert

Aktuell lassen Land und Bund die ehemalige Stasi-Untersuchungshaft in Rostock für 3,6 Millionen Euro sanieren. „Das ist eine aufwendige Aufgabe für uns“, sagt Christian Hoffmann, Sprecher des Landesbetriebes für Bau und Liegenschaften (BBL). Zwar müssten Brandschutz und Elektrik modernsten Anforderungen entsprechen, aber: „Das Gebäude muss innen und außen authentisch bleiben.“ Baubeginn war Ende 2018, in einem Jahr soll die Gedenkstätte saniert sein.

Mehr zum Thema:

Einsicht in Stasi-Akten: 5100 Anträge in MV

Steigendes Interesse an Stasi-Akten im 30. Jahr des Mauerfalls

Jörn Mothes in Stasi-Unterlagen-Beirat wiedergewählt

Von Andreas Meyer

Die OZ-Leser haben abgestimmt: Der Dönerladen „Best Kebap“ am Doberaner Platz ist der beste in Rostock und Umgebung. Wir haben die Chefs nach ihrem Erfolgsgeheimnis gefragt. Deutsche Ordnung und orientalisches Flair spielen eine Rolle.

10.09.2019

Am Montag wurde in einem Baumarkt in Güstrow (Landkreis Rostock) der Alarm ausgelöst. Der Wachdienst rief die Polizei. Die Einbrecher hatten mehrere Zigarettenpackungen aus einem Schrank gestohlen. Die Schadenssumme ist noch nicht bekannt.

10.09.2019

Am Dienstagvormittag erreichten die Polizei in Rostock mehrere Hinweise, dass in zwei Bürokomplexe in der Rostocker Innenstadt eingebrochen wurde. Was die Einbrecher erbeutet haben, können die Beamten derzeit nicht sagen. Es entstand aber hoher Sachschaden.

10.09.2019