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Rostock Neue Fabrik für Öko-Loks: Japaner setzen auf Rostock
Mecklenburg Rostock Neue Fabrik für Öko-Loks: Japaner setzen auf Rostock
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17:17 10.02.2019
So sehen die hochmodernen Hybrid-Loks des japanischen Elektronik-Riesen Toshiba aus. Die Rangierloks haben 1500 PS. Quelle: Toshiba
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Rostock/Kiel

Eine Nachricht aus Kiel sorgte am Wochenende für schlechte Laune im Rostocker Rathaus und auch im Schweriner Wirtschaftsministerium – zumindest kurzfristig: Seit nun mehr als zwei Jahren buhlen die Hansestadt an der Warnow und Kiel nämlich um ein Großprojekt des japanischen Elektronik-Riesen Toshiba. Der Konzern will im Norden ein neues Werk für hochmoderne, „grüne“ Hybrid-Loks bauen. Am Sonnabend dann die Überraschung: Aus Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt hieß es, Toshiba habe sich für Kiel entschieden. Doch das stimmt nach OZ-Informationen so nicht. Im Gegenteil: Aus Bahnkreisen heißt es, der größte Teil des möglichen Milliarden-Auftrags geht an die Warnow.

Öko-Loks für Europa

Der japanische Konzern gilt als führend auf dem Gebiet der Öko-Loks – und will nun auch den europäischen Markt erobern. Die modernen Loks verfügen über leistungsstarke Akkus, können via Oberleitung oder auch mit Dieselmotoren angetrieben werden und gewinnen einen Großteil der Bremsenergie zurück. 100 solcher Lokomotiven hat die Deutsch-Bahn-Tochter DB Cargo bereits geordert. Für 300 Millionen Euro. Für 300 weitere Loks hat DB Cargo eine Option. Insgesamt könnte der Auftrag also mehr als eine Milliarde Euro wert sein. Und: Bis zu 200 neue Arbeitsplätze sollen in der Produktion der Hybrid-Lok entstehen.

Kiel jubelt zu früh

Am Wochenende jubelten nun Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), weil die Fördestadt angeblich den Zuschlag von Toshiba erhalten habe. Stimmt so nicht, heißt es hingegen aus Rostock: „Wir haben andere Informationen. Beide Städte bekommen von dem ,Kuchen‘ etwas ab – aber Kiel wird definitiv nicht der Haupt-Produktionsstandort sein“, sagt Christian Weiß, Chef des Wirtschaftsförderers Rostock Business.

Auch DB Cargo zeigte sich überrascht von den Nachrichten aus Schleswig-Holstein: „Wir arbeiten an einer gemeinsamen Erklärung mit Toshiba, werden uns Anfang der Woche äußern“, so Unternehmenssprecherin Franziska Vallentin. Hinter vorgehaltener Hand heißt es sogar, Toshiba sei hochgradig verstimmt über die voreiligen Meldungen aus Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt.

Endfertigung in Rostock

Nach OZ-Informationen seien die Verträge zwischen Toshiba und der Bahn-Tochter längst unterschrieben – und sehen Rostock als wichtigsten Standort des Projektes vor. „Die Verträge sind da sehr eindeutig“, heißt es aus Deutsche-Bahn-Kreisen. Die Japaner hätten sich entschieden, die Forschung und Entwicklung der neuen Öko-Loks nach Kiel, Düsseldorf und Tokio zu vergeben. In Düsseldorf soll an der Elektrik geforscht werden, in Tokio an der Hybrid-Technologie und in Kiel an den Bahn-Komponenten. Die ersten sechs Prototypen der Toshiba-Lok sollen ebenfalls von der Förde kommen. Die Endfertigung der weiteren 94, bereits fest bestellten Loks aber, finde in Rostock statt. Toshiba will das Bahnwerk in Krummendorf mitnutzen, erhofft sich zudem durch die Hafenanbindung Vorteile für den Export – sollte die neue Hybrid-Lok international zum Verkaufsschlager werden.

Toshiba zählt zu den größten Elektronik-Konzernen der Welt, machte 2016 einen Umsatz von fast 43 Milliarden Euro. Die Japaner bauen Computer, Festplatten, Fernseher und gelten als Pioniere in der Hybrid-Technologie. Toshiba ist auch am Bau des Hybrid-Autos Toyota Prius beteiligt. Der Auftraggeber DB Cargo hatte sich in den Verhandlungen massiv für Rostock eingesetzt. Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph (CDU) hatte die Ansiedlung der neuen Eisenbahnfabrik zur Chefsache in Schwerin gemacht. Mehrfach sollen Delegationen aus Japan auch das Bahnwerk Krummendorf besucht haben.

Andreas Meyer

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