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Rostock Hochspannungstrasse zwischen Rostock und Güstrow fast fertig
Mecklenburg Rostock Hochspannungstrasse zwischen Rostock und Güstrow fast fertig
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19:25 20.03.2019
Am 20. März wurden südlich von Schwaan die letzten drei Masten für die neue Hochspannungstrasse zwischen Güstrow und Rostock errichtet.  Die Arbeiten werden durch die Firma LTB Leitungsbau Radebeul ausgeführt.
Am 20. März wurden südlich von Schwaan die letzten drei Masten für die neue Hochspannungstrasse zwischen Güstrow und Rostock errichtet. Die Arbeiten werden durch die Firma LTB Leitungsbau Radebeul ausgeführt. Quelle: Doris Deutsch
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Schwaan

Die Windräder südlich von Schwaan drehen sich kräftig. Schon bald kann der an der Küste erzeugte Grünstrom über eine neue Hochspannungsleitung zum Netzverknüpfungspunkt von 50 Hertz nach Güstrow transportiert werden. „Von dort geht es über das nationale Verteilnetz in die energiehungrigen Ballungsgebiete in West- und Süddeutschland“, informiert Michael Elsholtz, Sprecher des Netzbetreibers Edis, der den Ersatzneubau der Stromtrasse zwischen Rostock-Schutow und Güstrow in Auftrag gegeben hat.

Gestern wurden südlich von Schwaan die letzten Stahlmasten für die insgesamt 36 Kilometer lange 110-kV-Leitung errichtet. „Die alte Leitung ist seit 1954 in Betrieb“, erklärt Elsholtz. Damals seien Stromtrassen ausschließlich als Versorgungsleitungen geplant und gebaut worden. „Die Energiewende erfordert nun aber eine Neuausrichtung des Leitungssystems“, betont der Edis-Sprecher.

Bestehende Leitung ausgelastet

In der Küstenregion werde inzwischen vielerorts Windstrom erzeugt. Die Mengen übersteigen den regionalen Bedarf um ein Vielfaches. „Die bestehende Leitung Rostock – Güstrow ist seit einiger Zeit komplett ausgelastet“, sagt Elsholtz. Der Ausbau war dringend notwendig, die Übertragungskapazität der neuen Leitung beträgt künftig das Dreieinhalbfache. Neu: „Die Richtung wechselt jetzt“, erläutert Elsholtz. „Grünstrom fließt nicht nur gen Güstrow. Bei Flaute kann Strom auch andersherum in Richtung Rostock transportiert werden.“

Die Trasse zwischen dem Umspannwerk Rostock-Schutow und dem Netzverknüpfungspunkt Güstrow wird standortgleich neu gebaut. 15 Millionen Euro investiert Netzbetreiber Edis hier. 159 Stahlgittermaste werden neu errichtet, 436 Kilometer Leiterseil gespannt und 2200 Isolatoren verbaut. Hinzu kommen zwei jeweils 37 Kilometer lange sogenannte Erdseile, von denen eines mit Lichtwellen-Fasern ausgestattet ist. Die Glasfaserkapazitäten vermarktet der Netzbetreiber. In der 15. Kalenderwoche soll die neue Hochstromleitung in Betrieb gehen.

Stahlkonstruktionen kommen aus Tschechien

Bis dahin haben Bauleiter Silvio Reinsch und sein Team von der LTB Leitungsbau GmbH Radebeul noch einiges zu tun. Sechs Monteure haben gestern die letzten drei 25 Meter hohen Maste auf dem Acker bei Kassow zusammengeschraubt. Die aus Tschechien stammenden Stahlkonstruktionen wurden zuvor in zwei Teilen am Boden vormontiert, bevor sie per Kran nach oben gehievt werden. Sicher vergurtet und mit Schrauben- und Werkzeugeimer steigen die Männer nach oben. „Zwei bis drei Stunden brauchen sie für einen Mast“, sagt Bauleiter Reinsch.

Die alten Masten mussten zuvor demontiert, Gründungen für die neuen realisiert werden. „Zumeist haben wir Plattenfundamente gesetzt“, berichtet Reinsch, aber in den Sumpfwiesen rund um Strenz und im Bereich der Warnow mussten auch acht Rammgründungen vorgenommen werden. Vier Wochen etwa mussten die Fundamente abbinden, bevor es mit den Masten weitergehen konnte. Sind diese aufgerichtet, können die Seile gezogen werden. „3,5 Kilometer Seilzug von Mast 36 bis 48 sind jetzt noch offen, das machen wir in den nächsten Tagen“, kündigt der Bauleiter an. Außerdem fehlen noch fünf Stahlgittermasten am Netzpunkt in Güstrow. „Die sollen“, so Reinsch, „im Zuge des Umbaus des Umspannwerkes errichtet werden.“

Autobahn war besondere Herausforderung

Während der Bauphase stand die alte Leitung zeitweise nicht unter Strom. Mit kleineren provisorischen Lösungen konnten aber die angeschlossenen Umspannwerke weiter versorgt werden. „Mit einigen Einschränkungen wurde dennoch der Abtransport regenerativ erzeugter Energie entweder nach Rostock oder Güstrow ermöglicht“, betont Elsholtz.

Besondere Herausforderungen beim Trassenbau bestanden an der Kreuzung der Autobahn A 20 und deren Zubringer unmittelbar hinter dem Umspannwerk Schutow. Dort wurde ein großes Netz über die Fahrbahnen zur Absicherung der Seilarbeiten an der Freileitung gespannt. Außerdem mussten Baupausen eingelegt werden, um dem Naturschutz gerecht zu werden. Während der Vogelbrutzeit wurden Bauzeitbeschränkungen festgelegt, Wegebaumaßnahmen zum Schutz der Bodengefüge ergriffen und Amphibienschutzzäune errichtet. Während der Hauptbrutzeit der Fischadler zwischen Mitte März und Ende Juli ruhten die Arbeiten. „Wir haben auch zwei neue Horste an den Masten errichtet“, sagt Bauleiter Reinsch. „Davon hat der Adler nichts gemerkt, das haben wir im Winterhalbjahr gemacht.“

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Doris Deutsch